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Artemia züchten, halten, vermehren & verfüttern - Alles wissenswerte über Artemia

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Wer bereits seit einiger Zeit auf sein erfolgreiches Aquarium zurück schaut, wird über kurz oder lang vielleicht auch mal der Versuchung erliegen, seine Fische zu vermehren. Vielleicht haben sie das aber auch bereits von ganz allein getan mit mehr oder weniger gutem Erfolg. Auch wenn wir im Google-Zeitalter bereits meinen, alles zu wissen, gibt es dennoch eine Kleinigkeit bei der Fischaufzucht, die wir häufiger mal aus den Augen verlieren und von denen uns die Kellerkinder zwei Generationen vor uns ein Lied singen könnten: dem perfekten Fischaufzuchtfutter! (Ein befreundeter Fischzüchter gab mal auf die Frage, was er denn tun würde, wenn er wüsste, er hätte nur noch 12 Stunden zu leben die knappe Antwort: „Artemia ansetzen!“) Und sind wir erst einmal mit Haut und Haaren „drin“, in diesem Kreislauf aus Fischbabies füttern und Salzwasser anrühren, wird uns seine Antwort zum Schmunzeln bringen.

Was ist das Beste, das einem Fisch passieren kann? LEBENDFUTTER! 
Da beißt die Maus keinen Faden ab. Artemia-Nauplien sind einigen vielleicht noch als Feenkrebse aus dem Yps-Heft bekannt und all´ die Jahre über hat sich ihre Faszination nicht verloren und wurde für viele, mich eingeschlossen, zum allersten Versuchskaninchen, bevor an ein Aquarium überhaupt zu denken war. Mittlerweile gibt es sogar eigens für Kinder zusammen gestellte Experimentierkästen, mit denen sich diese, direkt nach dem Versuch, Salzkristalle zu züchten, an das lebende Objekt wagen können.


Erstlingsnahrung für Fischlarven

Wenn Fische die Wahl haben, bevorzugen sie, noch quasi unsichtbar und vielleicht so groß wie ein schwimmendes Komma, lebendes und nahrhaftes Futter als Erstlingsnahrung. Die meisten Fischbabies ernähren sich nach dem Schlupf aus dem Ei von ihrem Dottersack und hängen, salopp ausgedrückt, faul die ersten Tage fast bewegungslos am Bodengrund, an den Aquarienscheiben oder an Pflanzen, bis sie das erste Mal zur Wasseroberfläche aufschwimmen und ihre Luftblase füllen. Ab diesem Zeitpunkt ernähren sie sich selbstständig- unser Job als frischgebackene Fischeltern ist es nun also, darauf zu achten, dass die Rasselbande etwas anständiges in den Magen bekommt, damit sie gesund wachsen und gesund bleiben und nicht etwa Deformationen bilden. Die meisten Fische verfügen noch nicht über die notwendigen Enzyme zur Verdauung und sind gerade daher auf die Enzyme der Futtertiere angewiesen. Auch wenn manche erwachsenen Fische später einmal hauptberuflich Vegetarier sind, so benötigen aber gerade die Jüngsten hochwertige tierische Proteine, um mal ein ausgewachsener Veggie zu werden. Nicht umsonst redet man bei der erfolgreichen Fischzucht auch von dem „Geheimnis der Profis“. Und hier erfahrt ihr nun ein bißchen Hintergrundwissen rund um den Artemia-Hype.

Artemia selber züchten

Artemia-Produkte zum Selbermachen und zum Verfüttern gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, sodass man schnell den Überblick verlieren kann und von der Auswahl schier überfordert wird. Was ist das eigentlich alles und braucht man das wirklich? Werfen wir mal einen schnellen Blick auf ein paar Suchergebnisse:

Dekapsulierte Artemia-Eier


Damit sind Artemia-Eier gemeint, die keine harte Eischale mehr haben. Diese wird mit einer Chlorlösung und Essig entfernt, danach gespült und wieder getrocknet. Zum schnellen Verfüttern sind diese Eier, die sogar noch mehr Nährstoffe enthalten als Nauplien, die ihre Kraft ins Schlüpfen aufbringen mussten, ganz praktisch- zum Beispiel, wenn man seinen eigenen Artemia-Ansatz aus Versehen aus den Augen verloren hat, aus Zeitgründen oder um den maximalen Nährgehalt zu verfüttern. Allerdings sollten dekapsulierte Artemia-Eier vor dem Verfüttern unbedingt in Aquarien-Wasser zum aufquellen gebracht werden, da diese es sonst im Fischmagen tun- und Bauchweh wollen wir unseren Lieblingen ja nicht zumuten. Einziger Nachteil: die verfütterten Eier bewegen sich nur einmal- und das von oben nach unten, wenn sie ins Aquarium fallen. Die meisten Aufzuchtaquarien verfügen über keine große Strömung, sodass der Jagdreflex bei den Jungtieren größtenteils ausbleibt. Und der Magen leer. Eignet sich daher eher als Menüabwechslung für Fische, die sich schon mit Dosenfutter auskennen alternativ können dekapsulierte Zysten aber auch erbrütet werden. Der Vorteil hier ist, dass man sich das Trennen sparen und die noch übrigen Eier nach der ersten „Ernte“ in einem zweiten Durchgang zum Schlüpfen bringen kann. Auch bei Artemiazysten gibt es Faultiere, die einfach noch eine Runde länger schlafen, als ihre Geschwister.


Artemia-Aufzuchtschale
 / das Ufo

Damit ist eine spezielle Konstruktion aus dem Hause Dohse gemeint, in der die Nauplien in einer abgedunkelten Schale mit einem Trenngitter im Salzwasser schlüpfen und, da Nauplien extrem auf Lichtquellen reagieren, in die helle Mitte über ein Sieb schwimmen, das dann zum Verfüttern einfach heraus genommen werden kann. Die Ei-Schalen verbleiben in der Schale. Das Ganze funktioniert ohne zusätzliche Belüftung, da die große Oberfläche genügend Sauerstoffaustausch ermöglicht. Praktisch ist diese Art, wenn man seine Aquaristik im Wohnzimmer betreibt und sich vom Luftpumpen- und Wassergeblubber nicht von seiner Serie ablenken lassen möchte oder immer nur eine geringe Menge an Lebendfutter benötigt.


