Amanogarnelen züchten im Aquarium

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Die beliebten und als Algenfresser auch sehr nützlichen Amanogarnelen (Caridina multidentata, vormals als Caridina japonica bekannt) gehören dem primitiven Fortpflanzungstypus an, was bedeutet, dass die Weibchen nach der Paarung eine riesige Zahl (weit über hundert) winzige Eier ansetzen, aus denen keine fertigen Junggarnelen schlüpfen, sondern Larven. Diese Larven benötigen zum Großwerden Brackwasser, wo sie innerhalb von 4-6 Wochen neun unterschiedliche Stadien durchlaufen. Brackwasser sagt übrigens nichts über den Verschmutzungsgrad aus, sondern bezeichnet eine Mischung aus Süßwasser und Meerwasser mit wechselnder Salinität (Salzgehalt).

Vermehrung in der Natur

In der Natur leben Amanogarnelen in kleinen Bächen und Flüssen im Süßwasser. Wenn das Weibchen seine Larven entlassen hat, werden sie von der Strömung in den Mündungsbereich oder sogar gleich ganz ins Meer verdriftet. Frisch geschlüpfte Amanogarnelenlarven können bis zu 5 Tage im Süßwasser überleben, danach sterben sie ab, wenn sie nicht in salziges Wasser kommen. Die Zucht von Amanogarnelen und auch von anderen Garnelen, die dem primitiven Fortpflanzungstypus angehören (darunter alle Fächergarnelen, aber auch einige Großarmgarnelen), ist aus diesem Grund im normalen Gesellschaftsaquarium nicht möglich.

Nachzucht im Aquarium

Möchte man sich einmal an der Nachzucht versuchen — sie ist zwar ein bisschen kompliziert, aber wirklich schwierig ist sie nicht! Es mag nicht jedes Mal klappen (auch nicht mit identischen Setups), aber wenn es klappt, kann man wirklich stolz auf sich sein. Bedenken muss man dabei, dass die Amanogarnele deshalb so viele Nachkommen hat, weil diese Vermehrungsstrategie von großen Verlusten gekennzeichnet ist. Auch in der Natur kommen unglaublich viele Larven nicht durch.

Habe ich Männchen und Weibchen?

Die Geschlechter bei Amanogarnelen lassen sich gut unterscheiden. Die Männchen sind nicht nur etwas kleiner und deutlich schlanker als die Weibchen, sie zeigen auch ein deutliches Punktmuster, während die großen, bauchigen Damen ein Strichmuster aufweisen. Bei den transparenten Amanogarnelen sieht man zudem den Eifleck beziehungsweise die Eier unter den Schwimmbeinen sehr deutlich.

Vorbereitung und Equipment

Tragende Weibchen, bei denen es bald soweit ist, dass die Kleinen schlüpfen, erkennt man daran, dass die Eier deutlich heller werden und auch minimal größer aussehen. Schaut man ganz genau hin (mit einer guten Lupe zum Beispiel), kann man sogar die winzigen Augen der Larven als dunkle Punkte in den Eiern entdecken. Spätestens dann wird das tragende Weibchen einzeln in ein mindestens 25 Liter fassendes eingefahrenes Entlassbecken mit Süßwasser gesetzt — es sollte schon ein paar Wochen gestanden haben, damit sich Algen und Mikrofilme ansiedeln konnten. Wichtig ist es, dass das Becken aus Glas ist, in Plastikbecken funktioniert die Aufzucht nicht. Dieses Becken läuft filterlos, damit die Larven nicht eingesaugt werden. Eine außerhalb angebrachte Luftpumpe samt passendem Luftschlauch hält das Wasser in Bewegung. Der Luftstrom wird mit Hilfe eines Lufthähnchens mit Stellschraube so eingestellt, dass aus dem Schlauch einzelne, gut erkennbare Blasen kommen. Wir wollen eine sanfte Wasserumwälzung, kein starkes Sprudeln! Ein Ausströmerstein ist nicht zwingend erforderlich. Ein Heizer ist nicht notwendig.


Es gibt Berichte, wonach schon länger tragende Weibchen ihre Eier abwerfen, wenn sie umgesetzt werden. Dort wird dazu geraten, die Weibchen schon dann umzusetzen, wenn die Eier noch dunkel sind und sie im Entlassbecken austragen zu lassen — auch das ist natürlich eine Möglichkeit. Gefüttert wird im Separée nur zurückhaltend — ein braunes Laubblatt von Eiche, Buche oder Seemandelbaum sollte im Becken liegen, dazu wird das Weibchen noch 2-3 Mal pro Woche mit einem halben Stick eines guten Proteinfutters gefüttert.

Das richtige Futter für die Weibchen

Für das Durchkommen des Nachwuchses ist es sehr wichtig, dass die tragenden Weibchen bereits vor dem Eiansatz mit allem versorgt werden, was sie brauchen. Dazu zählen insbesondere Proteine (der Proteinhunger von Amanoweibchen ist legendär …) und außerdem Nukleotide (also Bausteine von Nukleinsäuren) und Phospholipide, zum Beispiel Lecithin. Diese für die Eiqualität und die Eiausbildung wichtigen Stoffe sind beispielsweise in der Bierhefe enthalten, die wir für unser NatureHolic Proteinfeed verwenden. Idealerweise wurde das Weibchen, das zur Zucht ausersehen wurde, bereits für einige Zeit mit diesem Futter versorgt, sodass die Eibildung optimal unterstützt wurde.

