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Warum Weichwasser im Aquarium - und welche Möglichkeiten gibt es?

Inhaltsverzeichnis

 

Verschiedene Garnelenarten wie Bienengarnelen oder andere Caridina-Arten, Hochzuchten und Muster-Varianten (Taiwangarnelen, Galaxy Fishbone, Boas, Fancy Tiger und wie sie alle heißen) brauchen schon aufgrund ihrer Herkunft weiches Wasser im Aquarium. Auch viele Fische aus tropischen Gewässern fühlen sich sehr viel wohler in leicht saurem Wasser mit einem pH unter 7,5. Selbst viele Aquarienpflanzen aus den Tropen wachsen in Weichwasser besser als in hartem Wasser.

Leitungswasser und die passende Wasserhärte

Leider ist in den meisten Regionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Leitungswasser mittelhart bis hart - und damit deutlich zu mineralstoffreich für alle Weichwasser liebenden tierischen und pflanzlichen Aquarienbewohner. Insbesondere eine hohe Karbonathärte wird von Weichwassertieren nicht gut vertragen.

Andere Probleme beim Leitungswasser

Manches Leitungswasser mag zwar von den Härtegraden her halbwegs passen, es ist jedoch in anderer Hinsicht nicht für einen Einsatz im Aquarium geeignet, weil es zum Beispiel für Garnelen zu viel Nitrat enthält. Insbesondere in stark landwirtschaftlich genutzten Regionen stellt dies ein echtes Problem für die Wirbellosenaquaristik dar. Zu viel Nitrat kann nicht nur zu Algenplagen im Aquarium führen, sondern bei Garnelen für Häutungsprobleme verantwortlich sein.

Dazu kommt, dass Leitungswasser bei manchen Wasserversorgern in wechselnden Anteilen aus unterschiedlichen Quellen gemischt wird, weshalb die Wasserwerte übers Jahr schwanken können - auch diese schwankenden Parameter sind für empfindliche Hochzuchtgarnelen ein großes Problem und können zu Häutungsproblemen oder erhöhter Krankheitsanfälligkeit führen.

Gerade Garnelenhalter, die Leitungswasser nutzen, erleben hin und wieder eine böse Überraschung, wenn der Wasserversorger das Leitungswasser wegen erhöhter Keimzahlen chlort oder mit kolloidalem Silber gegen die Bakterienbelastung behandelt. Diese Stoffe wirken auf Garnelen extrem giftig. Chlor ist auch für Aquarienfische in entsprechender Konzentration tödlich und kann sogar die Aquarienpflanzen schädigen.

Alternativen zu Leitungswasser

Viele Aquarianer möchten deshalb gerne in ihren Becken auf Leitungswasser verzichten. Dazu wird in der Regel im Aquarium ein sogenanntes Nullwasser verwendet, also mehr oder weniger reines H2O ohne größere Beimischungen von Mineralstoffen oder anderen Substanzen. Der Knackpunkt besteht hier jedoch in der Mineralstoffversorgung im Aquarium, die trotzdem sichergestellt werden muss. Nicht nur die Aquarienpflanzen, sondern auch die Bakterien im Aquarium sind auf eine gute Versorgung mit Mineralstoffen zwingend angewiesen, damit ihr Stoffwechsel reibungslos funktionieren kann. Nur so können Schadstoffe im Aquarium effektiv abgebaut werden - eine Haltung in reinem Nullwasser ist daher nicht zielführend.

Eine solche Versorgung mit Mineralstoffen kann man mit dem gezielten Verschneiden von Leitungswasser mit Nullwasser erzielen oder aber durch Remineralisierung des Nullwassers. Im zweiten Fall ist das Leitungswasser dann vollständig aus dem Rennen.

Verschneiden

Das Verschneiden von Leitungswasser mit Nullwasser kann funktionieren, jedoch müssen die entsprechenden Wasserwerte im Leitungswasser dann schon in einem passenden Verhältnis vorliegen.

Beispiel: Habe ich in meinem Leitungswasser eine GH von 12 und eine KH von 6, kann ich es 1:1 mit Nullwasser mischen und erhalte dann eine Halbierung der Wasserhärte. Für Garnelen oder Fische, die mit einer GH von 6 und einer KH von 3 gut klarkommen, kann dies eine gute Wahl sein. Allerdings schützt das Verschneiden nicht vor Chlor oder Silber im Leitungswasser - hier sind auch halbe Konzentrationen schon potentiell tödlich, weil wenige Mikrogramm ausreichen, um Garnelen zu vergiften.

