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Der Osmotische Schock bei Garnelen

Scrollt man durch Foren und die Sozialen Medien, liest man häufig von plötzlichem Garnelensterben bei Neuankömmlingen oder anderen auftauchenden Krankheiten kurz nach dem Einsetzen und stolpert irgendwann auch über den sogenannten osmotischen Schock, den wir bereits in unserem Artikel über Plötzliches Garnelensterben behandelt haben.

Wer kann einem Osmotischen Schock erliegen?

Prinzipiell: alle Aquarienbewohner. Auch wenn wir hier vorzugsweise auf Garnelen eingehen , können natürlich genauso gut Fische und andere aquatile Lebewesen einen osmotischen Schock erleiden, deswegen gilt auch für sie: vorsichtig eingewöhnen und an die Wasserwerte anpassen ist oberstes Gebot. Überschüsse werden über den Urin und die Nieren ausgeschieden, womit fast auch die Frage geklärt wäre, ob Fische pinkeln können und warum die Wasserhygiene im Aquarium so wichtig ist.

Bei Aquarianern mit mehreren Aquarien, die vor allem unterschiedliche Garnelen pflegen, die entweder Weich- oder Hartwasser bevorzugen, ist es schon vorgekommen, dass Garnelen von einem Aquarium ins andere gesprungen (oder geklettert) sind, die eigentlich mit den dort vorherrschenden Wasserwerten „so gar nicht können“ und trotzdem am Leben blieben. Auf irgendeine Art und Weise konnten diese Tiere ihren osmotischen Druck extrem schnell regulieren. Vorgekommen ist dies vor allem bei nicht oder nur unvollständig abgedeckten Aquarien. Trotzdem sollte dieses Phänomen kein Erlaubnisschein sein, Aquarienbewohner entgegen ihrer Ansprüche rasant in andere Wasserparameter umzusetzen. Möglich ist das langsame Umgewöhnen von Hart- auf Weichwasser und umgekehrt unter Berücksichtigung einiger Parameter unterm Strich dennoch, wenngleich dadurch aber möglicherweise Lebenserwartung und Zucht eher geringer ausfallen.

Osmotische Regulation bei Krebsen und Garnelen

Was aber geschieht bei der Osmoregulation? Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um die geregelte Fähigkeit, ein Gleichgewicht zwischen Auf- und Abnahme von Salzen durch Wasser zu regulieren. Dadurch wird der osmotische Druck in einem Körper reguliert, um ein zu viel oder zu wenig an Salzen und Wasser zu vermeiden. Aquatische Lebewesen, deren Körper einen höheren Gehalt an Salzen verfügt als ihr Lebensraum, passen sich daher unter Berücksichtigung ihres eigenen Salzhaushaltes grundsätzlich den vorherrschenden Parametern an und sind deswegen permanent mit regulieren beschäftigt. Würden sie diese Fähigkeit nicht beherrschen und umsetzen, könnte der Druck, der auf ihre Zellen lastet, diese zum platzen bringen.

Als sogenannte Osmoregulierer werden Tiere bezeichnet, zu denen auch Garnelen und Krebse zählen, die sowohl im Süß- aber auch im Brack- oder sogar Salzwasser vorkommen. In Abhängigkeit zu ihrer Umgebung müssen diese sich ständig anpassen, damit der osmotische Druck in ihrem Körper nicht zu hoch wird. Bei Garnelen funktioniert die Grüne Antennendrüse ähnlich einer Niere und ist daher zuständig für die Abgabe von Hormonen, Urin, aber auch anderen Stoffwechselendprodukte, die anderenfalls toxisch wirken würden. Die Osmolarität, also der aufrecht zu erhaltende Salzgehalt, ist bei Krebsen aus dem Süßwasser generell höher, daher nennt man sie auch hyperosmotische Regulierer. Im Gegensatz dazu sind Artemia beispielsweise hypoosmotische Regulierer, da sie grundsätzlich über einen niedrigeren Salzgehalt verfügen. Garnelen können hingegen beides sein, da sie unter anderem aus Gewässern mit unterschiedlich hoher Salzkonzentration stammen und sind daher in der Lage, über die Chlorid Zellen in ihren Kiemen die Salzauf- oder abnahme zu steuern.

Osmotischen Schock verhindern

Was aber passiert genau bei einem osmotischen Schock? Setzt man ein Wassertier plötzlich in eine neue Umgebung ein, beispielswiese von Hartwasser in Weichwasser, kann es sein, dass der vorherrschende Salzgehalt im Wasser geringer ausfällt als das Tier es vorher gewohnt war. Dadurch steigt der osmotische Druck in den Körperzellen und mehr Wasser durchdringt den Körper, den dieser ad hoc nicht „umstellen“ kann. Das kann nicht nur zu Schleimhautdefekten führen, sondern auch Blutkörperchen zerstören und sogar in Knorpel- und Gewebeschäden resultieren. Nicht immer sind diese sofort offensichtlich und können sich auch noch nach Wochen äußern. Das alles ist mit erhöhtem Stress verbunden, der wiederum einen Befall mit Parasiten, aber auch bakteriellen Infektionen begünstigen kann, da das Immunsystem der Tiere sprichwörtlich „einen Schlag“ abbekommen hat. Deswegen ist das umsichtige Einsetzen und Eingewöhnen neuer Tiere so essentiell wichtig.

