Muschelkrebse im Aquarium

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Muschelkrebse gehören - das verrät uns der Name ja schon - zu den Kleinkrebsen. Das macht sie zu weitläufigen Verwandten unserer Garnelen, auch wenn sie eigentlich gar nicht danach aussehen.

Vorkommen

Muschelkrebse werden auch Ostracoden genannt. Sie kommen sowohl in Süßwasser wie auch in Meerwasser vor, und man findet sie praktisch auf der ganzen Welt. Es gibt sogar landlebende Muschelkrebse. Bisher wurden ca. 2000 Arten von Süßwasser Muschelkrebsen beschrieben, man rechnet jedoch damit, dass eine sehr große Zahl von Arten noch gar nicht entdeckt wurde.

Entsprechend schwierig ist eine Zuordnung bei Muschelkrebsen im Aquarium, man kann die genaue Art in der Regel nicht bestimmen. Die gute Nachricht: Das ist auch gar nicht notwendig. Die allermeisten Muschelkrebse "ticken" sehr ähnlich.

Aufbau eines Muschelkrebses

Ein Muschelkrebs, auch Muschelschaler genannt, hat ein Außenskelett aus zwei Hälften. Der Name "Muschelschaler" bezieht sich auf diese beiden Hälften, die tatsächlich ein wenig an eine Muschel erinnern. In der erstaunlich harten und festen Schale verbirgt sich das eigentliche Tier. Die Schalen hängen am Rücken zusammen. Der Muschelkrebs kann sie also am Bauch einen Spaltbreit auseinander klappen, um seine Ruderbeine oder Laufbeine herauszustrecken und sich fortzubewegen, und natürlich auch, um zu fressen oder um sich zu paaren. Bei Gefahr kann ein Muschelkrebs seine Gliedmaßen vollständig in die Schalen zurückziehen und die Schalen sehr fest verschließen. Es gibt Berichte, wonach manche Fische fest eingeklappte Muschelkrebse nicht verdauen (weil die Schalen zu stabil sind) und sie mit dem Kot zusammen ausscheiden. Es wurde beobachtet, dass Muschelkrebse danach ihre Schalen wieder öffneten und weiter ihrer Wege zogen, als wäre nichts geschehen.

Muschelkrebse im Süßwasseraquarium

In der Folge wollen wir uns mit den Muschelkrebsen befassen, die man gemeinhin im Süßwasseraquarium findet.

Aussehen

Die Schalen der Muschelkrebse, die man im Aquarium gemeinhin so findet, sind je nach Art weißlich bis gräulich gefärbt, es gibt aber auch sehr dunkle, fast schwarze Muschelkrebse und solche mit Zebramuster oder Scheckmuster. Von der Form her können sie ebenfalls variieren: es gibt Arten, bei denen die Schalen deutlich oval geformt sind, nierenförmig oder auch mehr oder weniger rund. Sie alle haben gemein, dass man die Nahtstelle zwischen den Schalen unter einer guten Lupe (die ohnehin ein nützliches und sinnvolles Zubehör für die Aquaristik ist) gut erkennen kann.

Größe

Die Größe der Muschelkrebse variiert ebenfalls. Während es ausgesprochen winzige Vertreter gibt, die nur 0,5 mm lang werden, gibt es auch echten "Riesen" (die im Vergleich zu anderen Aquarienbewohnern natürlich immer noch ziemlich klein sind) von 2-3 mm Größe.

Fortbewegung

Muschelkrebse krabbeln entweder auf dem Boden, auf Wurzeln und Pflanzen, oder sie schwimmen durchs Wasser. Dabei vollführen sie manchmal kreiselnde Bewegungen, ihre Schwimmweise wird ab und zu mit einem Hubschrauber verglichen. Sie schwimmen relativ flüssig und bewegen sich nicht ruckartig.

Fortpflanzung und Einschleppung

Muschelkrebse sind eingeschlechtlich, das heißt, es gibt Männchen und Weibchen. Die Männchen haben zwei Penisse, die Weibchen zwei Geschlechtsöffnungen. Eine Besonderheit ist die Größe der Spermien eines Ostracoden-Männchens: sie können ausgerollt sechsmal so lang sein wie der ganze Körper des Tieres. Einige Arten vermehren sich auch ganz oder teilweise durch Jungfernzeugung, hier brauchen die Weibchen dann gar keine Männchen mehr, sie können sich auch ohne Befruchtung fortpflanzen. In diesem Fall reicht dann ein einziges Tier, um eine Population aufzubauen.

