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XXl Blog: Betta splendens - Kampffische im Aquarium

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1.    Ursprünge und Herkunft

2.    Haltung und Aquarieneinrichtung
2.1 Die Haltung in der Verkaufsanlage

3.    Vergesellschaftung
3.1 Vergesellschaftung mit Wirbellosen
3.2 Begleitfauna im Kampffischaquarium
3.3 Vergesellschaftung mit Fischen

4.    Futter

5.   Geschlechterbestimmung und Zucht

5.1 Die Geschlechter beim Kampffisch
5.2 Züchten von Kampffischen
5.3 Vorbereiten und Laichakt
5.4 Aufzucht und Trennen der Jungfische

6.    Genetik

6.1 Mutationen als Grundlage

7.   Charakter & Verhalten
7.1 Kampfische dressieren- geht das?
7.2 Handzahm und Anstupsen
7.3 Vibrationen und Klopfen
7.4 Springen
7.5 Farben erkennen
7.6 Spiegeltraining- Sinn oder Unsinn?

8.    Besonderheiten
8.1 Labyrinthorgan
8.2 Alterserwartung von Kampffischen
8.3 Der Marble Effekt – ein bloßer Mythos ?
8.3.1 Entstehung des Marble-Effekt
8.4  Curly – wenn Kampffische die Flossen verdrehen
8.5  Alien-Eyes bei Dragon und Copper

9.  Farbformen
9.1 Farbgene
9.2 Zeichnungsgene
9.3 Farbkombinationen mit eigenständigen Bezeichnungen und sonstigen Farben

 

 

 

 

1. Ursprünge und Herkunft

Mit ihren farbenfrohen Flossen, ihrem eigentümlichen Charakter und der sehr einfachen Haltungsansprüche erfreuen sich Kampffische seit jeher großer Beliebtheit. Der Betta splendens stammt dabei ursprünglich aus sauerstoffarmen Gewässern asiatischer Reisanbaugebiete, sowie stehender und langsam fließender Süßgewässer vor den Inseln um Bali bis nach Indonesien über die malaiische Halbinsel nach Laos, Vietnam, Myanmar, Thailand und Kambodscha.

Die Faszination für Kampffische liegt weiter zurück, als man womöglich annehmen würde und in der asiatischen Geschichte entdecken wir sogar, dass der Betta splendens zeitweise als Statussymbol galt, für dessen Erfolg im Kampf teilweise Frau, Hof und Hund verwettet wurden und derjenige mit einem herausragendem „Kämpfer“ ebenso eine entsprechende Stellung in der Gesellschaft genießen konnte. Auch gibt es Berichte aus dem Jahr 1860, in dem spielende Kinder entdeckten, dass die Kampffischmännchen gegeneinander kämpften. Kurzerhand fingen sie die Tiere ein und ließen sie in ihrem jugendlichen Leichtsinn gegeneinander antreten: Kein Wunder also, dass dieses „Haustier“ selbst in Königshäusern Einzug hielt und vor allem hinsichtlich seiner Aggression, seines Körperbaus und einer entsprechenden Kurzflossigkeit gezüchtet wurde. Denn nur sehr wendige und angriffslustige Fische waren imstande, im Kampf länger durchzuhalten und den Gegner außer Gefecht zu setzen.

Vor allem den Europäern, aber auch der USA ist es zu verdanken, dass der Betta splendens seinen Weg in die ganze Welt gefunden hat, denn diese entdeckten die Kampffischtradition in Thailand und importierten die Tiere daraufhin in ihre Heimat. Zu damaligen Verhältnissen gestaltete sich ein solcher Import noch extrem aufwändig- die ersten Bettas gelangten, in feuchte Baumwolltücher gewickelt und monatelang von Singapur aus auf dem Schiffsweg unterwegs, 1890 in die USA und von dort aus weiter nach Europa.

