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Die Darmatmung bei Fischen

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„Achte darauf, dass die Wasseroberfläche immer frei zugänglich ist, denn deine Fische sind Darmatmer und suchen diese mehrfach am Tag auf.“ Ungefähr so schreiben wir es in unsere Steckbriefe, um dir einen Hinweis zu geben, dass deine Panzerwelse zum Beispiel ein paar Special Effects auf Lager haben, die du berücksichtigen solltest. Hier erklären wir dir, vereinfacht, was es damit auf sich hat.

 Foto: Stock-Fotografie-ID:157675122

Welche Fische sind Darmatmer?

Panzerwelse, auch Corydoras genannt, sind wohl die bekanntesten Darmatmer, die wir in der Aquaristik kennen. Daneben gibt es aber auch noch weitere, die man eher selten im Aquarium sieht. Dazu zählt zum Beispiel der Europäische Schlammpeitzger, der Steinpeitzger und der Steinbeißer.

Aber auch die Seegurke kann über die Kloake Wasser aufnehmen und über Darmblindsäcke, die auch Wasserlungen genannt werden, pressen, in denen dann der Gasaustausch stattfindet.

Aber nicht nur Fische gehören dazu, auch einige Libellenlarven machen sich diese Form der Sauerstoffaufnahme zu Eigen, sie verfügen über Darmkiemen im Enddarm.  Selbst dein Fischfutter, wenn du denn Tubifex verfütterst, ist dazu in der Lage, denn man nimmt an, dass dieser, wenn er mit dem Vorderkörper im Mulm steckt, dass der durch einen Cilienschlag hervorgerufene Wasserstrom, der durch den After in den Enddarm führt, aller Voraussicht nach zum Atmen gedacht ist.

 

Wie funktioniert die Darmatmung?

Die Darmatmung ist eine eher seltene Variante der Sauerstoffaufnahme. Hierbei wird, vereinfacht ausgedrückt, der Sauerstoff über das Schleimhautepithel des Enddarms aufgenommen. Dabei wird Luft mit dem Maul geschluckt und über die Darmpassage des Afters wieder abgegeben. Deswegen besitzen Darmatmer einen darmzottenlosen hinteren Mitteldarmabschnitt, der eine gute Blutversorgung mit sehr dünnhäutigen Epithelzellen aufweist.

Diese Form des Überlebens haben einige Fischarten ausgebildet, die aus unwirklichen Habitaten stammen, in denen der gelöste Sauerstoff im Wasser häufig Mangelware war und ist. Meist stammen diese Fische aus von Hitze- oder Trockenperioden bedrohte Gebiete und sind so in der Lage zu überleben, während andere Mitfische längst den Dienst quittiert haben.

 

Wenn Darmatmer Wetterfrösche werden

Der Schlammbeißer ist mit seiner Darmatmung seinerzeit in den Fokus gerückt, denn er kann Unwetter geradezu vorhersagen. Merkt er, dass eine Gewitterfront im Anmarsch ist, beginnt er vermehrt, Sauerstoff aufzunehmen, den er verbraucht in Form von Bläschen über seinen Po wieder ans Wasser abgibt. Auf diese Weise umgeht er der drohenden Sauerstoffknappheit im Wasser, die ein warmer Regeschauer mit sich bringt.

Interessanterweise neigen auch Corys in ihren Habitaten dazu, nicht wie im Aquarium einzeln an die Wasseroberfläche zu schwimmen, sondern im Schwarm aufzutauchen und wieder abzusteigen. Auf diese Weise dient ihnen ihre Gruppenstärke auch noch als Schutz gegen Räuber.

 

Zum guten Schluss

Fische sind durchaus interessante Geschöpfe, die sich im Laufe der Evolution an die unwirklichsten Gegebenheiten anpassen konnten. Das Atmen mit dem Hintern ist dabei nur eine der kuriosen Sachen, die sie sich angeeignet haben, deswegen wird sie auch spezialisierte Respiration genannt. Wenn du also nächstes Mal so richtig auf den Putz hauen und sicherstellen willst, dass dir deine Zuhörer (und vielleicht auch der eine oder andere Lacher) sicher sind: erzähle doch mal etwas von deinen Corys!


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