Muschelkrebse legen dabei Dauereier, die auch Trockenheit gut überstehen können. Sie werden oft mit dem Wind verdriftet und sind Bestandteil des ganz normalen Staubes in der Luft - das erklärt, warum auch in Aquarien Muschelkrebse auftauchen können, in denen keine Pflanzen oder Dekorationsgegenstände aus anderen Aquarien eingebracht werden. Ansonsten kann man Muschelkrebse auch mit Tümpelfutter und anderem Lebendfutter einschleppen, sie können an Pflanzen oder Dekoration sitzen, im Transportwasser von Fischen und Garnelen oder Schnecken mitgebracht werden …

 

Bild: Ricardo Castellanos

Verwechslungsgefahr

Muschelkrebse werden gern mit anderen Kleinkrebsen im Aquarium verwechselt. Ganz besonders oft mit Hüpferlingen oder Wasserflöhen. Diese Tierchen bewegen sich jedoch ruckartig fort, nicht gleitend oder kreiselnd wie ein Muschelkrebs. Spätestens unter der Lupe kann man sich dann ganz sicher sein, dass es sich um einen Muschelkrebs handelt, wenn man die namensgebenden Schalen erkennen kann.

Nahrung

Die allermeisten Muschelkrebse im Süßwasseraquarium leben von Detritus, Futterresten, Biofilmen, Aas und frisch toten Tieren, Algenaufwuchs, Schwebealgen und so weiter. Sie fressen keine lebenden Pflanzen und sie gehen in der Regel auch nicht an lebende Tiere. Eigentlich handelt es sich bei den allermeisten Muschelkrebsen im Aquarium also um harmlose bis nützliche Resteverwerter, die einen guten Dienst im Biosystem leisten, weil sie sich um Abfälle kümmern, die ansonsten die Wasserqualität beeinträchtigen könnten.
Es gibt (sehr seltene!) Ausnahmen: manche Arten der Ostracoden sind ausgesprochen räuberisch. Diese räuberischen Arten leben für gewöhnlich im Meer. Im Süßwasser gibt es sie auch, aber sie sind wirklich nur in absoluten Einzelfällen im Aquarium vertreten. Dort werden eher Weichtiere wie Würmer und Schnecken gefressen, an lebende Garnelen gehen auch räuberische Muschelkrebse praktisch nur direkt nach der Häutung, wenn der Panzer noch nicht ausgehärtet ist.

Problematik

Abgesehen von den räuberischen Arten (die, wie gesagt, im Süßwasseraquarium nur ausgesprochen selten vorkommen) sind Muschelschaler eher friedliche Mitbewohner im Aquarium. Ein Problem kann sich allerdings bei Deckelschnecken wie Neritina, Pianoschnecken, Faunus ater oder Apfelschnecken ergeben: Krabbelt ein neugieriger Muschelkrebs auf einer solchen Schnecke herum, kann es vorkommen, dass sie sich einzieht und ihren Deckel schließt. Da Muschelkrebse nicht die allerschnellsten Aquarientiere sind, kann es dabei vorkommen, dass der Muschelkrebs mit eingeschlossen wird. Dann wird er versuchen zu entkommen, dabei stört er jedoch die Schnecke und irritiert sie immer mehr, sodass sie den Deckel immer fester verschließt. Im Extremfall kann es dazu kommen, dass die Schnecke sich gar nicht mehr ausdeckelt und verhungert oder am Stress stirbt. In Aquarien mit seltenen Schnecken oder in Aquarien mit Deckelschnecken sollte daher die Muschelkrebspopulation möglichst unter Kontrolle gehalten werden.

Im Garnelenaquarium haben Muschelkrebse keine Fressfeinde. Bei einem starken Befall kann es vorkommen, dass Junggarnelen nicht mehr ausreichend Futter vorfinden, weil die Muschelschaler eine zu starke Nahrungskonkurrenz für sie darstellen - sie fressen ja genau dasselbe wie die Garnelenbabys.

