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Dry Start und Dark Start - was verbirgt sich dahinter?

Inhaltsverzeichnis

 

In der Pflanzenaquaristik gibt es in der Einlaufphase der Aquarien immer wieder Probleme - Algen treten auf, Pflanzen werfen ihre Blätter ab, dicke Bakterienfilme bilden sich - insgesamt wirkt das Aquascape also erstmal sehr unordentlich und gar nicht ästhetisch. Aber im Aquascaping wollen wir ja grade die schöne Wirkung, deshalb haben sich findige Aquarianer und Aquarianerinnen Startmethoden für Pflanzenaquarien ausgedacht, mit denen man diese Probleme elegant umgehen kann.

 

Der Dry Start

Im Begriff Dry Start steckt das englische Wort für "trocken". Diese Alternative zum Starten eines Pflanzenaquariums oder Aquascapes empfiehlt sich insbesondere bei Aquascapes und bepflanzten Aquarien mit einem Schwerpunkt auf fein strukturierten bodendeckenden Pflanzen und Moosen.

Diese Aquarienpflanzen tun sich erfahrungsgemäß ganz besonders schwer mit dem Anwachsen in gefluteten Aquarien - feine Bodendecker haben in der Regel keine langen, robusten Wurzeln, sondern eher feines Wurzelwerk. Sie neigen in normalem Soil zum Auftreiben, noch ehe sie festwachsen können. Wassermoose haben gar keine Wurzeln, sondern - wenn überhaupt - kurze Rhizoide. Auch sie brauchen unter Wasser sehr lange zum Festwachsen.

Die Grundlagen der Dry-Start-Methode im Aquascaping

Bei der Dry Start Methode macht man sich zunutze, dass die meisten Aquarienpflanzen eigentlich keine echten Wasserpflanzen sind, sondern Sumpfpflanzen, die sowohl über wie auch unter Wasser überleben können.

Die allermeisten Aquarienpflanzen fallen in diese Kategorie - sie werden in den Wasserpflanzengärtnereien auch über Wasser gezogen, weil sie so viel schneller und kräftiger wachsen. Konventionell gezüchtete Aquarienpflanzen befinden sich also beim Kauf in ihrer emersen Überwasserform und stellen sich erst im Aquarium auf die Unterwasserform um. Auch In-vitro-Pflanzen sind bei der Anzucht in der emersen Form.

Die Umstellung auf die submerse Unterwasserform ist ein weiterer Faktor, der bei den fein strukturierten Vordergrundpflanzen fürs Aquarium das ohnehin schon langwierige Anwachsen verzögert. Beim Dry Start ist es sogar von Vorteil, dass die Aquarienpflanzen noch nicht umgestellt wurden.

Beim Drystart bekommen die Bodendecker und Moose mit ihren feinen Wurzeln und Rhizoiden genügend Zeit, sich im Bodengrund fest zu verankern, sodass sie später beim Auffüllen des Aquariums zuverlässig sitzen bleiben.

Bitte beachten: Manche Aquarienpflanzen sind keine Sumpfpflanzen, sondern Echte Wasserpflanzen. Sie besitzen keine emerse Form und können über Wasser nicht überleben. Die Echten Wasserpflanzen wie Vallisnerien oder Blyxa, ebenso wie die Echten Wassermoose wie Fissidens fontanus bilden keine Landform aus und eignen sich aus diesem Grund definitiv nicht für die Dry Start Methode.

Auch lange Stängelpflanzen, Anubias, Cryptocorynen oder andere Rosettenpflanzen wie Echinodorus neigen beim Dry Start erst einmal zum Austrocknen.

Ideal ist die Dry Start Methode daher für Aquascapes mit einem großen Anteil an Vordergrundpflanzen oder Moosen, zum Beispiel ist sie optimal für ein Iwagumi, das nur mit Bodendeckern bepflanzt wird.



