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Die wirbellose Algenpolizei - Garnelen und Schnecken als Aufräumtruppe

Inhaltsverzeichnis

Garnelen und Schnecken werden oft als Algenfresser genannt, hier eine gelbe Form der Rückenstrichgarnele (Neocaridina davidi) und Posthornschnecken (Planorbarius corneus).

Leider fressen nicht alle Schnecken und alle Garnelen auch alle Algen, daher sind je nach Problemstellung Enttäuschungen vorprogrammiert. Was die Resteverwerter aber exzellent können, ist Algenvermeidung. Häufig sind Algen die Folge von Nährstoffspitzen im Aquarium, und weil Garnelen und Schnecken sich sehr gerne um Futterreste kümmern, stehen diese Nährstoffe dann schon den Algen nicht mehr zur Verfügung. Der Putztrupp hat also durchaus seinen Sinn, auch wenn nicht alle Algen gerne gefressen werden.

 

Höhere Algen wie diese Pinselalgen, die zu den Rotalgen gehören, können die kleinen Scherenträger (Neocaridina davidi) nicht fressen.

Zwerg- und Amanogarnelen

Als Aufwuchsfresser ernähren sich Zwerggarnelen aus den Gattungen Neocaridina, Paracaridina und Caridina grundsätzlich von allem, was sich im Aquarium auf Oberflächen bildet – dazu gehören auch junge Algen und dünne Algenfilme. Gegen harte Beläge und höhere Algen wie Pinsel- und Bartalgen, Faden-, Fussel- oder Pelzalgen richten ihre kleinen Scheren dagegen nichts aus. Zur Algenprävention eignen sich Zwerggarnelen also durchaus, zur Algenbekämpfung dagegen eher weniger.

Eine Ausnahme bilden hier allerdings Amanogarnelen. Sie gelten als „Wunderwaffe“ gegen Fadenalgen und knabbern mit großen Enthusiasmus an den grünen Strähnen. Besonders effektiv sind vor allem die jüngeren Exemplare. Bartalgen und andere Rotalgen werden dagegen nicht gern gefressen, lediglich abgestorbene Exemplare knuspern sie weg.

 

Zwerggarnelen sind Aufwuchsfresser und ernähren sich daher auch von Algen, hier die Hummelgarnele (Caridina breviata).

Von Posthorn- bis Pianoschnecke

Die kleineren Aquarienschnecken fressen ebenso wie Zwerggarnelen nur feinste Algenfilme, keine höheren oder gar harten Algen. Ihre Fraßspuren an der Aquarienscheibe sind typisch.

Aquarienschnecken aus der Familie der Nixenschnecken (Rennschnecken, Napfschnecken und Geweihschnecken) sind exzellente Aufwuchsfresser und raspeln dünne Algenbeläge auf den Aquarienscheiben und auf der Deko mit der Zeit sehr effektiv weg. Sie werden gerne als „Algenfresser“ verkauft, aber auch sie verschmähen harte und gröber strukturierte Algen. In stark veralgten Aquarien hinterlassen Rennschnecken die typischen Fraßspuren. Wunder darf man aber auch von ihnen nicht erwarten, die Scheiben werden nicht über Nacht blitzblank geputzt.

Sie werden auch Pinselalgenschnecken genannt, aber der Name täuscht. Wenngleich sehr junge Pinselalgen eventuell angeknabbert werden, so sind ältere, härtere Bestände vor der Pianoschnecke weitgehend sicher. Ihre Raspelzunge ist nicht hart genug, als dass sie diese bewältigen könnte.


Posthornschnecken raspeln an den Algenfilmen wie sie sich an den Aquarienscheiben bilden.


Amanogarnelen (Caridina multidentata) gelten als Wunderwaffe gegen Fadenalgen.


Obwohl sie auch Pinselalgenschnecke genannt wird, kann diese Gastropode größere Bestände auch nicht knacken. Foto: Alexandra Behrendt

INFOBOX: Vorbeugen ist besser als Bekämpfen

Bei Algenproblemen sollte man sich immer auf die Suche nach der Ursache machen, statt sich auf Algenfresser zu verlassen. Meist liegt ein Algenbefall an einem Ungleichgewicht von Düngung, Licht und CO2, das die Aquarienpflanzen schwächt und den Algen in die Karten spielt. Die Algenfresser können die Maßnahmen allerdings unterstützen. Vorsicht: Die meisten Anti-Algenmittel sind kupferhaltig und damit für andere Pflanzen, Garnelen und Schnecken sehr giftig.

 
Wenn alles schon derart veralgt ist, helfen auch Garnelen und Schnecken nicht mehr weiter, dann muss an der Ursache gedreht werden. Foto: Bernd Kaufmann

Algen fressbar machen

Bartalgen, Pinselalgen und andere Rotalgen sind hart und werden nur sehr ungern gefressen. Besprüht man sie im Aquarium gezielt mit einem auf Glutaraldehyd basierenden Algenmittel oder mit höher konzentriertem Wasserstoffperoxid, sterben sie jedoch ab und werden weicher. Dieser Reste nehmen sich dann die wirbellosen „Algenfresser“ gerne an.


Rennschnecken (Neritina sp.) sind exzellente Aurwuchsfresser, aber blitzblank über Nacht wird es auch hier nicht.

 

Text: Ulli Bauer, Fotos: Oliver Mengedoht


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