Nutzen von Muschelkrebsen im Zwergkrebsaquarium

Nach Erfahrungen langjähriger erfolgreicher Halter und Züchter von Zwergkrebsen werden Muschelkrebse im Aquarium von ebendiesen Zwergflusskrebsen sehr gern gejagt und gefressen. Muschelkrebse sind für juvenile und auch für adulte Zwergkrebse ein sehr sinnvolles Zusatzfutter. Zum einen ist die aktive Jagd auf die lebenden Muschelkrebse für die kleinen Krebse eine naturnahe Beschäftigung und bringt Abwechslung ins Leben im Aquarium. So haben die Zwergkrebse etwas zu tun und müssen sich ihr Futter "verdienen".

Zum anderen enthalten Muschelkrebse als Kleinkrebse viele Stoffe, die Zwergflusskrebse brauchen: So erhalten sie dringend für ihren eigenen Panzer benötigtes Chitin und Kalzium aus den Schalen der Muschelschaler. Muschelkrebse enthalten natürliche Häutungshormone, die den Krebsen ebenfalls zugute kommen, und natürlich sind sie auch eine ganz artgerechte, naturgemäße Proteinquelle. Das Eiweiß, das Muschelkrebse liefern, wird von Flusskrebsen problemlos vertragen und führt damit nicht zu Häutungsproblemen. Dadurch, dass sich die Zwergkrebse jederzeit selbst an der Muschelkrebspopulation bedienen können, ist auch ausgeschlossen, dass sie sich an Eiweiß "überfressen" und zu viel zu sich nehmen. So decken sie ihren Bedarf ganz natürlich.

Weiterhin stellt eine Muschelkrebspopulation im Zwergflusskrebsaquarium eine nützliche Aufräumtruppe dar - Krebse sind nicht die manierlichsten Fresser, und die Muschler kümmern sich um die von den Krebsen beim Bröseln hinterlassenen Reste und stellen ihrerseits wiederum ein gutes Futter für die Zwergkrebse dar - ein sinnvoller Kreislauf im Aquarium.

Muschelkrebse eindämmen

Ganz los wird man Muschelkrebse im Aquarium sicherlich nicht. In Fischaquarien ziehen sie sich in den Bodengrund zurück, in Hohlräume der Wurzeln, in den Filter, in die Pflanzen … außerdem werden von einigen Fischarten Muschelkrebse wie oben beschrieben auch wieder unverdaut ausgeschieden. Fressfeinde einzusetzen ist im Garnelenaquarium auch nur begrenzt sinnvoll - alles, was Muschelkrebse frisst, geht auch an kleinen Garnelennachwuchs.

Wenn man bedenkt, dass die Muschelkrebse im Ökosystem Aquarium als Restefresser eine wichtige Aufgabe erfüllen, sollte man sie auch gar nicht aktiv bekämpfen - sie haben durchaus ihren Sinn in der Biologie des Aquariums!

Lediglich wenn ihre Anzahl zu groß wird, sollte man regulierend eingreifen. Die chemische Bekämpfung verbietet sich in Wirbellosenaquarien von selbst - da Muschelkrebse derselben Tierklasse angehören wie Garnelen und Flusskrebse, wäre jedes Gift, das gegen sie wirkt, auch für Garnelen und andere Krebstiere absolut tödlich.

Bleibt also die Populationsreduzierung durch maßvolle Fütterung - Muschelkrebse kümmern sich um übrig gebliebenes Futter. Je mehr Nahrung, desto stärker vermehren sie sich. Bleibt weniger Futter übrig, hält sich auch die Vermehrung der Muschelkrebse in Grenzen. Geht dies nicht, weil in einem Aufzuchtaquarium die Jungtiere "im Futter stehen" sollen, oder weil Garnelenbabys im Aquarium sind, die Staubfutter bekommen, kann man Muschelkrebse auch ganz einfach absammeln.

Bewährt hat sich hier Gemüsefütterung. Einfach ein ungespritztes und auch sonst unbehandeltes Stückchen Gurke oder einen Schnitz Tomate in ein sehr feines Fischnetz geben und ins Aquarium legen. Nach einiger Zeit haben sich hier Muschelkrebse in großer Zahl gesammelt und man kann sie mit dem Stück Gemüse einfach aus dem Aquarium nehmen. Abspülen (bitte achten Sie dabei darauf, dass keine lebenden Muschelkrebse in die Kanalisation gelangen können!) und den ganzen Vorgang ggf. wiederholen. Alternativ kann man auch eine Planarienfalle mit Gemüse bestücken und damit die Muschelkrebse absammeln.

 

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