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Hollow Eyes & Orange Eyes: Handicap oder Schönheitsmakel?

Als in Internetforen die erste Garnele mit orangefarbenen Augen auftauchte, war das Interesse an diesen Tieren logischerweise riesengroß, denn im Gegensatz zu den sonst eher schwarzen Augenfarben war diese neue Farbe sprichwörtlich ein neuer Schein am Garnelenhimmel, auch verhielten sich diese Garnelen „irgendwie“ anders, als ihre Vertreter mit normalen Augen. Ein leiser Verdacht, dass die Tiere womöglich blind sein sollten, erregte allerdings ebenfalls Aufmerksamkeit und nicht zuletzt wurde die Aussage lauter, solche Garnelen gar nicht erst weiter zu züchten, wenn ihnen denn dadurch einer ihrer Sinne abhandenkommen würde. Erst 2018 konnte eine Studie der Tiere durch C. Logemann Licht ins Dunkle bringen, die durch M. Kirchbeck 2019 eingehender wissenschaftlich untersucht wurde.

Wie sind die Orange Eyes überhaupt entstanden?

Komplett an den Ursprung zurückverfolgen lässt sich das erste Auftreten der seltsamen Augenfarbe heute wohl nur noch schwerlich. Vermutlich stammen die ersten Tigergarnelen, bei denen dieses Phänomen auftrat, aber aus dem asiatischen Raum und dürften wohl riesiges Interesse geweckt haben, als sie zwischen 2011 und 2013 langsam gen Europa geschwappt sind und weiter gezüchtet wurden. Wie bei den meisten Mutationen galt die komplexe genetische Variabilität der orangen Augenfarbe noch als sprunghaft und willkürlich. Zwischenzeitlich sind die Garnelenbestände mit OE, wie die Orange Eyes auch genannt werden, mehr oder weniger erbfest und weisen weniger Spalterbigkeit als noch vor einigen Jahren auf.  

Auffällig war, dass OE anfänglich nur bei Blauen, Roten und Schwarzen Tigergarnelen auftauchten oder bei Tieren mit Tigergenetik. Im Laufe der Zeit wurden aber ebenfalls Neocaridina und auch C. hodgarti mit hellen Augen angetroffen und die Vermutung reiner Zuchtvarianten wurde durch gesicherte Wildbestände mit OE widerlegt, die voraussichtlich den Meilenstein in Sachen Augenfarbe gelegt haben. Warum aber sind die Augen andersfarbig? Den ersten Vermutungen zufolge sollte es sich dabei um einen Mangel an Rhodopsin, was ein Sehpigment in den Photorezeptoren von Garnelen darstellt, handeln. Dieser wiederum begünstige voraussichtlich die Sehschwäche.

Beide Studien im Vergleich

Ein andersartiges Verhalten, vor allem durch das Aufstellen der Antennen, aber auch ein stellenweise fehlender Fluchtreflex, ließ die sonderbaren Tiere in den Fokus rücken und die besorgte Frage eines Handicaps aufploppen. Carsten Logemann vom Garnelenhaus führte vorab eine Befragung von Haltern mit diesen und normaläugigen Blauen Tigergarnelen durch, dessen Auswertung ihn aber weniger überzeugte, woraufhin er verschiedene Versuche aufbaute und eine grobe behavioristische Studie mit Blauen Tigergarnelen OE (BTOE) durchführte. Die betreffenden Tiere, in der Kontrollgruppe zum Vergleich normaläugige Tigergarnelen, wurden in Fotoküvetten gesetzt und unter anderem verschiedenen Reizen durch Licht und Bewegung ausgesetzt, um Unterschiede in ihrem Verhalten herauszufinden.

Carsten kam zu dem Ergebnis, dass „Tiger OE Unterschiede erkennen zwischen hell und dunkel und richten ihre Antennen auch in die Richtung aus der der Schatten kommt. Bewegungen ohne Schattenwurf können sie aber nicht wahrnehmen, ganz im Gegensatz zu den *normalen* Tigern, die offenbar mit ihren Facettenaugen sehr gut sehen können.“ Er folgert daraus, dass die OE Tigergarnelen entweder blind, zumindest aber stark seheingeschränkt sein müssten, ist aber davon überzeugt, dass sie mit diesem Handicap in Gefangenschaft genauso gut zurechtkommen, wie ihre schwarzäugigen Vertreter.