Diese ursprünglichen Kampffische waren damals kurzflossig und weniger coloriert, beinahe schon camouflage-farben und damit perfekt an ihre Umgebung angepasst. Die Haltung in Gefangenschaft ließ die Tiere aber mehr und mehr Farben aufzeigen, sodass diese durch intensive Selektion heraus  gezüchtet  wurden. Erst danach wurden an neuen Flossenformen gearbeitet. Besonders hervorzuheben ist dabei Walden Young aus den Staaten, der erstmals selektiv und in Linien züchtete. Sein Hauptaugenmerk lag dabei besonders auf der Größe und der Beflossung. Interessanterweise importierten die Asiaten diese „neuen“ Kampffische irgendwann wieder zurück nach Asien und züchteten sie ebenfalls. 1966 formten sich enthusiastische Kampffischzüchter zudem zur allerersten Vereinigung, der IBC, zusammen, die noch heute existiert. In den ´80er Jahren entstanden die ersten Kampfisch-Wettbewerbe, bei denen neue und herausragende Zuchtformen prämiert wurden.

Die meisten importierten Kampffische, die heutzutage im Handel sind, stammen aus Thailand, Bangkok, Jakarta, Indonesien und teilweise von den Philippinen - denn dort herrschen ganzjährig perfekte Wetter-Bedingungen, um sie in Großteichen kommerziell zu züchten. Unter diesen Voraussetzungen (und quasi in ihrer Heimat) wachsen sie nicht nur einigermaßen natürlich auf, auch sind die im Handel angebotenen Tiere dadurch mit durchschnittlichen 3-4 Lebensmonaten und nahezu voll beflosst noch recht jung und bereiten ihrem neuen Pfleger noch lange Vergnügen. Auch stellt der Import von ihnen heutzutage nahezu keinen Aufwand mehr da; separat verpackt erreichen sie innerhalb von 2 Tagen Europa.

2. Haltung und Aquarieneinrichtung

Vor allem in den sozialen Medien reihen sich Behauptungen um die perfekte Kampffischhaltung neben Bildern von Fischen in Glasvasen und Mini-Aquarien- den sogenannten Nano-Aquarien. Als Neueinsteiger ist es sicherlich schwierig, sich in diesem Dschungel an Informationen und Eindrücken zu Recht zu finden, schließlich will man es dem neuen Mitbewohner ja auch gemütlich gestalten!

In seinem Habitat bezieht ein Kampffischmännchen ein Revier von durchschnittlich 30-50 Zentimetern, das er auch aktiv gegen Eindringlinge verteidigt- vor allem, wenn sie ihm „ähnlich“ sehen, beispielsweise durch lange Flossen. Im Aquarium kann er daher unter Umständen andere langflossige Fische wie zum Beispiel auch Guppys aus „seinem Revier“ vertreiben, indem er ihnen mit aufgestellten Kiemen droht oder sie sogar beißt. Und die Zähne eines Kampffisches sind sehr scharf! Problemlos kann er damit ganze Flossenstücke herausbeißen und sein Gegenüber unter Umständen schachmatt setzen, zumindest aber schwer verletzen. Nicht umsonst heißt er, wie er eben heißt. Auch wenn in frühen Fachbüchern die Haremshaltung propagiert wurde, so funktioniert diese nicht auf Dauer, denn über kurz oder lang wird der eine den anderen unterdrücken, was nicht schadfrei abläuft. Zu bedenken bei den ursprünglichen Informationen ist möglicherweise auch, dass die damaligen Aquarien wesentlich größer waren als es heutzutage der Fall ist, so dass die Fische sich entsprechend gänzlich aus dem Weg gehen konnten. Zu empfehlen ist es dennoch nicht.