Eier-Salz-Mischung

Diese Mischung ist bereits vorgemischt und besteht aus Artemia-Eiern und einem Salzgemisch, in dem sich auch schon mikronisiertes Phytoplankton befindet, das den Salinenkrebschen als Erstnahrung dient.

Liquizell/ ArtemioFluid/ Mikrozell/ Protogen

Wer Artemia-Nauplien zu richtigen Salinenkrebsen groß ziehen möchte, der braucht ein spezielles Futter, denn gerade dieses Thema führt zu den meisten Problemen bei der Aufzucht. Da Nauplien erst ab dem 2.-3 Tag ansatzweise Mundwerkzeuge ausgebildet haben, benötigen sie ebenso Futter in einer sehr winzigen Größe. Mikrozell ist atomisiertes Phytoplankton in Pulverform, Liquizell ist verflüssigtes Mikrozell, das die Kleinstpartikel in der Schwebe hält. Ab dem 3. Tag können die Nauplien mit Liquizell-Tröpfchen gefüttert werden, ab dem 8.-10. Tag mit Mikrozell. Gefüttert wird nur in solchen Minimengen, bis das Wasser eine sehr leichte Grüntrübung aufweist. Da die Futtermenge abhängig von der Menge Nauplien und der Beckengröße sind, ist die Angabe einer Dosierung schwierig- weniger ist jedoch auch hier mehr. Tipp: Mikrozell lässt sich übrigens prima mit einem Zahnstocher oder einer Stricknadel dosieren und verfüttern!

Protogen sind konzentrierte und eingetrocknete Infusorien in verschiedener Größe, wie beispielsweise Ciliaten, Paramecien, Pantoffel-, Augen- und Wimperntierchen, die sich auf einem Nährsubstrat befinden. Infusorien werden auch Aufgusstierchen genannt, da sie beim Aufgießen mit Wasser zum Leben erwachen. Infusorien sind sogar noch kleiner als Artemia-Nauplien und eignen sich daher perfekt als Erstnahrung bei geschlüpften Fischlarven. Diesen werden 5-10 Körner ins Aquarium gegeben, am Tag danach wird die Menge verdoppelt. Infusorien werden solange gefüttert, bis die Fischjungen groß genug sind, um Nauplien fressen zu können. Infusorien können jedoch auch in Plastik- oder Glasschalen als Vorkultur gezogen und mit einer Pipette verfüttert werden. Übrigens: Infusorien eignen sich auch prima für Garnelen und andere Wirbellose! Gerade für Schneckenzüchter ist Protogen ein Erfolgsrezept.
ArtemioFluid ist ein Flüssigfutter für Nauplien, das aus ultrafein homogenisiertem Phytoplankton besteht, ähnlich wie Liquizell, und sich ebenfalls sehr gut als Erstnahrung eignet.

JBL Artemia-Set mit Brutbehälter / Dohse Incubator

Dieses Set ist wohl das mittlerweile am häufigsten genutzte in der Aquaristik und wahrscheinlich auch das beliebteste. Daher dreht hier auch alles um diese Art des Lebendfutter selber machen. Das Set enthält einen Standfuß, einen konischen Trichter (den Brutbehälter) mit rundem Deckel, eine Sauerstoffpumpe mit Luftschlauch, sowie ein Sieb mit einem Auffangbehälter: der perfekte Start für die erfolgreiche Nauplienzucht! Wer ganz auf der sicheren Seite sein mag, baut sich hier aber noch zwischen Luftpumpe und Brutbehälter ein Rückschlagventil ein. Am Boden des Brutbehälters befindet sich ein Ablassventil, das die Schalen von den Eiern trennt. Das Set ist kinderleicht aufzubauen und zu pflegen. Ein umständliches Schalentrennen entfällt. JBL bietet passend dazu auch die vorgemischte Eier-Salz-Mischung an, die man nur noch mit Wasser auffüllen muss. Die Mischungen von anderen Herstellern funktionieren aber genauso gut. Praktisch sind auch die Wandhalterung und die eingebauten Stifte am Standfuß, an denen man problemlos einen weiteren Brutbehälter einhängen kann. In diesem Fall werden die Deckel miteinander verbunden, sodass man beide Bruttrichter mit derselben Luftpumpe betreiben kann.
Beim Incubator von Dohse werden Eier, Salz und Wasser in eine konische Flasche mit einem Stopfen gegeben und auf den Kopf gestellt. Am Flaschenboden befindet sich ein Ablassventil, das, während der Brutzeit, als Luftventil dient. Nach dem Schlupf wird die Flasche wieder richtig herum gedreht und leicht schräg gestellt. Beim Ablassen der Nauplien bleiben die Eischalen an der Flascheninnenwand hängen. Die Nauplien können direkt in ein eigenes von Dohse entwickeltes Aufzuchtbecken überführt werden, das mit einem Luftheber ausgestattet ist, der eine grobe Wasserbewegung erzeugt, um den Sauerstoffeintrag zu vergrößern und Futter in der Schwebe zu halten.


