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Das pflegeleichte Aquarium - geht sowas überhaupt oder ist das ein Mythos?

Bei vielen Menschen hat sich das Vorurteil verfestigt, dass ein Aquarium sehr viel Arbeit macht, wenn es halbwegs schön aussehen soll. Die meisten haben dann ein Aquarium aus den 70er-Jahren des letzten Jahrtausends vor Augen, mit sehr grobem Kies, vereinzelten spillerigenPflanzen, die mehr oder weniger am Leben hängen, viel Mulm, Plastikdeko (gern auch eine Blubberdeko, eine kleine Truhe, aus der Luftblasen aufsteigen vielleicht), vielen verschiedenen bunten Fischen in allen Größen, einer Schnecken-Bevölkerungsexplosion (oder alternativ, um diese zu vermeiden, überhaupt keinen Schnecken), einer etwas trüben Funzel drüber und einem Filter, der die Brühe im Becken grob umrührt. Und Algen, gerne Pinselalgen. Viele. Unter den Fischen tummeln sich ein paar Algenfresser, um die Pracht etwas im Zaum zu halten, ganz egal, welche Größe das Becken hat. Häufig werden die hübschen Fische auch noch sehr großzügig gefüttert. Öfter werden auch Fische krank und müssen dann ersetzt werden.

Ein solches "Aquarium aus der Hölle" muss aufwändig gepflegt werden, das ist richtig. Hier kann sich kein biologisches Gleichgewicht einstellen, und der ganze Aufbau begünstigt die Algenbildung und die Bildung von Mulm sowie Bakterienfilmen - und fördert Krankheiten bei den Bewohnern. Mindestens zweimal im Jahr ist hier auf jeden Fall ein Großputz fällig, bei dem das Chaos wieder etwas geordnet wird, sodass man die Geschichte wieder ein paar Monate lang anschauen kann, ohne direkt ein schlechtes Gefühl zu bekommen.

Es geht aber auch anders! Ein geschickt eingerichtetes Becken mit clever ausgewählten, von den Bedürfnissen her zueinander und zum Aquarium passenden Bewohnern kann die Pflegearbeiten für den Aquarienbesitzer auf ein Minimum reduzieren und schaut gleichzeitig viel, viel schöner aus als ein Siffbecken. Biologisches Gleichgewicht ist hier das Zauberwort!

Algenvermeidung durch gesunde Pflanzen

Algen sind in einem falsch besetzten Aquarium leider an der Tagesordnung. Hier kommt es zu Nährstoffungleichgewichten, die die Aquarienpflanzen schwächen und die Algen stärken. Gesunde Pflanzen sind der Feind aller Algen im Aquarium, und ein gut bepflanztes Becken, das in Balance ist, hat in der Regel wenig bis gar keine Algenprobleme. Die Auswahl der Aquarienpflanzen spielt dabei eine wichtige Rolle. Nur wenn die Pflanzen überhaupt gesund wachsen können, sind sie stark genug als Gegenspieler gegen die lästigen Algen.

Die Auswahl der richtigen Pflanzen

Bei der Wahl der richtigen Pflanzen fürs Aquarium muss man ein paar Dinge beachten: Ist die Beleuchtung stark, mittel oder schwach? Gibt es eine CO2-Düngung am Aquarium oder nicht? Sehr empfindliche oder anspruchsvolle Pflanzen brauchen ziemlich viel Pflege, um gut auszusehen - kann und will ich das als Aquarienbesitzer leisten? Auch auf Dauer? Danach sucht man sich dann die Pflanzen aus.

Für den Anfang sind ein paar robuste, schnell wachsende Aquarienpflanzen sehr zu empfehlen, die die überschüssigen Nährstoffe aus dem Wasser ziehen. Wenn die eigentlichen Aquarienpflanzen sich auf die neuen Verhältnisse umgestellt haben und zu wachsen beginnen, können die schnell wachsenden Pflanzen nach und nach reduziert werden (wenn man möchte - einige dieser Gewächse sehen ja tatsächlich sehr schön aus).

Auch Schwimmpflanzen sind sehr hilfreich als Nährstoffzehrer. Achtung: Schwimmpflanzen sollten niemals die gesamte Wasseroberfläche bedecken, wenn man lichthungrige Pflanzen im Aquarium hat. Ein Nylonfaden, der zum Ring geschlossen wird und an einem Saugnapf befestigt ist, kann helfen, die Schwimmpflanzen im Zaum zu halten, sodass sie den ihnen zugedachten Bereich nicht verlassen.