Das Aquarium nach der Dry Start Methode einrichten

Beim Dry Start beginnt man bei der Einrichtung des Aquariums wie gewohnt. Zuerst wird der Bodengrund aus Soil und Zusätzen aufgebaut, dann setzt man das Hardscape aus Wurzeln und Steinen an Ort und Stelle. Dann besprüht man alles gründlich mit Wasser aus einem Blumensprüher, sodass der Soil gut feucht ist. Das erleichtert den Pflanzen das Einwurzeln.

Dann bepflanzt man den Vordergrund bzw. beim Iwagumi das ganze Aquascape. Dabei kommt wieder der Sprüher zum Einsatz - beim Einsetzen werden die Pflanzen großzügig befeuchtet, damit sie nicht austrocknen.

Das Aquarium verschließen

Beim Normalstart würde das Aquarium nach dem Bepflanzen mit Wasser aufgefüllt, beim Dry Start jedoch bleibt das Wasser erst einmal außen vor. Wir verschließen das Becken sorgfältig mit Frischhaltefolie, sodass nichts austrocknen kann. Die Vordergrundpflanzen können in der hohen Luftfeuchtigkeit, die sich durch das großzügige Einsprühen ergibt, gut anwachsen, ohne dass ihre Blätter austrocknen.

Wie pflegt man ein Aquarium, das nach der Dry Start Methode eingerichtet wurde?

Die Pflege eines solchen Drystart Aquascapes ist simpel: es läuft ohne Technik, nur mit Licht. Die Beleuchtungszeit kann 8-10 Stunden betragen. Eimal am Tag wird die Frischhaltefolie geöffnet, damit ein gewisser Luftaustausch stattfinden kann. Bei Bedarf wird nochmals nachgesprüht.



Das Aquascape mit Wasser auffüllen

Wenn die Bodendecker und Moose nach etwa 4-6 Wochen gut eingewurzelt sind, ist es Zeit, das Aquarium vollends zu füllen. Zunächst setzt man nun noch alle anderen Pflanzen, die mit ins Aquascape müssen - Wasserpflanzen wie Vallisnerien, Stängelpflanzen oder größere Rosettenpflanzen.

Vor dem Einfüllen bedeckt man den Boden des Aquascapes am besten mit Zewa, zerknülltem Zeitungspapier oder Folie, damit beim Wassereinfüllen der Bodengrund nicht aufgerührt und das Layout beschädigt wird.



Der Dark Start

Der Dark Start ist eine relativ neue Methode im Aquascaping. Sie hat sich noch nicht ganz so weit durchgesetzt, und sie eignet sich auch nicht für alle bepflanzten Aquarien. Hier versteckt sich das englische Wort "dark" für "dunkel", wir reden also quasi von einem Dunkelstart des Aquariums.

Was genau ist der Dark Start und für welche Aquarien eignet er sich?

Beim Dark Start bleibt zunächst alles dunkel, das Licht über dem Aquarium wird dazu nicht eingeschaltet. In einem Aquarium mit Sand oder Kies ist das Vorgehen mehr oder weniger sinnlos, verwendet man jedoch vorgedüngten Pflanzensoil, wird es interessant: Häufig ist der Soil so stark mit Nährstoffen gesättigt, dass es im Aquascape am Anfang zu massiven Algenblüten kommen kann. Die neu eingesetzten Pflanzen sind noch mitten in der Umstellungsphase und wachsen nicht gut, verbrauchen also gerade in der Phase, in der die meisten Nährstoffe aus dem Soil freigesetzt werden, so gut wie nichts. Dann schlägt die Stunde der Algen.

Um starken, unschönen Algenbefall im Aquascape zu vermeiden, greift man daher auf den Dark Start zurück.

Das Aquarium nach der Dark Start Methode einrichten

Das Aquascape wird zunächst mit Bodengrund (aufgedüngtem Pflanzensoil, eventuell einem Unterbau aus Lavagranulat und gegebenenfalls auch Bodengrundzusätzen) ausgestattet, dann wird das Hardscape aus Wurzeln und Steinen aufgebaut.