Lebendfutter vs. Frostfutter/ gefriergetrocknetes Lebendfutter


Lebendfutter ist nicht gleich Lebendfutter, denn zwischen selbst gekauft und selbst hergestellt liegen Welten. Zwar lassen sich heutzutage die meisten Lebendfutterkulturen selbst mehr oder minder halten und vermehren, allerdings ist dies teilweise mit Aufwand oder Gerüchen verbunden und stößt zuhause nicht immer auf Zustimmung der zweibeinigen Mitbewohner. Der Handel bietet mittlerweile ein großes Sortiment an Lebendfuttertieren wie roten, schwarzen und weißen Mückenlarven, Tubifex, Cyclops, Artemia, Dapnien und vielen anderen an. Diese befinden sich in kleinen Beutelchen mit einer Nährstofflösung, die sie am Leben erhält. Leider ist beim Kauf dieser Beutelchen nicht klar, wie lange sich die Futtertiere schon darin befinden und wie deren Qualität ausfällt, da sie nicht nur in einer Vitaminlösung mit Haltbarkeitsmachern schwimmen, sondern auch in ihren eigenen Exkrementen und „gefallenen Kameraden“. Dieses Futter ist per se nicht „schlecht“, wenn man es vor dem Kauf gründlich beäugt hat und mit sich selbst einig ist, dass die Mehrzahl der Krabbeltiere noch fit und vital aussieht. Dennoch sollten diese vor dem Verfüttern mit einem Artemia- oder Teesieb gesiebt und vorgespült werden, damit keine Verunreinigungen oder Bakterien ins Aquarium eingeschleppt werden. Sehr gut eignen sich dafür auch die Siebkombinationen von JBL, die verschieden große Maschenweiten aufweisen.

 

Aufbewahrung von Lebendfutter

Gekauftes Lebendfutter sollte nach Möglichkeit nur aus Kühlschränken gekauft, kühl transportiert und zuhause ebenfalls im Kühlschrak gelagert und zeitnah verfüttert werden. Lebendfutter löst für gewöhnlich den Jagdreflex bei Fischen aus, selbst bei den allerkleinsten und auch bei den domestiziertesten Hochzuchten. Es kann allerdings vorkommen, dass der Lieblings-Guppy schlicht und einfach ein Schleckermäulchen ist, der gerade keinen Appetit auf Tubifex hat, sondern Mücken bevorzugt. Je nach Fischart unterscheiden sich teilweise auch die möglichen Lebendfuttertiere: verschiedene Barsche reagieren zum Beispiel extrem empfindlich auf rote Mücken, die zu Verdauungsproblemen und sogar zum Tod der Fische führen können.


Frostfutter

Eine Alternative stellt Frostfutter dar. Diese werden sowohl in großen oder kleinen Platten zum Abbrechen, als auch in „Schokotafeln“ angeboten, bei denen man portionsweise Futter entnehmen und auftauen kann. Ein ganz großes Manko beim Frostfutter ist allerdings die Ungewissheit der Kühlkette. Frostfutter sollte nach der Schockfrostung beim Hersteller ebenfalls gefrostet in den Handel gelangen, möglichst tiefgefroren nach Hause transportiert und weiterhin im Frostfach aufgehoben werden.

Einwandfreies Frostfutter erkennen

Da jedoch keiner mit Gewissheit sagen kann, ob das Frostfutter auf seiner langen Reise bis ins heimische Kühlfach neben Pizza und Cornetto nicht doch einmal an- oder aufgetaut war, sollte auch dieses beim Kauf kritisch beäugt werden: haben sich auf der sichtbaren Seite der einzelnen Portionen Wasserkristalle gebildet, sollte lieber Abstand vom Kauf genommen werden, da einmal an- oder aufgetautes Futter verderben kann oder bereits verdorben ist. Einwandfreies Frostfutter weist diese Wasseransammlungen nicht auf, da sich das anhaftende Wasser noch in und um die Futtertiere befindet und nicht durch Auftauen „abtropfen“ und sich sammeln konnte.

Frostfutter verfüttern

Frostfutter wird portionsweise aufgetaut und vor dem Verfüttern gespült und oder mit Vitaminen angereichert. Ideal ist hierfür beispielsweise das JBL Atvitol. Frostfutter sollte niemals als „Eiswürfel“ verfüttert werden, da Fische durch die eiskalten Futtertiere Verdauungsprobleme bekommen können, andererseits werden dadurch zu viele Bakterien und Nebenprodukte ins Aquarium eingebracht, die das Wassermilieu mitunter empfindlich stören können. Gerade rote Mückenlarven müssen speziell gezüchtet werden und weisen durchschnittlich viele Stoffe auf, die im Aquarium mehr als unvorteilhaft sind. Auch können rote Mückenlarven Allergikern Probleme bereiten, die sie mit der bloßen Hand anfassen; eine Polypeptid-Sequenz im Hämoglobin der roten Mückenlarven kann zu Asthma , Urtikaria und Quincke-Ödemen, sowie anderen Problemen führen.

Gefriergetrocknetes Futter

Gefriergetrocknetes Lebendfutter weist eine sehr hohe Qualität auf, da noch sämtliche Nährstoffe in den Futtertieren enthalten sind. Die Futtertiere, wie beispielsweise Daphnien, Mückenlarven, Artemia, Ruderfußkrebse wie Cyclops Eeze oder andere werden bei sehr niedrigen Temperaturen schockgefrostet und getrocknet, aber auch teils schonend sonnengetrocknet. Dementsprechend wirkt sich diese Behandlung auch auf den Preis aus, der sich aber im Hinblick auf die einzigartig gute Qualität durchaus verschmerzen lässt. Der Nachteil bei gefriergetrocknetem Futter ist jedoch, dass die Reflexe des lebenden Futtertieres fehlen und gerade bei Wildfangfischen den Jagdreflex nicht auslösen, da die Trockentiere auf der Wasseroberfläche treiben. Diese Schneiger können aber zum Fressen animiert werden, wenn man die Futtertiere außerhalb des Aquariums in Aquarienwasser vorquellen lässt und mit einer Pipette direkt in die Strömung gibt.

Lebendfutter selbst "anbauen"

Lebendfutter selber zu kultivieren stellt also eine optimale und eine von Jahreszeiten und Ladenschluss unabhängige Lösung dar, bei der man sich selbst die wichtigsten Fragen beantworten kann. Die Kultivierung und Lebendfutternutzung von Artemia fand hauptsächlich in den ´70er Jahren immer mehr Anhänger. Gerade die anwenderfreundlichen Innovationen des wohl bekanntesten Hobbyisten Hans Dohse, dessen Leidenschaft zur Artemia-Nauplie ihn jahrelang tüfteln und experimentieren ließen, ermöglichen nun die dauerhafte Kultivierung und Permanentverfügbarkeit von Artemia und Nauplie in allen Wachstumsstadien- und das ohne Studium der Mikrobiologie oder Kernphysik!