Grundsätzlich sind Kampffische stark ausgeprägte Charaktere, die sich in der Gestalt selten in der Fischwelt wiederfinden. Daher sollte Kampffischmännchen möglichst alleine leben, um Missverständnissen und Unfällen vorzubeugen - denn Flossenverletzungen heilen schlecht und neigen zu Entzündungen. Eine gewisse Ausnahme stellen hingegen die Kampffischweibchen dar, die sich je nach Aquariengröße durchaus in der Gruppe halten lassen. Vor allem die neueren Farbschläge wie Nemo und Koi macht die Damenwelt unter den Bettas zu farbenfrohen Gesellen. Allerdings ist auch hier darauf zu achten, wer von den Mädels die „Kappe auf hat“- denn sie werden in der Gruppe eine Rangordnung festlegen- treffen allerdings zwei unnachgiebige Weibchen aufeinander, ist es möglich, dass diese beiden sich bis zum Tod streiten. Auch kann es vorkommen, dass sie trotz geklärter Rangordnung hin und wieder aneinander picken- daher sollte die Gruppenhaltung von Kampffischweibchen eher mit Vorsicht behandelt und streitsüchtige Tiere getrennt werden.

 

Aquarieneinrichtung

Auch wenn ein Kampffisch in einem 10 Liter Aquarium gepflegt werden kann, so empfiehlt es sich aber in jedem Fall, größer zu denken. Explizite Vorteile gibt es bei der Haltung im Nano-Aquarium nicht, denn alle Kampffische mit jeglicher Beflossung können gleich gut schwimmen, zudem ist bei kleineren Aquarien der Wasserwechsel wesentlich häufiger vorzunehmen. Vor allem durch die Ausscheidungen des Tieres verschlechtert sich die Wasserqualität schneller. Anfängern sei daher eher zu einem 60 Liter Aquarium geraten, in dem sich die Wasserwerte besser stabilisieren lassen, als in kleineren. Denn sollte im Fall des Falles mal etwas passieren, so kann das kleine Aquarium mit weniger Wasservolumen schneller zu kippen beginnen, vor allem, wenn es techniklos betrieben wird. Die Haltung von Kampffischen in kleineren Gefäßen setzt, vor allem bei der Pflege mehrerer KaFi´s und Züchtern, eher fortgeschrittene Kenntnisse voraus, zudem ist diese Form der Haltung meist nur übergangsweise und nicht dauerhaft.

Als Bodengrund eignen sich vor allem dunklere Farbkiese die nicht reflektieren und noch dazu abgerundet sind. In seinem Habitat bewohnt der Kampffisch die verkrautete obere Wasserschicht, weswegen er auch im Aquarium auf eine sehr gute und vor allem feine Bepflanzung Wert legt, die bis zur Wasseroberfläche reicht. Auch Schwimmpflanzen dämmen etwas den Lichteinfall und bieten Sicherheit von oben. Außerdem stabilisiert eine gute Bepflanzung vor allem bei neu eingerichteten Aquarien die Wasserwerte effektiver.
Kampffische können noch dazu in nahezu allen Wasserwerten gepflegt werden, sofern kein Nitrit nachweisbar ist. Empfehlenswert ist es aber ihn eher etwas weicher und saurer zu halten, dabei verträgt er pH-Werte zwischen 5,5 und 7,5 problemlos, wobei 6,5 optimal ist. Auch mag er es lieber etwas wärmer, weswegen ein Heizstab in seinem Aquarium nicht fehlen sollte- 24-30°C sind anzustreben, 26°C eine ideale Temperatur.
Ebenso sollte das Aquarium abgedeckt sein und zwar aus zwei wichtigen Gründen: Auch ein langflossiger Kampffisch ist, so behäbig er manchmal auch wirken mag, in der Lage, sich durch olivengroße Löcher zu quetschen und auch zu springen. Auf der anderen Seite ist er ein Labyrinthfisch, der atmosphärischen Sauerstoff an der Wasseroberfläche aufnimmt. Für gewöhnlich ist die Lufttemperatur zwischen Wasseroberfläche und der Außentemperatur kühler als die Wassertemperatur. Daher bietet die Abdeckscheibe den entscheidenden Vorteil einer Lufterwärmung und verhindert eine Entzündung des Labyrinthorgans durch eine zu niedrige Außentemperatur.

