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Aquaristik back to the roots: Kaltwasser!

Was ist ein Kaltwasser Aquarium?

Das Kaltwasseraquarium zählt zu den ursprünglichsten Aquarienarten überhaupt. Zu Beginn der Aquaristik im heimischen Keller oder Wohnzimmer waren tropische Fische eher nicht die Regel, gepflegt wurden vorwiegend Biotopfische, die auch in der Natur anzutreffen waren. Erst mit zunehmender Industrialisierung und der damit verbundenen Neuerungen auch in Sache Technik, erlebte die Aquaristik diverse Aufschwünge, angefangen von Aquarienfiltern über Heizstäbe und Beleuchtungsmethoden.

Meist handelt es sich beim Kaltwasseraquarium um ein Becken ab 100 Litern aufwärts, größer ist bei den Fischen, die meist ins Auge gefasst werden, aber vorteilhafter, denn häufiger sind es eher solche Kameraden, die dann doch etwas mehr Platz zum ausschwimmen benötigen, wie etwa Goldfische oder andere Karpfenartige. Natürlich spielt hier auch die Temperatur eine Rolle- denn im Gegensatz zu den tropischen Aquarien, die eine Wassertemperatur zwischen 20 und 29° C oder mehr aufweisen, wird das Kaltwasseraquarium eher bei Zimmertemperatur und ohne Regelheizer gepflegt und knackt dabei eher selten die 20° C Marke. Damit unterliegt es aber auch jahreszeitlichen Schwankungen, die nicht allen Aquarienbewohnern zuträglich ist. Da aber auch der Stoffwechsel der Fische abhängig von ihrer Umgebungstemperatur ist, eignen sich noch lange nicht alle Schuppenträger oder jedes Grünzeug fürs Kaltwasseraquarium. Natürlich wird das Kaltwasseraquarium gefiltert, auch der regelmäßige Wasserwechsel ist hier Pflichtprogramm.

Welche Pflanzen eignen sich?

Durchstöbert man die riesige Vielfalt an Aquarienpflanzen stellt man häufiger fest, dass die meisten sich eher fürs Warmwasseraquarium eigenen. Nichtsdestotrotz stammen etliche aus eher gemäßigten Klimazonen und sind prima fürs Kaltwasseraquarium geeignet. Für gewöhnlich stellen sie auch keine allzu großen Ansprüche an ihre Versorgung wie etwa in High End Aquascapes oder Pflanzenaquarien. Einige der geeigneten Arten kennt man vielleicht sogar bereits vom Gartenteich. Nichtsdestotrotz ist es möglich, das Kaltwasseraquarium auch hübsch zu bepflanzen und zu gestalten, es steht dem „normalen“ Tropenaquarium in nichts nach. Vor allem dienen die Pflanzen dazu, Algen in ihrer Entwicklung zu hemmen, als Rückzugsort für Tiere, aber natürlich auch als Sauerstofflieferanten.

Riesen-Sumpfschraube – Vallisneria gigantea

Die Vallisneria ist wohl mit eine der bekanntesten Aquarienpflanzen. Sie eignet sich prima für den Hintergrund und bildet lange schmale Blätter aus, die sich sogar auf die Wasserfläche legen, wenn sie diese erreicht haben, denn können zwischen 100-180 cm lang werden. Sie vermehrt sich über unterirdische Ausläufer. Alternativ dazu ist die Vallisneria spiralis sp. Leopard, die nur 30-50 cm hoch wird und Temperaturen zwischen 15-30 °C verträgt.

Pfennigkraut – Lysimachia nummularia

Das Pfennigkraut ist eine einheimische Pflanze, die sowohl für den Teich, Terrarien, und selbst als Kübelpflanze eignet- da bildet sie im Frühling leuchtend gelbe Blüten aus. An ihren aufrechten verzweigten Trieben bildet sie tolle runde Blättchen aus, die prima als Eyecatcher wirken und eignet sich mit ihrer Höhe von ca. 40 cm prima für den Mittelgrund. Sie mag es eher etwas kühl und verträgt 4-25 °C. Auch ihre Vermehrung ist kinderleicht: einfach ein paar Triebe im oberen Drittel abschneiden und wieder einpflanzen.