Eine separate Düngung mit CO2 braucht es nicht unbedingt bei allen Wasserpflanzen. Wenn man keine CO2 Anlage am Aquarium betreiben möchte, sollte man bei der Auswahl der Pflanzen unbedingt darauf achten, dass sie keinen hohen CO2-Wert im Aquarium benötigen. 10-15 mg/l wäre hier die Obergrenze. Hier im Shop vermerken wir bei jeder Aquarienpflanze, ob eine CO2-Düngung notwendig ist oder nicht.

Auch wäre es wichtig zu wissen, ob man das Aquarium mit eher hartem, mittelhartem oder weichem Wasser betreiben möchte. Der Einfachheit halber verwenden viele Aquarianer Leitungswasser. Die Wasserhärte kann man hier sehr einfach auf der Webseite des Wasserversorgers herausfinden. Dementsprechend wählt man dann auch die Aquarienpflanzen aus. Pflanzen, die weiches Wasser bevorzugen, werden in hartem Wasser nicht so gut wachsen - und umgekehrt.

Ein weiteres Kriterium bei der Pflanzenwahl ist das Licht. Pflanzen, die sehr viel Licht brauchen, kümmern unter Schwachlicht und wachsen dann nicht gut. Sie sehen spillerig und unattraktiv aus und bieten Algen keine Konkurrenz. Aus diesem Grund ist es wirklich wichtig, die Beleuchtungsstärke der Aquarienbeleuchtung zu kennen und die Wasserpflanzen entsprechend auszuwählen.

Beachtet man die Bedürfnisse der Aquarienpflanzen, steht einem schönen, grünen, üppig bewachsenen lebendigen Ökosystem nichts mehr im Weg. Sie bieten Algen die Stirn und lassen Algenplagen gar nicht erst aufkommen. Außerdem produzieren gesunde, kräftige Pflanzen durch Photosynthese den wichtigen Sauerstoff für die Aquarientiere.

Die richtige Pflanzendüngung im pflegeleichten Aquarium

Ein guter Aquariendünger ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn man ein schönes bepflanztes Aquarium pflegen möchte. Wassertests geben Auskunft über die im Aquarium verfügbaren Nährstoffe, sodass man gezielt fehlendes "Futter" für die Pflanzen nachdüngen kann, ohne dass sich andere Stoffe im Wasser ansammeln. Mit der Zeit bekommt man die Düngung auch etwas ins Gefühl, für den Anfang empfiehlt es sich durchaus, ab und zu mal mit einem Wassertest gegenzuchecken, ob noch alles passt.

Algenvermeidung und Krankheitsprophylaxe - der Tierbesatz

Die Tiere im Aquarium sind ein weiterer wichtiger Faktor für ein stabiles Ökosystem, das sich im Gleichgewicht befindet. Ein zu hoher Besatz ist dabei schädlicher als eine geringe Besatzstärke, weil die Ausscheidungen der Tiere den Filter stark belasten. Selbstverständlich sollte man nicht nur bei den Aquarienpflanzen auf die Ansprüche an die Wasserhärte achten, sondern auch bei der Auswahl der Fische und der Wirbellosen fürs Aquarium!

Die richtige Fütterung für Fische und Wirbellose im Aquarium

Eine sehr üppige Fütterung mit unpassend zusammengesetzten Futtermitteln (Fischflocken oder Granulaten minderer Qualität mit vielen Füllstoffen wie Bäckereiabfällen, billigem Fischmehl etc.) kann neben Algenwachstum auch das Bakterienwachstum fördern, die wiederum bei Fischen und Wirbellosen zu Krankheiten führen können.

Außerdem führt eine nicht angepasste Fütterung durch die Überversorgung mit Nährstoffen gerne zu Schneckenplagen im Aquarium. Besser ist es, die Besatzstärke der Fische im Aquarium eher vorsichtig zu wählen und sie mit artgerechtem, qualitativ hochwertigem Futter zu füttern.

Neben Frostfutter oder Lebendfutter bietet sich für die artgerechte Fütterung der Fische und Wirbellosen im Aquarium auch ein sinnvoll zusammengesetztes Trockenfutter (Flocken, Tabs oder Granulate) an, das auf die Bedürfnisse der im Aquarium gepflegten Fischarten und Wirbellosen abgestimmt ist. Auch hier gilt: Lieber sparsam und dafür etwas öfter füttern als einmal richtig viel und dann länger gar nicht.