Auch wenn sich hinsichtlich der Beleuchtung stellenweise die Geister scheiden, so ziehen Kampffische erfahrungsgemäß eher schattigere Bereiche im Aquarium vor, weswegen sein Aquarium nicht allzu grell ausgeleuchtet sein sollte, in sogenannten Aquascapes aber mindestens über eine abgedunkelte Ecke, zum Beispiel in Form von Büschelfarn oder anderen Schwimmpflanzen verfügen sollte. Strömung mag der Kampffisch ebenfalls eher weniger, da er aus stehenden Gewässern stammt. Deswegen eignen sich vor allem Lufthebefilter sehr gut. Anfangs empfiehlt es sich zudem, vor allem bei stressempfindlichen oder sensiblen Tieren, die Seitenscheiben abzudunkeln.

Einige Kampffische mögen zudem Dekorationen, allerdings sollte hier darauf geachtet werden, dass diese, vor allem bei Höhlen, große Öffnungen aufweisen, da die Fische, erst recht, wenn sie sich noch im Wachstum befinden, eines Tages hängen bleiben und ertrinken könnten.

 

 

2.1 Die Haltung in der Verkaufsanlage

Allzu häufig werden die bunten Kampffischen optisch geradezu als „eingepfercht“ empfunden, wenn sie denn in einer Verkaufsanlage entdeckt werden und der Händler häufig alles andere als Tierliebhaber bezeichnet. Daher sei an dieser Stelle angemerkt, dass auch dieser regelmäßig Besuch vom Veterinäramt erhält, das sich an dem tierschutzrelevanten Dokument der „Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen“ orientiert. In diesem Dokument ist geregelt, wie der Verkaufsfisch zu präsentieren ist. So ist eben für den Betta splendens das folgende vorgeschrieben: „…3) für längere Verkaufspräsentationen muss für die Einzelhaltung der Betta splendens Männchen ein Mindestwasservolumen von einem Liter Wasser zur Verfügung stehen. Außerdem sollte eine schutzgebende, Stress verhindernde Dekoration wie z.B. Wasserpflanzenbüschel oder Moorkienholz u.ä. nicht fehlen.“

Häufig werden aber auch diese Verkaufsanlagen über einen gemeinsamen Filter gefiltert, sodass das Wasservolumen einen Liter übersteigt und die Wasserbelastung entsprechend geringer ausfällt. Zum Vergleich dazu werden Kampffische in Asien beispielsweise in knapp 2500 Liter Betonteichen gemeinsam aufgezogen und schlussendlich in Flaschen mit ungefähr 750 Millilitern Inhalt separiert, bis sie exportiert werden. Besondere Zuchttiere werden in größeren Behältern untergebracht.

 

3. Vergesellschaftung von Kampffischen

Die Vergesellschaftung von Kampffischen mit anderen Tieren ist immer „so eine Sache für sich“. Häufig scheint das Aquarium, in dem er lebt „leer“, sodass der Wunsch nach Gesellschaft für den Kameraden auftaucht. Vor allem für Nano-Cubes werden gerne Wirbellose wie Zwerggarnelen, Schnecken oder Krebse in Betracht gezogen. Wie bereits erwähnt, sind Kampffische aber nicht nur ausgesprochene Charaktertiere, sie sind auch Fleischfresser, die sich in ihrem Habitat üblicherweise von zuckenden Wirbellosen wie Mückenlarven und eben auch Kleinstkrebsen wie beispielsweise Daphnien ernähren. Im Aquarium kann die Gesellschaft daher sehr schnell zum Buffet werden.

