Saugwürmer bei Zwerggarnelen im Aquarium

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Saugwürmer erkennen

Die auf Neocaridina-Garnelen aufsitzenden Saugwürmer werden manchmal auch Kiemenwürmer genannt. Sie haben allerdings mit den gefährlichen Kiemenwürmern bei Fischen nichts zu tun, sondern heißen so, weil sie teilweise in der Kiemenkammer von Garnelen sitzen können. Anders als Kiemenwürmer bei den Fischen gehören Garnelen-Saugwürmern nämlich nicht zu den Trematoden, sondern zu den zu den Strudelwürmern. Der Name Saugwürmer kommt auch nicht davon, dass die Würmer ihr "Opfer" aussaugen würden, sondern von der Tatsache, dass sie einen Saugnapf haben, mit dem sie sich auf dem Panzer von Krebstieren festhalten können.

Die Gattung dieser auf Garnelen aufsitzenden Saugwürmer heißt Scutariella, und die Würmer gehören wie die sogenannten Tylomelania-Egel oder die Krebsegel bei Cherax-Krebsen zu der Klasse der Temnocephaliden. Egel sind die beiden erwähnten Wurmarten übrigens auch nicht, sie heißen nur so.

Die in der Aquaristik gängigen Saugwürmer scheinen auf Neocaridina-Garnelen als Wirt spezialisiert zu sein, bei Bienengarnelen, Tigergarnelen, Amanogarnelen oder anderen Garnelenarten im Aquarium sieht man diese kleinen Würmchen nicht.

Scutariella-Saugwürmer werden bis ca. 2mm lang und haben am unteren Körperende einen Saugnapf. Am oberen Ende laufen sie in Y-Form aus - sie haben zwei mit der Lupe deutlich erkennbare breite Tentakel oder lappenartige Fortsätze am Kopfende. Ihre Farbe ist transparent weißlich bis weiß.

Von Glockentierchen kann man sie recht gut unterscheiden, weil sie nicht so fluffig daherkommen. Glockentierchen sehen aus wie ein transparenter Fusselfilm, während Saugwürmer deutlich unterscheidbare einzelne Stäbchen sind. Außerdem sitzen Glockentierchen unspezifisch auf dem Körper der Garnele, auf den Beinansätzen, auf der Oberfläche des Kopfpanzers, an den Fühlern, ... während Scutariella sehr spezifische Körperstellen auf den Zwerggarnelen bevorzugen.

Wo sitzen die Saugwürmer bei Garnelen?

Die meisten Scutariella-Arten sind harmlose Aufsitzer, die die Garnele lediglich als Unterlage zum Aufsitzen verwenden.

Einen starken Befall mit Saugwürmern erkennt man bei Garnelen als weißlichen "Bart" neben oder auf dem Rostrum, dem nach vorn ragenden Dorn, der zwischen den Augen der Garnele sitzt. Eher selten sitzen Saugwürmer auch zwischen den Beinen oder den Schwimmfüßen am Hinterleib, dort fallen sie jedoch kaum auf.

In der Kiemenkammer sitzen die Würmer auch gerne. Hier erkennt man einen Saugwurmbefall bei Garnelen nur bei relativ durchsichtigen Neocaridina-Farbvarianten wie Yellow Fire, Blue Jelly, White Pearl und nicht gut gefärbten Red Fire Zwerggarnelen. Hier sind die Saugnäpfe als weißliche Punkte zu erkennen, auch sieht man die Eier der Würmer als scharf abgegrenzte, etwas kleinere weiße Punkte.

Werden die Garnelen mit Wurmmitteln wie Panacur oder Flubenol gegen Saugwürmer behandelt, ist es möglich, dass die weißen Punkte weiterhin zu sehen sind, obwohl die Eier abgestorben sind und sich daraus nichts mehr entwickelt. Eventuell verkapseln die Garnelen die Eier im Gewebe, jedenfalls sind die Punkte auch nach einer Häutung weiterhin zu sehen. Aus ihnen entwickeln sich nach einer Behandlung mit diesen Medikamenten jedoch keine neuen Saugwürmer - der Befall bleibt jedoch sichtbar.

Wie pflanzen sich Saugwürmer fort?

Saugwürmer sind Zwitter, das heißt, ein einzelner Wurm hat sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane. Nach der Paarung legen Scutariella ihre Eikokons an den Kiemenblättchen oder auf der Innenseite des Panzers der Kiemenhöhle der Garnele ab. Je nach Temperatur schlüpfen die jungen Würmer nach ca. zwei Wochen.

Was fressen Saugwürmer?

Die meisten Saugwürmer bei Neocaridina Garnelen im Aquarium sind sogenannte Ektosymbionten, die einfach auf der Garnele leben - sie sind Kommensalen, unschädliche Aufsitzer. Diese Saugwurmarten leben von feinen Schwebeteilchen, die von den Garnelen beim Fressen aufgewirbelt werden. Im Atemwasserstrom der Kiemen befinden sich viele dieser feinen Detritus-Schwebstoffe, und die Saugwürmer finden daher in dem Wasser, das die Garnele an ihren Kiemen vorbeistrudelt, sehr viel Nahrung.