Artemia – faszinierende Kleinkrebse aus einer Zeit vor unserer Zeit

Artemia salina sind Kiemenfüßer, also einförmig gegliederte Kleinstkrebse ohne Rückenpanzer und Extremitäten und die bekanntesten Vertreter aller Urzeitkrebse in der Ordnung der Ruderfüßer- der Anostraca. Insgesamt existieren 7 Arten, sowie eine Unterart. Sie kommen weltweit in salzigen Gewässern, Soleseen und Salinen wie Binnenseen vor, in denen die Salinenkrebschen mit ihren 22 Blattfüßen Phytoplankton aus dem Wasser filtern und sich dabei gleichzeitig mit Sauerstoff versorgen. Dabei schwimmen sie für gewöhnlich mit dem Bauch nach oben und bewegen das eingesammelte Futter in Richtung Mund, wo es zerkleinert und gefressen wird. Dabei unterscheiden sie nicht zwischen verwertbarem oder unverwertbarem Futter - aber darauf kommen wir noch zurück.

Artemien können ausgewachsen bis zu 2 cm groß und ein paar Monate alt werden. Ihr Wachstum ist abhängig von ihrer Umgebung, dem Salzgehalt, sowie dem Futterangebot. Sie suchen jedoch auch den Bodengrund nach Fressbarem ab und krabbeln dabei „richtig herum“ durch den Sand.

Lebensräume von Artemien und Vorkommen in der Natur

Artemia kommen in salzhaltigen Gewässern vor, deren Salzgehalt so hoch ist, dass dort nur begrenzt bis kein anderes Leben möglich ist, das ihnen zum Fressfeind wird. Die gehandelten Artemia salina entstammen hauptsächlich der San Francisco Bay und dem Salt Lake in Utah. Beim Fang werden Artemia-Vorkommen mit Schwimmsperren eingegrenzt, abgesaugt, gereinigt und haltbar gemacht. Jedoch gelten auch hier Fangverbote zur Nachhaltigkeit, denn 5-20% der Dauereier dienen laut US-Regierung der Art- und Bestandserhaltung.


Auch wenn sie die bekanntesten aller Urzeitkrebs-Arten sind, sind Artemia salina allerding nicht die häufigsten, sodass weitere Populationen weltweit, mit Ausnahme der Antarktis, existieren. Aus einigen wurde in den 1950ern zum Teil explizit für den Spielwarenhandel und die Forschung, eine Hybrid-Art (z. B. Artemia nyos) herausgezüchtet, die bislang aber keine Anerkennung gefunden hat. Nyos bezeichnet die „New York Ocean Science“ Laboratories, die diese Artemia als sogenannte „Sea Monkeys“ vermarktet. Diese Art verhält sich genauso wie Artemia salina und dank ihres Verhaltens, alle schwebenden Objekte im Wasser einzusammeln, werden passend zu Artemia nyos kleine Glitzersteinchen verkauft, mit denen die Artemia nyos durchs Wasser herumschwimmen und den Eindruck von schwebenden Diamanten erwecken sollen.


Seit wann gibt es Artemien?

Artemia gibt es bereits seit über 100 Millionen Jahren, sie haben ihren Ursprung im Süßwasser. Auch im Süßwasser lassen sich Ruderfußkrebse, zum Beispiel der Feenkrebs, finden, der aber mittlerweile unter Artenschutz steht. Derzeit sind 500 Fundgebiete offiziell bekannt, weitere Vorkommen werden bislang unter Verschluss gehalten.

Wachstum und Entwicklung

Mit ungefähr 14 Tagen sind Artemia geschlechtsreif und haben sich bis dahin ungefähr 20 Mal gehäutet. Ausgewachsen weisen sie drei Augen, zwei Antennenpaare, 11 Rumpfsegmenten und 8 Hinterleibssegmente mit einer Schwanzgabel auf. Ihre Mandibeln wandeln sich zu Kau- und Fresswerkzeugen, bei den Männchen auch zu Griffeln um. Weibchen können sich dank ihrer Zwitterdrüse sogar selbst befruchten. Sie verfügen über einen Brutsack, an dem sie erkannt werden können, Männchen bilden die Mandibel des zweiten Antennenpaares zu Greiforganen um, mit denen sie das Weibchen festhalten.

Die Fortpflanzung

Während der Paarung umklammert das Männchen das Weibchen und befruchtet es, aneinander geklammert, über Tage hinweg. Artemia können sowohl Dauereier bilden, die sogenannten Zysten, die mehrzellig und ohne eigenen Verdauungsapparat sind und teilweise noch nach Jahrzehnten schlüpfen, aber auch lebende Junge, die nur eine sehr dünne Eihülle ausgebildet haben und je nach Umgebung in knapp 5 Tagen mit 100 Geschwistern aus dem Brutsack des Weibchens schlüpfen. Wenn der Salzgehalt steigt und ihr Habitat austrocknet, legen Artemia Dauereier, die Trockenperioden überdauern können. Auch diese Fähigkeit hat die Art der Urzeitkrebse erhalten. 


Angepasst an extreme Biotope

Auch sonst sind Artemia sehr interessante Tiere: sie sind sogar in der Lage, über ihre Terminalanhänge, die sogenannte Furka, überschüssiges Salz aus dem aufgenommenen Wasser wieder auszuscheiden und so ihr osmotisches Gleichgewicht zu regulieren. Steigt jedoch der Salzgehalt weiter an, so wird auch die Sauerstoffaufnahme schwieriger, was sie durch einen erhöhten Hämoglobingehalt ausgleichen. Um den Ionengehalt ihrer Hämolymphe zum erhöhten Salzgehalt zu regulieren, verbrauchen die Krebschen fast ein Drittel ihres Energiehaushaltes. Sie strahlen dabei regelrecht kräftig rot-orange (was aber auch durch rötliche Algen, die sie aufgenommen haben, hervorgerufen wird).