 

3.1 Vergesellschaftung mit Wirbellosen

Zwerggarnelen eignen sich mehr oder weniger bedingt als Mitbewohner, wenn man auf ihr zahlreiches Erscheinen Wert legt. Vor allem Neocaridina-Arten, die sich recht zügig und gut vermehren wären hier zu bevorzugen, allerding sollte das Aquarium sehr gut bepflanzt sein und auch über Höhlen verfügen, sodass diese sich zurückziehen können. Der Nachwuchs wird voraussichtlich als Snack enden. Aber auch hier gilt es zu beachten, dass nicht jeder Kampffisch sich für Garnelen interessiert und sie teilweise brav mit ihnen zusammen leben, andere aber zu regelrechten Fressmaschinen aufdrehen und sogar erwachsene Garnelen durchbeißen können- eben damit sie besser ins Mäulchen passen. Erfahrungsgemäß lässt sich pauschal nicht aussagen, ob ein bislang eher gemütlicher Kamerad nicht eines Tages doch seine Vorliebe für Zwerggarnelen entdeckt. Als dauerhaftes „Lebendfutter“ eignen sie sich auf der anderen Seite jedoch ganz gut. Legt man jedoch Wert auf die kleinen Krabbler wären sie eher nicht als Mitbewohner zu empfehlen. Alternativ ließe sich die WG-Verträglichkeit aber auch mit ein paar Testgarnelen herausfinden.

Großarmgarnelen sind eher keine Alternative, da diese durchaus in der Lage sind, dem Fisch erhebliche Flossenverletzungen zuzufügen.

Fächergarnelen benötigen im Aquarium nicht nur viel Strömung, was wiederum dem Kampffisch nicht sonderlich zuträglich ist, auch wird er, da er naturgemäß äußerst neugierig ist, an ihren Fächerhänden zupfen, was wiederum die Garnele verletzt, sie aber ebenso veranlasst, sich dauerhaft zu verstecken. Dadurch wird sie voraussichtlich in ihrer Höhle verhungern.

Amanogarnelen stellen aufgrund ihrer zu erwartenden Endgröße von 6 Zentimetern und stellenweise mehr, eine mögliche Option dar, besser wäre es aber, von Anfang an auf fast ausgewachsene Tiere zu setzen. Dennoch kann es sein, dass der schnell gelangweilte Kampffisch auch mal an ihnen zupft.

Zwergkrebse oder Flusskrebse sollten auf gar keinen Fall mit Kampffischen vergesellschaftet werden. Die meisten Kampffische verfügen über entsprechend lange Flossen, die nur allzu verführerisch „wedeln“, außerdem neigen Kampffische dazu, sich auf Dekorationen oder Pflanzen abzulegen, was sie dadurch zur sehr einfach zu erreichenden Beute macht. Vor allem Großkrebse können den eher behäbig schwimmenden Kampffisch problemlos fangen und komplett auffressen, solche Unfälle könnten unter Umständen auch mit ansonsten eher als friedlich bekannten Krebsen geschehen.
Interessanterweise ist sogar ein Zwergkrebs in der Lage, einen Kampffisch zu „fangen“, indem er sich  mit einer Schere an einer Flosse festhält und mit der anderen Flossenstücke heraus zwickt und auffrisst. Der Fisch wird erwartungsgemäß reagieren, aber mitsamt Krebs im Gepäck fällt auch ihm das Schwimmen etwas schwer. Meist ist der Flossensaum dann schon erheblich zum „Kurzhaarschnitt“ mutiert, eher der Kampffisch den Zwergkrebs abschütteln oder verbeißen konnte- was wiederum mit Flossenverlusten verbunden ist. Zwar wachsen seine Flossen wieder nach, allerdings sind die Verletzungen zum Großteil erheblich und bedürfen aufwändiger Pflege, meist mit Medikamenten, da Flossenverletzungen häufig zu Infektionen neigen, die stellenweise nur schwierig heilen. Verletzungen und Behandlungen stellen zudem Stress dar, die den Fisch zusätzlich belasten und ihn erkranken lassen können.