Auch der Platz auf dem Rostrum ist ein Platz am Kalten Büffet für die Würmer. Hier gelangen sie ganz besonders gut an die vom Fressen aufgewirbelten Futterteilchen. Des weiteren ernähren sich die Scutariella wie andere Temnocephaliden auch von Mikroorganismen, die auf dem Panzer der Garnelen wachsen - sie halten ihn dadurch sogar sauber.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich Garnelen durch Saugwürmer gestört fühlen könnten. Sie zeigen keine Verhaltensunterschiede im Vergleich zu Zwerggarnelen ohne Saugwurmbefall.

Leider gibt es aber auch Untersuchungen, die zeigen, dass manche Arten von Saugwürmern parasitisch leben und Blut saugen. Bisher scheinen dies jedoch nur sehr wenige Arten zu sein, in der Regel kann man einen Befall mit Saugwürmern bei Garnelen im Aquarium als eher harmlos einstufen.

Selbst die parasitisch lebenden Saugwürmer bedrohen das Leben der Garnelen nicht unmittelbar. Wenn die Garnele stark befallen ist, kann sie jedoch geschwächt werden.

Andererseits vermehren sich Saugwürmer als Schwächeparasiten im allgemeinen gzm1nur dann stark, wenn das Abwehrsystem der Garnelen durch Stress, Transport oder Krankheiten geschwächt ist - man weiß also nicht genau, was Ursache und was Folge ist. Ungünstige Haltungsbedingungen, einseitige Fütterung und Stress zusammen mit einem Saugwurmbefall können zu einer erhöhten Sterberate führen. Auch kann es vorkommen, dass stark befallene Tiere sich weniger gut vermehren.

Wie bewegen sich Saugwürmer?

Saugwürmer halten sich mit ihrem Saugnapf auf dem Panzer der Garnele fest. Sie wedeln mit dem Vorderkörper im Wasser hin und her, um so noch mehr feine Schwebeteilchen als Nahrung abzugreifen. Saugwürmer können jedoch auch ihren Standort wechseln, was sie aktiv hin und wieder auch tun. Dazu kriechen sie wie eine Spannerraupe - der Kopf biegt sich zum Boden, der Wurm hält sich mit dem Vorderende fest, lässt mit seinem Saugnapf los, zieht den Hinterkörper nach und hält sich mit dem Saugnapf wieder fest. So kommen sie langsam voran. Wenn sich ihr Wirt gehäutet hat, kriechen sie aus der leeren Exuvie und suchen nach einem neuen Wirt.

Woher kommen Saugwürmer?

Saugwürmer holt man sich fast immer als Beifahrer von Garnelen ins Aquarium. Bei vielen Garnelen ist der Befall nur minimal, sodass man die Würmer fast nicht entdecken kann. Wirklich gut sieht man die ausgewachsenen weißen Würmer nur, wenn sie zu mehreren auf dem Rostrum sitzen. In der Kiemenkammer von durchsichtigen Varianten wie Blue Jelly, Yellow Fire, White Pearl oder anderen nicht so gut und deckend gefärbten Neocaridina kann man sie relativ einfach entdecken, jedoch hat man bei gut gefärbten Varianten hier einfach keine Chance. Selten können Saugwürmer übrigens auch mit Deko oder mit Pflanzen eingeschleppt werden, wenn sie gerade auf der Suche nach einem neuen Wirt durchs Aquarium kriechen - dies ist jedoch nur ganz selten der Fall.

Muss man Saugwürmer bekämpfen, und wenn ja, wie?

Man kann leider ohne Mikroskop nicht sicher sagen, ob man parasitische Würmer vor sich aht oder nicht. Zur Sicherheit entscheiden sich daher die meisten Garnelenhalter dafür, die Saugwürmer auf ihren Neocaridina prophylaktisch zu bekämpfen.

Zwar helfen Wurmmittel aus dem Veterinärbereich wie Panacur, Flubenol und praziquantel- oder rafoxanidhaltige Präparate auch gegen Saugwürmer, jedoch kann die unsachgemäße Verwendung Resistenzen fördern - und zwar nicht nur bei den Saugwürmern, sondern auch bei vielen anderen Wurmarten im Aquarium und in der Natur. Im Hobby hat sich eine viel unbedenklichere Methode durchgesetzt, die wir hier vorstellen möchten.

Saugwürmer durch eine Salzbehandlung bekämpfen

Ganz normales Kochsalz, also Natriumchlorid, bewirkt, dass die Saugwürmer ihren Wirt loslassen und betäubt zu Boden fallen. Dabei kann man die Salzbehandlung gegen Saugwürmer im laufenden Aquarium durchführen, oder einzelne befallene Garnelen gezielt in ein Salzbad setzen. Die zweite Vorgehensweise empfiehlt sich besonders dann, wenn man Fische mit im Garnelenaquarium hat, die Kochsalz nicht gut vertragen, wie zum Beispiel Welse - oder Pflanzen im Aquarium pflegt, die nicht salztolerant sind.