Passt das Verhältnis der Parameter im Leitungswasser dagegen nicht zusammen - oder möchte man andere Stoffe im Leitungswasser wie Nitrat, Chlor oder Schwermetalle ganz sicher eliminieren -, ist das Verschneiden des Leitungswassers keine wirklich gute Möglichkeit.

Mineralsalz als Alternative zum Verschneiden

Dann bleibt als Alternative die Verwendung von Nullwasser, das mit einem Mineralsalz remineralisiert wird. So bringt man das Wasser auf Werte, die für die Aquarienbewohner optimal sind. Diese Methode hat den großen Vorteil, dass man damit alles genau kontrollieren kann, was über das Wasser ins Aquarium kommt. Beimischungen von Schwermetallen wie Kupfer oder Silber, Chlor, Nitrat oder auch Medikamentenreste oder Hormone, die im Leitungswasser hin und wieder nachweisbar sein können, sind beim Aufsalzen sehr sicher ausgeschlossen. Diese speziellen Mineralsalze fürs Aquarium sind nicht zu verwechseln mit Meersalz!

Will man nur die Gesamthärte anheben (zum Beispiel für Garnelenaquarien mit Caridina-Garnelen aus Biotopen mit Weichwasser oder für Weichwasserfische wie Diskus, südamerikanische Buntbarsche oder Salmler), wählt man ein GH+ Salz, entweder für Fische (oft auch Diskussalz genannt) oder für Garnelen (auch als Bienensalz bekannt). Hier wird nur die Gesamthärte erhöht, während die Karbonathärte mehr oder weniger bei Null bleibt. Zudem sind diesen Mineralsalzen die notwendigen Spurenelemente beigemischt, die die Wasserpflanzen und die nützlichen Mikroorganismen im Aquarium benötigen.

Wer neben der Gesamthärte auch die Karbonathärte erhöhen möchte, wählt ein GH/KH+ Salz, das dementsprechend auch Verbindungen enthält, die die Karbonathärte erhöhen - oft auch Neocaridina-Salz oder einfach Aquariensalz genannt.

Die Verwendung von Mineralsalz

Das Anmischen von aufbereitetem Nullwasser mit Mineralsalz ist in der Regel äußerst unproblematisch. Die entsprechenden Menge der festen oder flüssigen Mineralsalzmischung wird abgemessen und in einen Eimer oder eine Gießkanne mit Nullwasser gegeben. Umrühren, fertig. Wenn sich das Salz nicht ganz auflösen sollte, werden die ungelösten Reste beim Wasserwechsel ebenfalls mit ins Aquarium gegeben - sie lösen sich dann schon noch. Angemischt wird das frische Wechselwasser immer außerhalb des Aquariums, weil man dann eventuelle Dosierungsfehler noch ausgleichen kann. Wer sich nicht alleine auf die Mengenangaben der Hersteller der Mineralsalze verlassen möchte, kann mit einem Leitwertmessgerät nachmessen, ob die Werte so passen. Dann wird ein ganz normaler Wasserwechsel durchgeführt und das Frischwasser einfach ins Aquarium gegeben.

Wie wird Nullwasser hergestellt?

In der Aquaristik kennen wir verschiedene Wege, das sogenannte Nullwasser herzustellen. Die meisten sind auch in kleinen Haushalten sehr gut praktikabel, und es gibt mittlerweile gerade für die Nanoaquaristik sehr praxistaugliche Lösungen. Wir gehen in separaten Artikeln auf die einzelnen Möglichkeiten und ihre Handhabung ein, weil diese Auflistungen hier den Rahmen sprengen würden. Im Aquarium haben sich die folgenden Alternativen zum Leitungswasser bewährt:

  • Osmosewasser aus einer Osmoseanlage - zum entsprechenden Artikel geht es hier entlang
  • vollentsalztes Wasser aus einem VE oder Vollentsalzer - zum entsprechenden Blog bitte hier entlang
  • Regenwasser, das entsprechend aufbereitet wird - wie, das erklären wir hier

Wer nur ein Nano mit Nullwasser versorgen möchte, kann übrigens auch jederzeit entweder im Zoofachhandel Osmosewasser in Kanistern kaufen oder auf vollentsalztes Wasser aus dem Baumarkt oder Supermarkt zurückgreifen - auch als "destilliertes Wasser" oder Desti-Wasser bekannt. Hier sollten Sie jedoch unbedingt darauf achten, dass die Kanister mit einem kleinen Aquariensymbol gekennzeichnet sind - nur dann eignet sich das Wasser auch wirklich zur Verwendung im Aquarium.


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