Schnecken sind genauso wie Garnelen entweder für Kampffische völlig uninteressant oder aber wecken den Jagdtrieb. Gerade längere Fühler verleiten verlockend zum anpicken, wobei auch hier wieder der Charakter des KaFi eine Rolle spielt. Bodenbewohnende Turmdeckelschnecken, die sich hauptsächlich eingraben, leben mehr oder weniger sicher, Rennschnecken neigen dazu, sich fallen zu lassen und ihr Gehäuse zu verschließen und nach einer gewissen Zeit wieder weiter zu krabbeln. Sollte sie sich allerdings dauerhaft oder vermehrt zurückziehen, ist davon auszugehen, dass sie zu viel Stress hat und sollte lieber wieder aus der WG ausziehen. Durchaus neugierige Kampffische sind aber auch wahre Meister darin, sich stundenlang auf dem Bodengrund aufzuhalten und sich ihre Mitbewohner genauestens anzusehen, selbst leere Schneckenhäuser können für sie fast schon magisch anziehend wirken. Blasenschnecken fallen ihnen aber relativ häufig zum Opfer und werden erst angepickt und dann mit ruckartiger Kopfbewegung aus ihrem Haus heraus gezogen. Auch Schneckenlaich wird hin und wieder von ihnen gefuttert, verstorbene oder zerdrückte Schnecken werden ebenfalls gerne angepickt.

 

3.2 Begleitfauna im Kampffischaquarium

In einem Kampffisch-Aquarium befindet sich meist eher weniger Begleitfauna, denn häufig wird alles, das zappelt, sich windet oder hüpft kurzerhand angepickt und aufgefressen, stellenweise verleiben sich Kampffische sogar ausgewachsene Asiatische Wasseregel (wenn man denn das Glück hatte, welche zu haben) und auch Planarien ein. Erfahrungsgemäß sind Kampffische, vor allem solche Exemplare, die hauptsächlich oder häufig mit Lebendfutter ernährt werden, wahre Meister darin, ein Aquarium quasi „über Nacht“ von einer Muschelkrebs- oder Hüpferlingpopulation zu „säubern“. Da sie außerdem recht gefräßig sind, neigen sie durchaus dazu, sich zu überfressen. Dies erkennt man deutlich an ihren dicken Bäuchen.

 

3.3 Vergesellschaftung mit Fischen

Fische als Gesellschaft sind ebenfalls eher ein zweischneidiges Schwert. In erster Linie sollte dabei die Aquariengröße im Hinblick auf die Fischauswahl berücksichtigt werden- von der Haltung im Nano-Aquarium unter 54 Litern ist in den meisten Fällen eher abzuraten- in Kombination mit einem Kampffisch außerdem.
Kampffische bevorzugen eher die mittlere und obere Wasserzone, weswegen sie vor allem quirlige Fische, die sich überall aufhalten, und vor allem aber solche mit eher längeren Flossen wie zum Beispiel Guppys als Eindringlinge empfinden könnten. (Teilweise stellt der eigene Pfleger für sie eine „Bedrohung“ dar und sie schwimmen ihm mit Drohgebärde entgegen.) Außerdem können frisch geschlüpfte Junge durchaus als attraktives Lebendfutter für den Kampffisch enden. Durch das Verteidigen ihres Revieres ermüden sie nicht nur sehr schnell, sie stehen damit auch unter Dauerstress und können erkranken. Außerdem könnten Übergriffe auf die so gesehenen „Feinde“ an der Tagesordnung sein. Besser geeignet wären daher eher ruhige und kurzflossige Begleitfische, die sich vorzugsweise in der mittleren bis unteren Wasserzone aufhalten und auch beim Balzen kein allzu großes Spektakel veranstalten oder vehement ihre Reviere verteidigen. Ancistren und andere kleine Panzerwelse eignen sich daher schon eher, zu beachten ist hier aber auch die empfohlene Aquariengröße und die zu erwartende Endgröße dieser Fische. Vorzugsweise muss sich der Kampffisch aber eher mit keinen Mitfischen auseinander setzen.