Tiere mit der Tröpfchenmethode eingewöhnen

Bei Garnelen, vor allem bei Hochzuchten, die dann doch etwas anspruchsvoller und empfindlicher sind, hat sich das Eintropfen als Anpassungsmethode bewährt, da bereits winzige Unterschiede in massivem Stress für die Tiere resultieren könnten. Aber auch für andere ist es empfehlenswert und lässt sich daher auch bei Fischen, Krebsen und einigen Schnecken anwenden.

Nach Eintreffen der Tiere werden diese an die Zimmertemperatur gewöhnt. Dazu lässt man den Transportkarton am besten einfach stehen, öffnet aber die Transportbeutel, damit frischer Sauerstoff ins Wasser gelangen kann. Im Winter kann das sogar etwas länger dauern, manchmal sind die Tiere auch in eine Kältestarre gefallen und sehen dabei beinahe schon verstorben aus, da sie sich nicht bewegen.  In diesem Fall ist Geduld gefragt, denn würde man diesen Beutel auf die Heizung oder aufs Aquarienwasser legen, könnte es sein, dass die Tiere durch den plötzlichen Temperaturunterscheid zusätzlich geschädigt werden. Anschließend leert man den Transportbeutel vorsichtig in einen zuvor gut ausgespülten Eimer, möglichst mit Deckel, da es sein kann, dass die Garnelen springen. Bei Krebsen sollte man deren Fähigkeit zu klettern und ihre Kraft, auch lose aufgelegte Deckel wegschieben zu können, nicht unterschätzen, ggf. beschwert man den aufliegenden Deckel mit einem schweren Buch.

Schneckenbalkon

Gut achten sollte man auch darauf, dass keine Tiere im Beutel hängen geblieben sind. Mit einem Eingewöhnungs-Set, wie wir es auch im Shop führen, lässt sich nun das Aquarienwasser prima anpassen. Dabei wird eine Seite des Schlauches am Aquarium fixiert, sodass es ins Wasser zeigt, die andere in den Eimer gegeben. Dann wird der Schlauch angesogen, sodass das Wasser zu fließen beginnt. Mit dem Regelventil kann die Durchflussmenge gesteuert werden, sodass die neuen Mitbewohner tropfenweise ans Aquarienwasser angeglichen werden. Je nach Ausgangs- oder Transportwasser sollte der Vorgang lange und langsam genug durchgeführt werden, bis sich mindestens die Wassermenge des Transportwassers im Eimer verdoppelt hat. Das kann durchaus einem Tropfen pro 1 oder 2 Sekunden entsprechend. Geduld und Umsichtigkeit sind auch hier gefragt. Anschließend werden die Tiere vorsichtig mit einem Kescher eingefangen und ins Aquarium eingesetzt. Das Eintropfwasser im Eimer wird entsorgt, aber niemals ins Aquarium geschüttet. Werden aquatile Lebewesen auf diese Weise eingewöhnt, lässt sich der entstehende Stress gut minimieren, sodass diese sich einfacher adaptieren und auch Folgeschäden reduziert werden können. Auch für Aquarienschnecken, die über kein Operculum, also einen Deckel am Fuß, verfügen, ist diese Methode gut geeignet, dazu zählen zum Beispiel auch Posthornschnecken.  Andere Arten hingegen, die sich fest zudeckeln können, sollten aber eher mit einem Schneckenbalkon, wie wir ihn ihm Shop führen, eingewöhnt werden, damit auch diese keinem Schock erliegen. Eintropfen wäre bei diesen eher unnütz, da sie fest eingedeckelt den Umgewöhnungsprozess gar nicht mitbekämen und dann durch den unterschiedlichen Salzgehalt überrascht werden würden.  Empfehlenswert ist es auch, einen Wasserwechsel im Aquarium von 30-50 % zwei Tage vor dem Eintreffen der neuen Beckenbewohner durchzuführen, um die Keimdichte etwas zu reduzieren.

Mit ein wenig Geduld lassen sich die Neuankömmlinge prima ans Aquarium gewöhnen und Langzeitschäden effektiv vorbeugen. Auch wenn das neue Handling auf den ersten Blick umständlich klingt, ist es unterm Strich aber höchst effektiv, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der neuen Mitbewohner zu erhalten.


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