Durch diese Fähigkeit können sie in teilweise 70%igem Salzwasser überleben, in denen sie keine weiteren schwimmenden Fressfeinde zu befürchten haben, da diese dort nicht überlebensfähig sind. Einzige Ausnahme bilden allerdings Flamingos, die dank des nahrhaften Lebendfutters gefärbte Federn haben. Auch die Dauereier von Salinenkrebsen sind wahre Überlebenskünstler und werden teilweise von Wasservögeln in andere Gewässer übertragen. Interessanterweise kommen Artemia aber nicht in, obwohl für ihre Art geeigneten, Gewässern, vor, die von Wasservögeln gemieden werden. Artemia könnten theoretisch im Meerwasser überleben, jedoch finden sie sich hier als Hauptgang am Buffet von Meeresfischen und Korallen ein, sodass ihr Bestand innerhalb kürzester Zeit dahin gerafft wäre.

Das Wunder des Lebens


Artemia Nauplien sind vor allem auf den Salzgehalt, das richtige Wasser und die Temperatur angewiesen, um vernünftig zu schlüpfen. Bei einem handelsüblichem Eier-Salz-Gemisch fügt man lediglich nach Anleitung Wasser hinzu, achtet auf die richtige Umgebungstemperatur und schon schlüpfen nach 24-48 Stunden die ersten Nauplien.

Die Zysten saugen sich bis zum doppelten ihrer Größe mit Wasser voll, wodurch der Embryo aus seinem „Schlafzustand“ geweckt wird und sich entwickelt. Mit dem Kopf voran schlüpft die Nauplie aus der aufgeplatzten Eihülle und befindet sich noch in einer Membran, die mit dieser verbunden ist. Innerhalb von ein paar Stunden ist die Schlüpfmembran soweit vom Wasser durchdrungen, dass auch diese reißt und sie sich samt der Eihülle vom Embryo löst. Die Nauplie schwimmt nun frei und bildet langsam Verdauungsorgane, Mund und After aus. Je nach Umgebung häutet sie sich nach einem halben Tag das erste Mal, was sie sehr viel Energie kostet. Daher ist es ratsam, Nauplien vor der ersten Häutung zu verfüttern, da dann ihr Nährstoffgehalt am höchsten ist und sie diese ansonsten selbst aufbraucht.

Salz


Möchte man jedoch alles selber machen, so empfiehlt sich eine drei- bis vier-prozentige Salzkonzentration. Ohne Salzzusatz funktioniert die Nauplienzucht leider gar nicht. Salzkonzentrationen darüber vermindern die Schlupfrate und erhöhen teilweise sogar die Sterblichkeitsrate. Empfehlenswert sind hier im Handel angebotene Meersalze, bzw. die bereits mit Phytoplankton angereicherten Artemia-Salze. Zwar haben Experimente ergeben, dass sogar Spülmaschinensalz zu Schlupfergebnissen geführt hat (Straßenstreusalz übrigens aber nicht), jedoch sollten diese Nauplien eher weniger als Fischfutter verwendet werden. Haushaltsübliches Salz, ob mit oder ohne Jod, funktioniert ebenfalls. Die richtige Dosierung ist hier 30-35 g Salz pro Liter Wasser. (Also 15-18 g beim JBL ArtemioSet mit 500 ml Brutbehälter.) Obwohl Nauplien schwankende Dichten einigermaßen gut vertragen, sollte im Aufzuchtbecken das verdunstete Wasser nicht schlagartig aufgefüllt werden, sondern über Tage verteilt. Artemia können in bis zu 7%igem Salzwasser überleben, wenn bereits alles andere Leben verschwunden ist. Auch diese Eigenschaft hat ihnen über Jahrtausende den Erhalt der eigenen Art gesichert.

Eier


Theoretisch ist die Menge der zugefügten Eier irrelevant, allerdings sollte man bedenken, dass in einem Brutbehälter mit einem 500 ml Volumen auch eine riesengroße Menge Nauplien schlüpfen kann, die zeitnah verfüttert werden sollten. Zwar kann man geschlüpfte Nauplien in Salzwasser im Kühlschrank aufheben, allerdings häuten sich Nauplien 12 Stunden nach dem Schlupf das erste Mal, wodurch sie viel Energie verbrauchen - ihr Nährstoffbedarf sinkt somit wieder. Auch ist bei Mega-Mengen die Chance einer höheren Sterblichkeit erhöht, weil die Nauplien einen erhöhten Sauerstoffbedarf haben und ebenfalls viele Ausscheidungen das Wasser zusätzlich belasten, sodass es kippen kann. Um wirklich frische und nahrhafte Nauplien zu verfüttern, lohnt sich daher die Anschaffung eines zweiten Brutbehälters, der so getaktet ist, dass alle 24 Stunden eine Ladung Lebendfutter fertig ist. Bei einer Eier-Salz-Mischung ist das Verhältnis zwischen Salz und Eiern so ausgewogen, dass eine normale Portion Lebendfutter erbrütet wird.
Auch bei Artemia-Eiern gibt es unterschiedliche Qualitäten und Angebote im Handel, deren Effizienz sich vor allem auch im Preis zu erkennen gibt. Bei eher minderwertigen Sorten wird nahezu die doppelte Menge Eier benötigt, um an eine halbwegs anständige Portion Lebendfutter zu gelangen, bei sehr hochwertigen Produkten dagegen fast nur die Hälfte. Derzeit finden sich im Handel jedoch überschaubare Angebote, bei denen man selbst selektieren kann: die höchste Schlupfquote und Qualität weisen Artemia-Eier aus der San Francisco Bay und dem Salt Lake in Utah auf. Für normal sterbliche Hobbyisten, die lediglich ihre Fischjungen groß ziehen oder ihren Tieren etwas Abwechslung auf dem Speiseplan gönnen wollen, spielt dies jedoch kaum eine große Rolle, da hier die angebotenen Eier von bsp. Hobby oder JBL völlig zweckdienlich sind. Züchter, die ihren Tagesbedarf an Nauplien in Kilo berechnen, sind mit petifool gut beraten. Auch wenn Artemia Zysten nahezu ewig haltbar sind, so ist auch hier eine entsprechende Lagerung nach Anbruch vorausgesetzt: so sollten die Eier bei Nichtgebrauch erneut vakuumiert, zumindest aber luftdicht eingefroren werden. Dies eignet sich besonders auch beim Kauf einer größeren Menge, die nicht in absehbarer Zeit erbrütet wird. Die Lagerung bei Zimmertemperatur und Sauerstoff kann zu einem 10%igen Schlupfverlust pro Jahr führen.