Europäischer Strandling – Litorella uniflora

Diese kleinbleibende Pflanze bildet kurze grasartige Halme von gerade einmal 2-5 cm aus und ist damit der perfekte Kandidat für den Vordergrund im Kaltwasseraquarium. Ursprünglich stammt sie aus Nordeuropa und ist relativ anspruchslos. Sie vermehrt sich über Ausläufer und kann so den Boden begrünen, wenngleich sie etwas langsam wächst.

Wasserprimel/ Wasserfeder – Hottonia palustris

Mit ihrer außergewöhnlichen geschwungenen Stängeln und der tief eingeschnittenen, gelappten Blattform, die ihr auch ihren Namen eingebracht hat, ist die Wasserfeder ein echt toller Eyecatcher, der allerdings auf eine gute Licht- und Nährstoffquelle angewiesen ist. Auch im Gartenteich gibt sie eine gute Figur ab und verträgt 4-28° C. Mit einer Höhe von 60-80 cm eignet sie sich für den Mittel- Hintergrund, kann aber auch durch entsprechenden Rückschnitt kur und kompakt in Form gehalten werden. Abgeschnittene Triebe lassen sich ganz einfach wieder einpflanzen.

Ludwigie - Ludwigia repens „Mini super red“

Auch Rottöne sind im Kaltwasseraquarium möglich, die „Mini super red“ macht es vor und verträgt Temperaturen zwischen 4-28 °C. Dabei peppt sie das übrige Grünzeug mit einem knalligen Rot auf. Diese Stängelpflanze kann toll als Farbtupfer in dichten Beständen gesetzt werden und lässt sich über Kopfstecklinge ganz easy vermehren. Sie erreicht 40-60 cm Höhe und wirkt einzigartig, wenn sie über die Wasseroberfläche hinaus wächst.

Javamoos – Taxiphyllum barbieri

Sonderlich anspruchsvoll ist das Javamoos nicht und kommt mit 5-28 °C problemlos zurecht. Es eignet sich vor allem klasse zur Begrünung von Aquarienwurzeln und dient damit zudem als Rückzugsort für Fische und Wirbellose. Vermehren kann man es ebenso einfach, indem man einfach ein paar Triebe abzupft oder abschneidet und woanders erneut aufklebt oder auch in die Ritzen von Steinen oder Wurzeln steckt, dort wächst es dann einfach weiter.

Quellmoos – Fontinalis antipyretica

Quellmoos ist mehr oder weniger ein weltweit verbreitetes Moos und bildet lange schmale grüne leuchtende Triebspitzen aus, die bis zu 30 cm erreichen können. Es wird auch Willow Moos genannt und lässt sich unkompliziert im Gartenteich kultivieren. Die langen Triebe sind federweich und vertragen auch kräftiges Zurückschneiden. Mit einer Temperaturtoleranz von 5-32° C ist das Quellmoos ein echter Allrounder.

Aufsitzerpflanzen - Anubias

Auch Anubias vertragen ein recht breites Spektrum an Temperaturen zwischen 12-30° C und sind verfügbar in etlichen Varianten mit unterschiedlichen Höhen. Aufgebunden oder aufgeklebt wirken sie toll als Eyecatcher im Kaltwasseraquarium und sind außerdem barschfest. Auch benötigen sie eher weniger Nährstoffe und kommen selbst mit Schwachlicht noch einigermaßen gut zurecht und wachsen weiter. Sie verfügen über einen Wurzelstock, das sogenannte Rhizom, das auf Substrat wie Wurzeln oder Steine fixiert wird und nicht in den Bodengrund gepflanzt werden sollte.

Welche Tiere lassen sich im Kaltwasser Aquarium pflegen?

Nicht nur reine Fischbecken wollen heutzutage gepflegt werden, immer häufiger werden auch Wirbellose bevorzugt. Ob Zwerggarnele, Muschel, Krebs oder Schnecke- die Palette ist recht groß, die sich fürs Kaltwasseraquarium eignen. Vor allem Schnecken und Garnelen dienen dabei häufig als Putztruppe, trotzdem sollte man auch ihren Bedürfnissen gerecht werden. Auch ist zu beachten, dass nicht alle Fische ihnen wohlgesonnen sind und sie teilweise auch als Snack betrachten.

Sumpfdeckelschnecke – Viviparus viviparus

Diese hübsche Sumpfdeckelschnecke im Ringelsockendesign kommt in der Natur fast nicht mehr vor und lässt sich prima im Gartenteich und im Kaltwasseraquarium halten. Sie ist getrennt geschlechtlich und lebendgebärend und bringt in etwa alle zwei Wochen ein Junges zur Welt. Als Filtrierer benötigt sie Staubfutter und futtert ansonsten auch gerne Algen und Biofilme ab. Sie bevorzugt Sand als Bodengrund und Temperaturen, die 24 °C nicht übersteigen.