Die Auswahl des passenden Fischbesatzes für ein pflegeleichtes Aquarium

Eine bunte "Fischsuppe" im Aquarium wirkt zwar auf den ersten Blick abwechslungsreich und - ja, bunt ... aber wenn man weiß, dass sich diese Fische niemals artgerecht verhalten können, weil sie gar nicht genügend Artgenossen vorfinden, wird sie trotzdem versuchen, zu vermeiden.

Wer es gerne trotzdem farbig und abwechslungsreich mag, kann beispielsweise auf verschiedene Farbvarianten zurückgreifen - Guppys, Platys, verschiedene Barben, Mollies und viele mehr gibt es in sehr vielen bunten Farbschlägen, die erlauben, trotzdem innerhalb einer Art zu bleiben und den Tieren so ein artgerechteres Leben ermöglichen als im bunten Artenmix.

Grundsätzlich sollte man alle Regionen im Aquarium gleichmäßig mit Fischen besetzen - den Boden, die mittlere Zone und die Zone unterhalb der Wasseroberfläche. So nerven sich die Fische nicht gegenseitig - jeder besetzt seine Nische und hat seine Ruhe.

Die Aufräumtruppe - Garnelen, Schnecken und andere Algenfresser

Viele Fische werden gerne als Algenfresser angepriesen - der Haken an der Sache ist, dass die meisten von ihnen aufgrund ihrer Ansprüche an die Größe des Aquariums nicht in kleinere Gesellschaftsbecken passen. Besser ist es, durch kluge Bepflanzung und Besatzplanung, durch vernünftige Fütterung und angepasste Düngung erst gar keine Algenprobleme aufkommen zu lassen.

Viele Aquarienschnecken und auch Zwerggarnelen kümmern sich nicht nur um aufkommenden Algenaufwuchs, sondern auch um Futterreste, die die Fische im Gesellschaftsaquarium übrig lassen - als Putztruppe sind die kleinen Wirbellosen im Aquarium vielleicht nicht unbedingt unverzichtbar, jedoch können sie dem Aquarienbesitzer das Leben schon bedeutend leichter machen!

Wer nun warnend vor einer Schneckenplage aufschreit - Schnecken gibt es immer nur so viele, wie die Nahrungsverhältnisse im Aquarium es zulassen. Eine starke Vermehrung von Schnecken sagt uns als verantwortungsvolle Aquarienbesitzer, dass wir zu viele Nährstoffe im System haben - entweder durch zu viel Futter, durch wenig hochwertiges Futter, das die Fische schlecht verdauen können, durch gammelnde Pflanzenreste, verstorbene Aquarientiere, die irgendwo liegen und von den Schnecken verwertet werden, ... da heißt es: Ursache finden und beheben. Dann pendelt sich die Anzahl der Schnecken im Aquarium auch wieder ein.

Aquarienschnecken, die sich ausschließlich von Algenfilmen ernähren, wie Rennschnecken, Napfschnecken und Geweihschnecken, sind kein Fall für frische Becken. Sie sollten erst nach einigen Monaten eingesetzt werden, wenn das Aquarium eingefahren ist und das System stabil läuft. Erst dann bildet sich dauerhaft genügend Aufwuchs, den sie verwerten können. Vorher läuft man Gefahr, dass die Tiere einfach verhungern.

Die Technik im pflegeleichten Aquarium

Auch von der Technik her können wir uns in der Aquaristik das Leben leichter machen. Es gibt heute leistungsstarke, hoch effektive Filter für jede Aquariengröße, von Nanoaquarium bis zum Riesenbecken. Auch automatische Düngesysteme, Futterautomaten, automatisch arbeitende CO2-Systeme mit Dosiercomputer, automatische Heizungen, sogar automatisierte Systeme für einen effektiven Wasserwechsel und viele Spielereien mehr stehen zur Verfügung.

Der Aquarienfilter

Aber all diese Dinge braucht man nicht unbedingt, wenn man nicht so technikaffin ist - gut, bis auf den Filter natürlich! Ein gut bestückter Aquarienfilter ist die halbe Miete. Er holt nicht nur mechanisch Trübungen aus dem Wasser, sondern beseitigt auch Schadstoffe. Diesen Job erledigen Filterbakterien, die sich in den Filtermedien im Inneren des Filters ansiedeln und die den ganzen Tag nichts anderes tun als Wasserbelastungen durch Fischfutter, Kot und andere Abfallstoffe einfach aufzufressen.