Im Aquarium

Im Aquarium wird eine Salzbehandlung gegen Saugwürmer bei Neocaridina Garnelen mit reinem Kochsalz (Natriumchlorid, NaCl) durchgeführt - wir verwenden auf keinen Fall Jodsalz, auch kein Jodsalz mit Flour oder Folsäure, kein Meersalz, und kein Kochsalz mit Rieselmittel. Spülmaschinensalz hat sich in vielen Fällen bewährt, weil es sich hier in der Regel um reines Siedesalz handelt. 3-5 g Kochsalz werden pro Liter Aquarieninhalt dosiert. Die Salzmenge wird ins Aquarium gegeben. Hat man weiches Wasser, gibt man 3 Gramm, in hartem Wasser kann man bis zur Obergrenze von 5 Gramm gehen. Eine Erhöhung der Temperatur im Aquarium auf ca. 25-28 °C hat sich während der Salzbehandlung als hilfreich erwiesen. Bite bringen Sie einen Sprudelstein oder einen Oxydator im Aquarium unter und sorgen Sie so für zusätzlichen Sauerstoff während der Behandlung!

Das Salz kann so lange im Aquarium bleiben, bis keine Saugwürmer mehr zu sehen sind. Beim Wasserwechsel wird entsprechend nachdosiert.

Ist die kurweise Salzbehandlung abgeschlossen und die Saugwürmer sind verschwunden, dosiert man einfach nach dem Wasserwechsel kein neues Salz nach, sodass die Salzmenge im Aquarium nach und nach reduziert wird.

Zeigen die Bewohner im Aquarium durch ungewöhnliches Verhalten, dass es Probleme während der Salzbehandlung gibt, muss man sofort einen sehr großen Wasserwechsel machen. In diesem Fall wird natürlich kein neues Salz nachdosiert.

Salzbad

Wenn nicht viele Garnelen Saugwürmer haben oder wenn im Aquarium Fische oder Wasserpflanzen gehalten werden, die kein Salz vertragen, ist ein Salzbad für die befallenen Garnelen eine Alternative. Dazu gibt man in einen Extrabehälter einen Liter Wasser aus dem Aquarium, in dem die Garnelen leben. Dann rührt man in Weichwasser 2 Teelöffel und in Hartwasser 3 Teelöffel reines Kochsalz (zum Beispiel Spülmaschinensalz) ein und wartet, bis sich das Natriumchlorid vollständig aufgelöst hat. In dieses Salzbad setzt man alle mit Saugwürmern befallenen Garnelen ein und lässt sie für ungefähr 10 bis 20 Minuten im Salzwasser. Bitte halten Sie während der Behandlung Ihre Garnelen unter ständiger Beobachtung. Zeigen sie Probleme wie Taumeln, Umfallen oder versuchen sie, fluchtartig das Gefäß zu verlassen, brechen Sie bitte die Behandlung sofort ab und setzen Sie die Tiere zurück ins Aquarium. Im Salzbad lassen die Saugwürmer los und bleiben auf dem Boden des Gefäßes liegen. In hellen Gefäßen sehen Sie die abgefallenen Würmer weniger gut als auf dunklem Grund.

Das Salzbad sollte nach einer Woche nochmals durchgeführt werden, damit junge Saugwürmer, die in der Zwischenzeit aus den Eiern geschlüpft sind, ebenfalls erwischt werden.

Zusätzliche Maßnahmen zur Unterstützung bei einer Salzbehandlung

Wie oben bereits gesagt, sind Saugwürmer eigentlich Schwächeparasiten. Bei einem Befall sollten daher die Behandlungen immer unterstützt werden, damit die Würmer nicht wiederkommen. Stressvermeidung und Stressreduzierung für die Garnelen sollte dabei an vorderster Stelle stehen. Die Tiere brauchen Ruhe, und ständiges Umdekorieren und Neugestalten kann sie stark belasten und stressen. Auch sind permanente Bestandskontrollen nicht zielführend - es ist ganz normal, dass sich Garnelen verstecken, und dass man nicht immer alle sieht. Keinesfalls sollte man ständig im Aquarium herumstöbern, um zu schauen, ob noch alle Garnelen da sind. Eine hohe Bakterienzahl im Wasser kann Zwerggarnelen ebenfalls stark stressen und ihr Immunsystem belasten. Regelmäßige Wasserwechsel mit angepasstem Wasser, Absaugen des Bodengrundes und sinnvolle, nicht zu üppige Fütterung mit einem hochwertigen Garnelenfutter können hier wahre Wunder wirken. Auch Huminstoffe spielen eine wichtige Rolle dabei, ob sich Garnelen im Aquarium wohl fühlen - sie können die Keimdichte senken, die Häutung der Garnelen unterstützen und das Wasser insgesamt biotopgerecht machen. Ausreichend Sauerstoff durch einen Oxydator oder einen Sprudelstein können ebenfalls ausschlaggebend zur Stressreduzierung sein. Alles in allem sind alle diese Maßnahmen ohnehin für die Gesunderhaltung der Garnelen im Aquarium sinnvoll - dass sie auch noch bei einem Saugwurmbefall unterstützen und helfen können, ist ein zusätzliches Extra.

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