Posthornschnecke – Planorbarius corneus

Im Gegensatz zu ihren kleinen Schwestern, der Planorbella duryi wird die Europäische Teichposthornschnecke größer- fast 4 cm. Auch sie ist getrennt geschlechtlich, legt aber geleeartige Gelege ab. Eine extra Fütterung benötigt sie nicht, im eingefahrenen Aquarium ernährt sie sich von Futterresten, Algen und abgestorbenen Pflanzenresten. Ihre Toleranz liegt bei 4-30 °C.

Spitzschlammschnecke – Lymanea stagnalis

Spitzschlammschnecken sind geradezu einmalig- denn neben ihrem drolligen Aussehen mit den dreieckigen Fühlern weisen sie einen Appetit auf Hydren und Fadenalgen auf und helfen so, das Aquarium blitzsauber zu halten, sogar die Kahmhaut mampfen sie herunter. Sie lassen sich gut im Teich, aber auch im Kaltwasseraquarium pflegen und ebenso vermehren. Sie verträgt 4-30 °C und kann bis zu 2 Jahre alt werden.

Edelkrebs – Astacus astacus

Der Europäische Edelkrebs lässt sich unkompliziert im Kaltwasseraquarium und Teich pflegen, damit er sich vermehrt benötigt er sogar eine Kältephase. Da er eine Größe zwischen 15-18 cm erreicht sollte das Aquarium mindestens 100 cm Kantenlänge für ein Pärchen betragen Er verträgt 4-22 °C und gilt als Allesfresser, der sowohl mit Krebsfutter, aber auch Gemüse und Laub frisst. Er kann mit Garnelen und friedlichen mittelgroßen Fischen zusammen gehalten werden, Schnecken könnten auf seinem Speiseplan stehen.

Malermuschel – Unio pictorum

Die bei uns einheimische Malermuschel kann in etwa 10 Zentimeter erreichen und ist eine Filtriererin, die das Wasser glasklar hält. Damit sie sich vermehrt benötigt sie Fische als Gesellschaft, da sie symbiontisch lebt. Sie gräbt sich in weiche und sandige Böden ein und kann sich mit ihrem Fuß langsam kriechend vorwärts bewegen. Sie versteht sich gut mit Garnelen, Schnecken und friedlichen Fischen.

Goldfisch – Carassius auratus auratus

Der wohl bekannteste und beliebteste Kaltwasserfisch überhaupt ist der Goldfisch. Da sie mit 30 cm recht groß und mit bis zu 40 Jahren auch recht alt werden können und zudem noch Gruppenfische sind, die mindestens mit 5 Kumpels gepflegt werden sollten, sollte auch ihr Aquarium entsprechend groß sein und mindestens 500 Liter, eher mehr betragen. Damit ihr Stoffwechsel nicht durcheinander kommt ist es sinnvoll, das Aquarium  im Winter abzukühlen oder sie sogar in Keller oder Garage frostfrei zu überwintern, denn sie fallen in eine Art Kältestarre. Sie sind Allesfresser, die durchaus auch Garnelen oder Schnecken futtern und eine Vorliebe für Anfluginsekten, sowie Lebend- und Frostfutter haben. Sie sollten temperaturtechnisch besser unter 20 °C gepflegt werden und eignen sich am allerbesten für die Haltung im Gartenteich.

Drachenfisch – Zacco platypus

Dieser auffällige Kamerad sorgt für echtes Farbenspektakel im Aquarium. Da er aber 20 Zentimeter erreicht, auf die Gesellschaft von seinesgleichen großen Wert legt und vor allem abends richtig aufdreht, sollte er nicht unter 600 Litern gepflegt werden. Er verträgt Temperaturen zwischen 4- 26 °C und kann auch mit dem Edelkrebs vergesellschaftet werden. Wirbellose stehen aber eher auf seinem Speiseplan. Eine stellenweise dichte Bepflanzung ist bei ihm notwendig, damit sich genervte Weibchen zurück ziehen können. Der Drachenfisch lässt sich mit Insekten, Flockenfutter für Teichfische aber auch mit Fadenalgen füttern.