Ob man sich nun für einen Außenfilter, einen Innenfilter oder einen Rucksackfilter, einen Hamburger Mattenfilter oder einen Lufthebefilter entscheidet, ist eigentlich hauptsächlich eine Frage der persönlichen Präferenzen, des Platzes im und am Aquarium oder im Aquarien-Unterschrank. Effektiv sind moderne Filter allemal. Natürlich müssen ihre Spezifikationen zur Aquariengröße passen!

Die Heizung

Wenn der Besatz es erfordert, braucht man natürlich noch einen Heizstab fürs Aquarium. Hier haben sich moderne elektronische Heizer mit automatischer Abschaltung fürs Aquarium bewährt - die herkömmliche, auf Bimetall-Schaltern beruhende Technik ist leider relativ fehleranfällig. Die Heizerleistung überwachen wir unbedingt mit einem Thermometer, das innen im Aquarium im Wasser angebracht wird.

Welche Pflegearbeiten fallen in einem pflegeleichten Aquarium regelmäßig an?

Tägliche Pflegearbeiten

Täglich werden natürlich die Fische und Wirbellosen im Aquarium gefüttert und beobachtet. Sind die Tiere fit und gesund? Fressen sie gut? Zeigen sie intensive Farben und lebhaftes Verhalten? Wenn ja - prima, alles läuft! Wenn nein - bei täglicher Kontrolle kann man viele Probleme bereits im Entstehen abfangen, bevor alles ganz schlimm wird und es womöglich sogar Verluste beim Besatz gibt.

Denselben prüfenden Blick wirft man natürlich auch auf die Aquarienpflanzen. Alles gut? Irgendwelche Löcher, Flecken, Verfärbungen, Verblassen? Nein? Super. Ja? Nun stehen Ursachensuche und Fehlerbehebung auf dem Plan. Wer sich für eine Tagesdüngung der Pflanzen entschieden hat, düngt natürlich auch täglich seine Aquarienpflanzen.

Die Aquarientechnik wird ebenfalls kurz angeschaut: Läuft der Filter? Was spricht die Aquarientemperatur? Auch hier gilt: Problem erkannt, Problem gebannt.

Wöchentliche Pflegearbeiten

Einmal in der Woche werden zwischen 10 und 50% Wasser im Aquarium gewechselt. So verhindern wir, dass es im Aquarienwasser zu Nährstoffansammlungen kommt, die dann wieder die Algenbildung fördern würden.

Beim Wasserwechsel nutzen wir die Gelegenheit, zu groß gewordene Aquarienpflanzen zu stutzen und gegebenenfalls neu zu stecken. Wir entfernen abgestorbene Pflanzenreste, saugen den Bodengrund ab, entfernen Mulmansammlungen aus den Ecken und putzen die Pflanzen aus.

Auch kann es nicht schaden, bei der Gelegenheit gleich auch noch die Scheiben von innen zu putzen. Viele Garnelenhalter und Aquarienschnecken-Fans putzen übrigens nur die Frontscheibe und lassen die restlichen Scheiben gezielt veralgen, weil dort die Garnelen und Schnecken extraleckeres Futter in Form von Aufwuchs finden und sich gleichzeitig dort prima beim Fressen beobachten lassen.

Wer auf Wochendüngung der Aquarienpflanzen setzt, düngt (selbstverständlich NACH dem Wasserwechsel) entsprechend mit Aquariendünger nach Packungsanweisung.

Pflegearbeiten, die nur ab und zu anfallen

Wenn der Filter sich zusetzt und weniger Wasser aus dem Filterauslass kommt, müssen die Filtermedien gereinigt werden. Dazu reicht es, wenn man sie in einem Eimer mit Aquarienwasser gründlich ausdrückt. Auch wenn die Hersteller etwas anderes behaupten: Filtermedien müssen nicht alle paar Wochen ersetzt werden - sie können bei guter Wartung mehrere Jahre im Filter verbleiben.

Weil man bei der Filterreinigung wichtige Bakterien reduziert, sollte man nach einem Filtergroßputz einen oder zwei Tage nur sehr sparsam füttern.

Das war's dann eigentlich auch schon. Wer ein Aquarium klug einrichtet und plant, kann auf Späße wie "einmal im Jahr muss alles raus, auch der Bodengrund" getrost verzichten. Ein durchdacht eingerichtetes und besetztes Aquarium kann mehrere Jahre ohne größere Umräum- und Putzaktionen stabil laufen und sieht dabei trotzdem auch mit wenig Aufwand immer schick und gepflegt aus.


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