Im nächsten Schritt wird das ganze Aquarium vorsichtig mit Wasser geflutet, und zwar so, dass der Bodengrund nicht aufgewühlt wird. Nun schließt man Heizung und den Filter an.

Wichtig: Das Aquarium wird nicht bepflanzt, und es kommen auch keine Tiere hinein! Das Licht bleibt aus, Dünger wird ebenfalls nicht gegeben und auch die CO2-Anlage hat erst noch Pause.

Wird das Aquarium teilweise von der Sonne beschienen oder erhält es viel künstliches indirektes Licht durch die Raumbeleuchtung, sollten die Scheiben mit Zeitungspapier oder Karton abgedunkelt werden - jegliches Licht würde nur die Algen füttern und könnte dann doch noch eine Algenplage hervorrufen.

Der Filter sorgt dafür, dass das Wasser umgewälzt wird. Die überschüssigen Nährstoffe (vor allem Ammonium) werden nach und nach aus dem Boden ausgeschwemmt und von den Filterbakterien verstoffwechselt. Die Filterbakterien kommen so direkt auch in den Genuss reichhaltiger Nahrung, und der Stickstoffkreislauf kann sich ganz in Ruhe entfalten, ohne dass der Besatz im Aquarium gefährdet wäre.

Auch kann man so elegant Probleme umgehen, die in der Einfahrphase durch die anfangs sehr intensive Ionentausch-Aktivität des Soils entstehen können. Manchmal führt diese starke Aktivität dazu, dass der Boden übersäuert und die Pflanzen absterben. Nach der Initialzeit ist diese Aktivität im Boden jedoch etwas gebremst, und negative Auswirkungen auf die Pflanzen sind nicht mehr zu erwarten.



Wann kann man mit dem Bepflanzen weitermachen?

Spätestens wenn im Wasser kein Ammonium und kein Nitrit mehr nachweisbar sind, kann das Aquascape nach dem Dark Start ganz normal bepflanzt und dann auch sehr schnell mit Tieren besetzt werden.

Wasserwechsel während der Dark-Start-Phase beschleunigen die Einfahrzeit, weil man so die ärgsten Spitzen an Nährstoffen aus dem Wasser nimmt. Rund 4 Wochen sollte man jedoch in jedem Fall für diese Art einplanen, das Aquarium zu starten.



So geht es nach der Dark Start Phase weiter

Nun wird das Wasser bis zum Niveau des Bodengrundes abgelassen und das Aquarium wird ganz normal bepflanzt. In einem sehr mooslastigen Layout oder einem Layout, das stark mit Bodendeckern bepflanzt wird, könnte man nun noch eine Dry-Start-Phase anhängen, wobei man in diesem Fall die bereits gebildeten Filterbakterien riskieren würde.

Wird das Aquascape endgültig befüllt, legt man den Boden wieder mit Zeitungspapier, Folie oder Papierhandtüchern aus, damit der Bodengrund durch das einlaufende Wasser nicht aufgerührt wird.

Dann wird das Licht angeschaltet, die CO2-Düngung (so vorhanden) angeschlossen und man betreibt das Aquascape wie gewohnt weiter. Es ist möglich, dass in der Anfangszeit dennoch ein paar Algen auftreten, solange die Pflanzen die vorhandenen Nährstoffe wegen der Umstellung aufs Unterwasserleben noch nicht vollständig verwerten können, jedoch sind keine extremen Nährstoffspitzen mehr zu befürchten und damit auch keine extremen Algenausbrüche.

Bevor man das Aquascape mit Fischen und / oder Wirbellosen besetzt, müssen auf jeden Fall die Wasserwerte überprüft werden: Weder Ammonium (NH4/NH3) noch Nitrit (NO2) dürfen mehr messbar sein. Häufig verkürzt der Dark Start die Einfahrphase bereits entscheidend.


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