Melanie Kirchbeck hingegen stellte in einer histologischen und Vergleichsstudie(Kirchbeck, et. al., 2019) fest, dass die Augen von OE und normalen Tigern gleichsam alle notwendigen Eigenschaften, die zum Sehen erforderlich sind, also Lamina, Medulla, Rhabdome und Lobula bzw. Medulla externalis, M. internalis und M. terminalis, sowie der Kristallkörper, vorhanden waren. Verglichen mit Tieren, die vorwiegend im Dunkeln leben und eher weniger auf ihre Seheigenschaften angewiesen sind, sind neurophile Lamina und Kristallkörper für gewöhnlich eher schwach bis gar nicht ausgeprägt, was aber bei den OE nicht der Fall war.

Ein Garnelenauge verfügt über sogenannte Ommatidien, also etlichen „Einzelaugen“, die kegelförmig angeordnet sind. Abhängig des einfallenden Lichtes befindet sich zwischen diesen eine unterschiedlich gut ausgeprägte Pigmentschicht- das Melamin, die der Abschirmung starker Lichtverhältnisse dient, sodass die Garnele weiterhin „scharf“ sehen kann und nicht geblendet wird. Auffällig war das Fehlen dieser intraommatidialer Pigmente bei den OE Tigern, wenngleich einzelne funktionslose Überreste davon in der Untersuchung auffielen.

Tiere mit Orange Eyes verfügen also nicht über den natürlichen Lichtschutz in den Augen wie andere Garnelen. Daraus resultiert also eine Blendung, wenn sie einer starken Lichtquelle ausgesetzt sind. Zwar ist das Gesamtbild für sie durchaus noch erkennbar, allerdings fehlt ihr die Fähigkeit, dieses auch scharf zu sehen. Im Umkehrschluss ist sie allerdings in der Lage, in der Dämmerung und im Dunklen besser sehen zu können, da das Restlicht besser auf alle Einzelaugen wirkt und schärferes Sehen ermöglicht. M. Kirchbeck kam daher zu dem Ergebnis, dass OE Garnelen zwar ein Sehproblem haben, dieses aber im Aquarium durch eine abgedimmte Aquarienbeleuchtung  durchaus zum positiven beeinflusst werden kann.

Hollow Eyes- schaurig interessante Augen

Garnelen mit den sogenannten „Hollow Eyes“ sind noch gar nicht so lange im Hobby vertreten und tauchten voraussichtlich 2020 das erste Mal in Erscheinung. Auffällig sind ihre merkwürdig wirkenden Augen, die geradezu eingefallen wirken und daher als „hollow eye“, was schlicht „versunken“ bedeutet, bezeichnet werden. Im Gegensatz zu OE Garnelen verfügen Tiere mit diesen Augen aber voraussichtlich nicht über eine Sehschwäche, bislang sind auch keine Gemeinsamkeiten dieser beiden Phänomen offensichtlich. Auch die Hollow Eyes sind eine Spielerei von Mutter Natur, der eine genetische Mutation zu Grunde liegt und derzeit nur bei Crystal Red Ghost Garnelen vorkommt. Mit zunehmendem Alter intensiviert sich das Augenmerkmal.

Auch in der Humanmedizin existieren „Hollow Eyes“, sie werden beim Menschen aber als Enophtalmie bezeichnet und beziehen sich auf das Symptom eingefallener Augäpfel (dem sogenannten Enophtalmus), dem vielfältige Ursachen zu Grunde liegen können. Dabei wird das Zurückziehen der Orbita mitsamt Inhalt in die Orbitahöhle definiert. Aufgrund des fehlenden Fettpolsters, dem Corpus adiposum orbitae, das für gewöhnlich hinter der Augenhöhle angetroffen wird, verringert sich ebenso das Wiederlager des Auges. Das bedeutet, dass das Auge somit problemlos nach hinten verschoben und sich mit sämtlichen Begleitstrukturen in die Augenhöhle zurückziehen kann. Behandelt werden „Hollow Eyes“ nicht aktiv, vielmehr werden auslösende Ursachen therapiert.

Bislang liegen keine Studienergebnisse dazu vor, ob Garnelen mit Hollow Eyes in irgendeiner Art und Weise in ihrem Sehen oder ihrer Lebensqualität eingeschränkt wären. Eine durchaus interessante, wenngleich noch spalterbige, Mutation sind ihre gruselig wirkenden Augen aber allemal.


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