 

 

4. Futter

Kampffische sind reine Carnivoren, also Fleischfresser, die sich auch in ihrem Habitat von Anfluginsekten, Insektenlarven und anderen kleinen Crustaceaen ernähren, die sich im Wasser aufhalten.
Je nachdem, womit ein Kampffisch gefüttert wurde beim Heranziehen kann es sein, dass er diverse Futtersorten gar nicht akzeptiert oder aber wieder ausspuckt. Gerade neue Mitbewohner sollten daher anfangs beobachtet werden. Vor allem aber neigen Kampffische zum überfressen, dem möglichst Einhalt geboten werden sollte. Sie haben dann sichtlich dicke Bäuche nach einer Fressorgie, die selbst der Schwimmblase etwas Platz wegnimmt, weswegen sich vollgefressene KaFis stellenweise wie „betrunken“ durchs Aquarium bewegen oder einfach nur irgendwo ablegen. Für gewöhnlich normalisiert sich dieser Zustand innerhalb eines Tages, wenn sie das Futter verdaut haben, vorsätzlich herbeiführen sollte man es aber dem Tier zuliebe eher nicht, auch wenn es scheinbar ständig am betteln ist. Kindern sollte man daher das Futter eher vorportioniert zum Verfüttern geben.

 

Lebendfutter

stellt die natürlichste Form der Ernährung dar. Auch wenn alle Arten Mückenlarven gereicht werden können, so werden meist bevorzugt die Weißen gefressen. Lebendfutter enthält zudem auch meist mehr Nährstoffe als andere Futtersorten. Vor allem mäkelige Tiere lassen sich mit den zappelnden Mücken wieder gut ins Futter stellen oder zur Zucht vorbereiten. Vor allem verteilen sich die Futtertiere eigenständig im Aquarium, die den Kampffisch zum Jagen animieren. Lebendes Futter minimiert außerdem das Risiko der Wasserbelastung.

Artemia Nauplien lassen sich zwar selbst herstellen, allerdings lohnt sich der Aufwand für ausgewachsene Kampffische eher nicht, weswegen diese hauptsächlich zur Versorgung von Jungfischen zum Einsatz kommen. Werden sich gut vermehrende Zwerggarnelenarten wie beispielsweise Neocaridina mit im Kampffisch-Aquarium gepflegt, eigenen diese sich stellenweise hervorragend als dauerhaftes Lebendfutter.

Ausgewachsene Artemia hingegen eignen sich prima für erwachsene Tiere. Ebenfalls eignen sich auch Wasserflöhe, Eintags- und Fruchtfliegen, Mehlwürmer, Moina und Enchyträen. Da Kampffische zum überfressen neigen, sollten sie eher sparsam gefüttert werden. Tiere, die nicht vorbereitet werden können jeden zweiten Tag problemlos eine Futterpause einlegen. Vor dem Verfüttern sollte das Lebendfutter, wenn es in Tüten angeboten wurde, wie beispielswiese Hüpferlinge, Mückenlarven, Wasserflöhe oder Artemia aber mit einem Sieb abgespült und eventuelle tote Tiere entfernt werden. In den Sommermonaten eignet sich eine eigene Wasserflohzucht, die man in einem Eimer ganz einfach auf dem Balkon oder im Garten pflegt.

 

Frostfutter

ist eine praktische  Alternative zum Lebendfutter und kann portionswiese aufgetaut werden. Allerdings sollte hier gut auf die Herkunft und die Lagerung geachtet werden. Einmal aufgetautes Frostfutter sollte nicht wieder eingefroren und vor dem Verfüttern sehr gut abgespült werden. Nicht allen Kampffischen ist der „Sinn“ von Frostfutter klar, da es sich beim Verfüttern nur einmal bewegt- und zwar von oben nach unten- daher sollte darauf geachtet werden, ob er dem Futter hinter her „jagt“, oder ob es ungefressen auf dem Boden liegen bleibt. Um Gammelecken zu verhindern, sollte dieses nach spätestens einer Stunde abgesaugt werden. Einige Kampffische schwimmen aber hinterher und beäugen das Futter eine Weile fasziniert von allen Seiten, ehe sie es „probieren“. Auch hier sollte darauf geachtet werden, ob sie darauf herum mümmeln und es wieder ausspucken oder nicht.