Temperatur


Für gewöhnlich schlüpfen Nauplien in einem Zeitfenster von 24-48 Stunden bei einer Temperatur zwischen 25° und 30° C. Diese Umgebungstemperatur lässt sich allerdings nur schwer konstant halten- daher sei angemerkt, dass sich Nauplien ebenfalls bei lauschigen 19° C Zimmertemperatur und darunter züchten lassen- mitunter eine Frage der Zeit, dies ermöglicht aber auch die Outdoor-Hälterung- denn Nauplien schlüpfen sogar noch bei frostigen 4°C! Teilweise benötigen einige Eier etwas länger, sodass man nach 24 Stunden aus einem einzigen Ansatz den ersten Schwung Nauplien absieben, den Brutbehälter wieder anschaltet und weitere 24 Stunden später den mittlerweile geschlüpften Rest „ernten“ kann. Hans Dohse vermutet in diesem Verhalten nicht etwa einen Qualitätsmangel, sondern lediglich dasselbe Phänomen wie bei Hühnereiern: manche Eischalen weisen einfach mehr Stärke auf als andere. Länger als 48 Stunden sollte ein Ansatz aber nicht laufen, da sich Eischalen, abgestorbene Nauplien und Ausscheidungen negativ auf die Wasserqualität auswirken und danach ohnehin keine lebenden Nauplien mehr zu erwarten sind, da diese empfindlich auf Verschmutzung reagieren.

Wasser


Auch bei dem optimalen Wasser für den Ansatzgibt es landläufig viele Meinungen. Die einen schwören auf abgekochtes und abgestandenes Leitungswasser, die nächsten auf Regen- oder Quellwasser und ganz Clevere machen keine Kompromisse und benutzen direkt das Osmosewasser ihrer Anlage, weil ihre Aquarien sowieso damit laufen. Hält man sich an die Verpackungsangaben von Artemia-Sets, reicht Leitungswasser angeblich aus. Allerdings wird hier außer Acht gelassen, dass die Wasserwerte sich deutschlandweit sehr unterscheiden, im Winter anderes sind als im Sommer und im Frühjahr nicht dieselben wie im Herbst und dass Leitungswasser teilweise mit Chlor und Phosphaten zur Desinfektion der Trinkwasserleitungen angereichert wird. Ich überlasse es also daher dem Leser, wie er mit der Tatsache umgehen möchte, dass er das Leitungswasser für seine Aquarien mit speziellen Wasseraufbereitern präpariert, die seine Fische und Wirbellose vor eben genannten Giftstoffen und Schwermetallen schützen soll, aber eben dasselbe Leitungswasser für die Zucht von wirbellosen Artemia-Nauplien verwenden möchte. Empfehlenswert wäre hier ebenfalls die Wasseraufbereitung für die Nauplienzucht, was eben mit Aufwand verbunden ist bei regelmäßigen Ansätzen. Man kann dieses Thema sicher mit der heißen Nadel stricken und sich überlegen, wie viele Schwermetalle sich im Grundwasser befinden oder ob Regenwasser über ein versmogtes Hausdach durch Kupferrinnen aufgefangen wurde - was ebenfalls alles nicht zweckdienlich ist. Die sicherste Lösung ist wohl tatsächlich entionisiertes Wasser, sei es aus der Osmoseanlage oder schlicht und ergreifend: destilliertes Bügelwasser! Ein 5-Liter-Kanister für knapp 2€ reicht für 10 Ansätze mit dem JBL Brutbehälter aus.

Bei der richtigen Herangehensweise der Nauplien-Produktion scheiden sich, wie immer, die Geister. So hat jeder Fischzüchter, den man befragt, seine eigene Methode und sein eigenes Geheimnis, sodass man davon ausgehen kann, dass etliche Wege nach Rom, oder, zur Nauplie führen. Letztlich ist die Art und Weise, wie man sein Lebendfutter erbrütet, abhängig von den eigenen Erfahrungen und seinem bevorzugten Handling. Um sich jedoch mit dem Thema vertraut zu machen und erste Erfolge zu erzielen, ist es lohnenswert, auf die handelsüblichen Vormischungen zurück zu greifen und diese nach Anleitung zu verwenden.

Lebendfutteraufwertung– Nauplien boostern

Im Hinblick auf die perfekte Zusammensetzung eines perfekten Fischfutters streiten sich bis heute die Gelehrten. Und wenn es sich dann noch um ein Aufzuchtfutter handelt, sowieso. Artemia-Nauplien scheren sich zum Glück nicht um solche Diskussionen und weisen das wundersame Talent auf, aus dieser scheinbar perfekten Komposition von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten zu bestehen. Unumstritten ist der Nährwert von Nauplien unmittelbar nach dem Schlupf am höchsten- natürlich können sie auch darüber hinaus noch verfüttert werden! Zu bedenken ist dabei jedoch, dass sich der geschlüpfte Salinenkrebs in den ersten 1,5-2 Tagen nach dem Schlupf von seinem Dottersack ernährt, der ja gerade die Geheimzutat im Artemia-Powerfutter darstellt. Nach dieser Verwandlung weist die Nauplie dennoch Eiweiße und Fette auf- und eben die Nährstoffe, die sie mittlerweile selbst gefressen hat.