Diamantbarsch – Enneacanthus gloriosus

Dieser Prachtbursche ist vermutlich einer der ersten, der im Aquarium gepflegt wurden. Mit seinem tollen Aussehen bekam er seinerzeit den Titel „Arbeiterdiskus“ verliehen. Sein Kaltwasseraquarium sollte mindestens 80 cm Kantenlänge aufweisen, als Bodengrund eignet sich feiner Kies oder auch Sand. Eine Infrastruktur in Form von Wurzeln und Pflanzen ist unabkömmlich. Sie legen Wert auf einen konstanten pH-Wert zwischen 7-7,5 und eine Temperatur  von 10-20 °C. Auch das Wasserwechseln sollte beim Diamantbarsch nicht zu kurz kommen. Gelegentlich neigt er zum Mäkeln und lehnt Trockenfutter ab, von Lebend- und Frostfutter lässt er sich in der Regel aber gut überzeugen. Mit Wirbellosen sollte er besser nicht zusammen gehalten werden.

Moderlieschen – Leucaspius delineatus

Diese kleinen Schwarmfische erreichen niedliche 10 Zentimeter und wirken in ihrer Gruppe quirlig und lebensfroh. Ab 100 Litern können sie problemlos gepflegt werden und eignen sich auch für Miniteich und Gartenteich. Sie haben eine recht hohen Sauerstoffbedarf, vor allem bei höheren Temperaturen und benötigen unter Umständen einen Oxydator oder Ausströmersteine. Im Frühsommer laichen sie ab, dazu benutzen sie Oberflächenpflanzen. Moderlieschen knabbern an Algen und auch Anfluginsekten oder Frost- und Lebendfutter.

Amerikanische Rotflossenorfe – Cyprinella lutriensis

Diese hübsche Amerikanerin steht einem Koi farblich praktisch in nichts nach und ist ein toller Farbklecks im Kaltwasseraquarium. Sie wird auch „Red Shiner“ genannt- nicht umsonst, denn bei ihr ist ihr Name noch Programm! Ihr Aquarium sollte mindestens 80 cm Kantenlänge aufweisen, auch bevorzugt sie das gesellige Gruppenleben mit ihresgleichen. Sie verträgt Temperaturen zwischen 10-20 °C und benötigt Strömung im Becken. Mit ständigem Appetit futtern sie Wirbellose, aber auch den Laich anderer Fische, weswegen sie sich eher für ein Artaquarium eignen. Mit Trockenfutter, aber auch Mückenlarven oder Algen lassen sich die Rotflossenorfen aber gut füttern.

Dreistachliger Stichling – Gasterosteus aculeatus

Diesen stacheligen Kameraden hat vermutlich jeder schon einmal gesehen oder von ihm gehört- nicht umsonst trägt er je nach Region die unterschiedlichsten Kosenamen. Auch wenn er mit 11 Zentimetern eher klein ist, so ist er aber umso „oho“: denn schwer bewaffnet mit Knochenplatten anstelle Schuppen und den Stacheln vor der Rückenflosse weiß dieser sich zu wehren. Daher sollte er auch besser nicht mit anderen nicht stacheligen Fischen zusammen gepflegt werden. 100 Liter sollte das Aquarium für diesen Stachelritter mindestens betragen und gut gewartet sein, denn er hat einen erhöhten Sauerstoffbedarf und mag es gerne sauber. 4-20 °C verträgt er problemlos und kann bei pH-Werten zwischen 6,5-7 gut gehalten werden. Eine Infrastruktur aus Wurzeln und Steinen oder dichteren Pflanzenbeständen kommen ihm und seinem Revierverhalten entgegen. Er futtert gerne Insekten, aber auch Lebend- und Frostfutter und kann etwas mäkelig bei Dosenflocken werden.

Auf die kalten Hände, fertig los:

Die Auswahl potentieller Kaltwasserfische- und Pflanzen ist sicherlich artenreicher, aber für einen ersten groben Überblick sei hier vorgestellt, dass das Kaltwasseraquarium quasi die „Urmutter der Aquaristik“ darstellt und unterm Strich eigentlich gar kein großes Hexenwerk ist. Vor allem für Erhaltung potentiell in der Natur gefährdeter Arten eignet es sich super und ist unterm Strich vielleicht doch ein klein wenig anders als die Tropenbecken, an denen man sich fast schon ein bißchen satt gesehen hat.


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