Wie geht es weiter, wenn die Larven geschlüpft sind?

Hat das Weibchen nun die Zoea Larven entlassen, wird es wieder ins Aquarium zurückgesetzt, und das Laubblatt wird entfernt. Hat sich das Weibchen gehäutet, nimmt man auch die Exuvie aus dem Becken. Die Larven sind winzig kleine, umgekehrt kommaförmige durchsichtige Striche, die kopfüber im Wasser schweben. Man muss sehr genau hinschauen (und im Zweifelsfall eine Lupe verwenden).
Dann salzen wir das Entlassbecken, das nun zum Larvenaufzuchtbecken wird, mit einem geeigneten Salz für Meerwasseraquarien aus dem Fachhandel auf. Meersalz aus dem Supermarkt eignet sich hierfür nicht — es enthält ein Trennmittel, das das Verklumpen verhindert, aber leider die Kiemen der Garnelenlarven verklebt und sie so zum Tode verurteilt. Erfahrungsgemäß brauchen Amanogarnelenlarven keine feste, bestimmte Salinität, sondern kommen mit mittlerem Brack- bis "richtigem" Meerwasser zurecht. Mit einer Salzmenge von 25 g je Liter sind wir in einem guten Bereich. Das Salz wird einfach ins Becken gegeben, wir rühren vorsichtig mit einem sauberen Schaschlikstäbchen um und lassen es sich gemütlich auflösen. Die Larven überleben diese Hau-Ruck-Prozedur, auch wenn sie erst einmal echt furchterregend aussieht.

Alternative:

Möchte man das nicht, so kann man ein separates Aufzuchtbecken mit Brackwasser laufen lassen und die Larven dann aus dem Entlassbecken absaugen. Das ist ganz einfach — die Larven sind positiv phototaktisch, das heißt, sie schwimmen aktiv zu einer Lichtquelle. Verdunkelt man nun den Raum und richtet eine punktförmigen Lichtquelle in einer Ecke des Entlassbeckens senkrecht nach unten, kommen die Larven erstaunlich schnell  in den beleuchteten Bereich. Dort kann man sie mit einem dicken Schlauch vorsichtig absaugen. Das Wasser sollte dabei langsam laufen, eine zu starke Strömung wäre nicht gut für die Winzlinge.

Fütterung

Gefüttert wird anfangs mit fünf Tropfen Liquizell. Nachgefüttert wird erst, wenn das Wasser wieder klar ist. Sind die Larven schon sichtbar gewachsen, kann man auch auf Spirulina-Pulver zurückgreifen. Hier wird eine ganz kleine Menge in etwas Wasser verrührt und ins Aquarium gegeben. Da das Aufzuchtbecken nicht gefiltert wird und da die Larven große Wasserwechsel nicht gut vertragen, muss man ausgesprochen vorsichtig füttern und immer erst nachfüttern, wenn das Wasser wieder klar ist. Schwimmen die Larven in einem rechtwinkligen Knick, bedeutet das, dass sie fressen. Dann ist alles gut. Mit der Zeit kann man immer häufiger beobachten, dass die größeren Larven sich an den veralgten Wänden zum Futtern niederlassen.

Nützliche kleine Helfer

Zwei oder drei für Brackwasser taugliche Schnecken wie die Malaiische Turmdeckelschnecke sind gute Aufräumer — sie kümmern sich um Futterreste, Häutungsreste und tote Larven.

Umwandlung zur Garnele

Nach ungefähr 30-40 Tagen durchlaufen die Larven ihre letzte Häutung und wandeln sich im Zuge dieser Metamorphose zu fertigen kleinen Amanogarnelen um. Wenn sie nicht mehr im Wasser schweben, sondern sich — eben wie eine Garnele — krabbelnd am Boden bewegen, ist es soweit und man kann die Tiere entweder umsetzen oder, falls sich alle Garnelen umgewandelt haben, das Aufzuchtbecken mit täglichen 10%igen Wasserwechseln mit reinem Süßwasser langsam aussüßen und sie dann umsetzen, wenn die Wasserwerte ungefähr dieselben sind wie im Aquarium, in das die Kleinen dann sollen.

Funktioniert nicht nur mit Amanogarnelen ...

Diese Aufzuchtmethode funktioniert nicht nur für Amanogarnelen, sondern auch für andere Arten, die dem primitiven Fortpflanzungstypus angehören, so zum Beispiel Molukkenfächergarnelen oder Monsterfächergarnelen. Molukkenfächergarnelen brauchen allerdings vom Schlupf bis zur Metamorphose nicht 4-6, sondern 10 Wochen, Monsterfächergarnelen sogar ungefähr 4 Monate. Auch Großarmgarnelen, die sich über marine Larvenstadien fortpflanzen, lassen sich mit dieser Methode gut vermehren. Sie brauchen im späteren Larvenstadium dann unter Umständen auch kleines Lebendfutter wie Pantoffeltierchen oder Infusorien.

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  • Gute Anleitung

    Sehr tolle Anleitung auch für den Otto-Normal-Aquarianer zu verstehen. Vielen Dank für die Erklärungen.
    Aber die Photos im Bericht sind phänomenal . Ich könnte schon fast die Wimperntusche der Garnelenmama erkennen....
    sehr beeindruckend.