Nährstoffgehalt von Artemia-Nauplien

Auch wenn die Nährstoffe von Artemia-Nauplien, bzw. von Artemia je nach Herkunft, Alter und Entwicklung schwanken, so kann man sich dennoch ungefähr an diesen Richtwerten orientieren:
Protein 50%, Fett 20%, Rohfaser 2%, Rohasche (unverdaulich) 6%, Wasser 8%.

Mit diesem Nährstoff-Verhältnis eignen sich Artemia-Nauplien ganz besonders als Erstlings- und Powerfutter. Da Nauplien zappeln und nicht gerade die schnellsten Streckenschwimmer sind, reizen sie zum einen den angeborenen Jagdtrieb der Fischlarven, zum anderen sind sie auch recht einfach von diesen zu erwischen. Auch im Süßwasser leben Nauplien noch ein paar Stunden, sodass es kein Problem ist, wenn man vor lauter Nauplien fast keine Fischbabies mehr sieht - denn diese mampfen sich in den nächsten Stunden munter durchs Buffet. Vorteilhafter ist es allerdings, die Jungtiere 3-5 Mal täglich mit kleineren Portionen zu füttern, was für die meisten Berufstätigen leider schwierig umsetzbar sein dürfte.

Nauplien boostern

Wie bereits erwähnt, macht eine Nauplie keine Unterschiede zwischen verdaulichen und unverdaulichen Stoffen, die sie zu sich nimmt. Diese Eigenschaft kann man sich daher effektiv zu Nutze machen, um der Fischbrut- oder auch den ausgewachsenen Tieren- eine Extradosis Vitamine Nährstoffe, aber auch Medikamente zu verabreichen. Lässt man Nauplien also ab dem Zeitpunkt, an dem sie mit dem fressen beginnen, in einer Lösung aus den gewünschten Stoffen schwimmen, nehmen sie diese auf und transportieren sie beim Verfüttern automatisch in den Fischkörper. Der große Vorteil daran ist, dass das Wasser im Aufzuchtbecken nicht verunreinigt wird, andererseits ist es so aber auch möglich, einen Fisch gezielt mit Medikamenten zu behandeln, in dem dieser separat gesetzt und mit den präparierten Nauplien gefüttert wird.

Vitamine und wichtige Fettsäuren zufügen

Diese Technik habe ich vor einigen Jahren mal in einem Buch für die erfolgreiche Clownfisch-Zucht im Meerwasseraquarium entdeckt und wende sie bereits seit einiger Zeit ebenfalls im Süßwasseraquarium an. Hauptsächlich führe ich den Nauplien Vitamine zu, JBL bietet mit dem Atvitol einen Multivitaminkomplex an, der sich dafür hervorragend eignet, einen höheren Anteil an nützlichen Fettsäuren erziele ich zudem in Kombination mit „LipoVit“ von der Firma Tropic Marin. Auch die Kombination von Multivitaminsaft mit herkömmlichen Omega-3-Supplementen für den menschlichen Verzehr sind einigermaßen geeignet, allerdings ist das Handling umständlich, klebrig und nicht jeder möchte jeden Tag seinen Tetra Pak Multi trinken (obwohl es vielleicht ratsam wäre) - zudem eignet sich JBL Atvitol noch für weitere Zwecke, sodass das Vitaminfläschchen eigentlich sowieso in jedes Handarbeitskästchen eines Aquarianers gehört.

Anreichern in zwei Varianten

Derzeit praktiziere ich zwei Varianten des Anreicherns: bei der ersten werden die Nauplien direkt nach dem Schlupf abgesiebt und nebelfeucht in eine Glasschale verbracht. Darauf werden ein paar Tropfen JBL Atvitol geträufelt und dann für 4 Stunden im Kühlschrank verwahrt, danach verfüttert. Hintergrund dieser Art ist die Diffusion, mit Hilfe derer die Nauplien die Nährstoffe aufnehmen. Die zweite Variante ist, die Nauplien über den Schlupfzeitpunkt hinaus weiter zu belüften und ca. 36 Stunden danach in eine kleine Glas- oder Petrischale mit etwas von ihrem Salzwasser zu geben und die Nährlösung hier hinein zu träufeln. Diese lasse ich wiederum vier Stunden im Kühlschrank fressen, spüle sie danach ab und verfüttere sie. Setze ich die anzureichernden Nauplien exakt zum Zeitpunkt der schlüpfenden Fischlarven an, sind sowohl die Nauplien alt genug, um Nährstoffe zu fressen und meine Fischbabies, die ich vorher mit Infusorien oder Mikrowürmchen angefüttert habe, nahezu groß genug, um die Nauplien bewältigen zu können. So erhalten sie für ihren Lebensstart alle notwendigen Nährstoffe, um wunderhübsche und farbenfrohe Fischlein zu werden, die vernünftig und optimal zusammen wachsen und nicht Gefahr laufen, aus unerfindlichen Gründen abzusterben.

JBL Atvitol kann aber auch noch mehr, als Nauplien anzureichern! Ich verwende das Vitamin sogar dazu, das Aquarienwasser gelegentlich damit „zu füttern“. Gerade die nützlichen Mikroorgansimen und Reinigungsbakterien im Aquarium erfahren dadurch einen extra „Boost“ und verbessern ihre Leistung und Vermehrung. Auch eignet es sich, um Frostfutter und das übliche Dosenfutter aufzuwerten, allerdings löst sich bei dieser Variante im Wasser sehr viel davon wieder ab, sodass nur wenig im Fischbauch ankommt.

Zucht und Haltung: Fehler vermeiden bei der Aufzucht von Artemia

Futter

Obwohl sich Nauplien recht einfach erbrüten lassen, gestaltet sich die Aufzucht und dauerhafte Haltung von Artemia mitunter ein bißchen schwierig und braucht manchmal mehrere Anläufe und Durchhaltevermögen.
Der am häufigsten praktizierteste Fehler liegt in der Fütterung. Nauplien bilden in den ersten drei Tagen ihre Mundwerkzeuge und Verdauungsorgane aus und ernähren sich bis dahin von ihrem Dottersack. Hinzugefügtes Futter und meist dazu noch erheblich zu viel, lassen das Wasser bereits kurz nach der Fütterung kippen. Empfehlenswert ist die Erstfütterung ab dem dritten Tag nach Schlupf mit gerade so vielen Tröpfchen Liquizell oder ArtemioFluid, bis das Wasser eine schwache Grünfärbung aufweist. Erst wenn die Nauplien diese Färbung wieder „klar“ gefressen haben, wird erneut gefüttert. Das Flüssigfutter kann bis zum 12. Tag, aber theoretisch auch dauerhaft verabreicht werden, auch Liquizell ist quasi ewig haltbar. Danach kann auf Mikrozell umgestellt werden. Die Fütterung sollte auch hier spartanisch ausfallen, eine Zahnstocher- oder Stricknadelspitze leistet hier Dosierhilfe.


Durchlüftung

Während die Nauplien mit hoher Durchlüftung besonders gut gediehen, sollten Artemien eher in einer geringen Anzahl mit nur einer schwachen Belüftung in einem verhältnismäßig großen Gefäß (empfehlenswert ab 10 Litern) gehalten werden. Die Nauplien häuten sich je nach Stadium sehr oft - auch diese Exuvien belasten das Wasser, ebenso wie ihre Ausscheidungen.

Mikroflora im Artemia-Aquarium

Wie in einem Aquarium bildet sich auch hier eine Mikrobiologie mit Bakterien, die sich erst entwickeln muss. Fügt man Bakterien hinzu, können diese dem Abbau von Abfallstoffen entgegen wirken. Auch ein Artemienbecken kann mit den üblichen Wasseraufbereitern und Bakterienpräparaten angeimpft werden! Die schwache Belüftung dient dazu, Futterpartikel in der Schwebe zu halten: Artemien sind keine Sprinter und sammeln ihr Futter daher eher langsam ein. Alternativ kann das Wasser auch täglich umgerührt werden. Ein Bodengrund ist kein Muss und stellt sich vor allem bei der Reinigung des Beckens eher als unvorteilhaft heraus.


Beleuchtung

Das Artemia-Becken sollte Tageslicht erhalten, aber keine direkte Sonneneinstrahlung (Unter anderem Überhitzung führt zu Wasserverdunsten und damit einem geringeren Sauerstoffgehalt bei gleichzeitiger Dichteerhöhung.). Kleinere Tonscherben am Boden dienen unter anderem der Ansiedelung von Algen, die den Artemia als Futter dienen. Reichern sich diese genügend von selbst an, ist eine zusätzliche Fütterung über Monate hinweg nicht notwendig.

Abdeckung

Das Becken sollte abgedeckt sein, da Staub die Schwimmbeinchen der Artemia behindern kann, mit denen sie immerhin auch Nahrung und Sauerstoff aufnehmen, eine Ecke sollte dabei frei bleiben, damit ein Gasaustausch stattfinden kann.

Wasserwechsel

Ein Wasserwechsel ist bei Artemia an und für sich nur bei sehr verunreinigtem Wasser notwendig. Da die Trennung von Artemia und Schmutzstoffen kompliziert ist, lohnt es sich, neues Salzwasser anzurühren, dieses 24 Stunden ausreagieren zu lassen und dann die Krebschen umzusetzen. Dies gelingt am besten, indem man sie mit einer Taschenlampe in eine Ecke lockt und dort absiebt oder heraus keschert. Verdunstetes Wasser wird mit ungesalzenem Wasser wieder aufgefüllt, bei größeren Mengen sollten diese Verluste über Tage hinweg ausgeglichen werden.


Artemia im Daueransatz

Artemia werden nur ein paar Monate alt. Bei guter Pflege entlassen sie aber stets lebende Jungtiere und auch genügend Dauereier, sodass der Bestand erhalten bleibt. Lässt man hingegen das komplette Aufzuchtbecken austrocknen, erhöht sich dabei die Dichte, die Artemien wiederum das Ende der Laichzeit signalisiert und zur Bildung von Dauereiern anregt. Gießt man den eingetrockneten Ansatz irgendwann wieder auf, schlüpfen erneut Nauplien und der ganze Kreislauf beginnt von vorne.

Tipps und Tricks

Breeder-Röhrchen säubern leicht gemacht
Und plötzlich ist es doch mal passiert: da kam einem wieder das Leben dazwischen, die Fische klopfen bereits ungeduldig mit den Flossen an die Aquarienscheibe und dann fällt der Blick auf den Artemia-Breeder… 
Die immer noch belüftete Brühe dreht sich munter im Kreis und aus der einst rötlichen verheißungsvollen Ladung frisch geschlüpfter Artemia-Nauplien wurde ein durchsichtiges Etwas, mit einem klebrigen Eierschalenrand kurz vorm Deckelverschluss. Augen zu und durch! Der Brutbehälter lässt sich mit wenigen Handgriffen und einer Flaschenbürste schnell wieder auf Vordermann putzen, aber das Luftröhrchen, einmal innen verklebt, treibt einem mitunter die Schweißperlen auf die Stirn. Einfach nur unters Wasser halten funktioniert nicht, durchpusten auch nicht.

Eine Weile lang habe auch ich mich immer wieder schwer damit getan und war schon kurz davor, die Röhrchen komplett zu ersetzen, bis mir eine Rolle Basteldraht in die Hände fiel. Kurzentschlossen habe ich diesen also in die Röhrchen eingeschoben und unter fließendem Wasser darin hin- und her bewegt. Im Handumdrehen waren die Luftröhrchen gereinigt und sofort wieder einsatzbereit- vor allem aber war der Luftstrom wieder genauso effektiv wie zu Beginn der Artemia-Brüterei.

Zwar mussten die hungrigen Mäuler jetzt doch noch einmal einen Tag auf Frischfutter warten, aber für solche Fälle befindet sich glücklicherweise immer noch eine Mikrowürmchenkultur im Haus, die eine kurzzeitige Ignoranz verzeiht.

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Sei gespannt auf: Outdoor-Haltung und Zucht von Artemia!


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