 

Gefriergetrocknetes FD Futter

schwimmt beim Füttern eine Weile auf der Wasseroberfläche und wird von „geübten“ Kampffischen entweder direkt aufgenommen oder aber geraume Zeit beim Herumtreiben beobachtet, ehe es testweise probiert wird, wenn sie es bis dahin nicht kannten. Da es durch das Treiben auf der Wasseroberfläche aber natürlichem Futter ähnelt, ist die Akzeptanz allgemein recht hoch. Vor allem mäkelige Fische lassen sich sehr gut an getrocknete Mückenlarven heranführen. Aber auch hier sollte darauf geachtet werden, dass herabsinkendes Futter nicht unbemerkt am Boden vergammelt.

 

Granulate und Flocken

kennen viele Kampffische nicht unbedingt und müssen es erst kennen lernen. Zu Beginn kann man dieses auch mit gefriergetrocknetem Futter vermengen, sodass sie es eher akzeptieren. Bei der Auswahl des Futtergranulates sollte darauf geachtet werden, dass es für Labyrinthfische, beziehungsweise Kampffische ausgelegt ist und der Fleischanteil entsprechend hoch ist. Einige Granulate verfügen außerdem über einen Knoblauchanteil, der eine bessere Akzeptanz herbei führt und gleichzeitig auch das Immunsystem stärkt. Gefüttert wird auch hiervon nur sparsam, in etwa die Menge, die der Augengröße entspricht, dementsprechend hält eine Futterdose auch sehr lange. Ebenfalls sollte bei der Futterumstellung behutsam vorgegangen werden und herabfallende Futterreste entfernt werden. Gerade in kleinen Aquarien kann gammelndes Futter am Bodengrund maßgeblich Einfluss auf die Wasserqualität nehmen.

 

 

5. Geschlechterbestimmung und Zucht

Weiß man, worauf man zu achten hat, ist die Geschlechterbestimmung beim Kampffisch nicht allzu schwer. Ungeübten Augen kann aber, gerade bei kurzflossigen Variante, wie beispielsweise dem Plakat einiges entgehen und nicht immer ist die Laichpapille oder der Eiansatz sichtbar oder dient als sicheres Merkmal. Gerade bei der Zuchtvorbereitung sollten die Tiere daher ausführlich gesext sein.

 

5.1 Die Geschlechter beim Kampffisch

Vor allem im jungen Alter und wenn Kampffische mehr oder weniger zusammen aufwachsen, lassen sich Geschlechter nicht immer eindeutig zuordnen. Vor allem unterdrückte Männchen sind in der Lage, sich quasi als Weibchen zu tarnen und bilden einen sogenannten „Stress-Streifen“ entlang der Körperlänge aus. Werden diese vermeintlichen Weibchen später getrennt oder aber alle anderen Männchen entfernt, verwandelt sich dieser unter Umständen in kürzester Zeit wieder zurück und bildet lange Flossen aus- sofern er von anderen Fischen nicht erneut unterdrückt wird. Im Allgemeinen sind Kampffische mit etwa 3-4 Monaten geschlechtsreif.

Theoretisch kann man beide Geschlechter durch diese Faktoren unterscheiden: Männchen verfügen meist über größere und zudem anders geformte Flossen als die Weibchen. Vor allem ihre Rückenflosse ist eher rundlich, bei den Weibchen meist spitzer. Auch bilden die Männchen größere Mäuler als die Weibchen aus.

Hilfreich ist ebenfalls ein Blick von oben: Männchen erscheinen schmaler an den Flanken mit eher flachem Bauch, Weibchen besitzen rundlichere Bäuche und eher gewölbtere Flanken. Zudem sind sie farblich meist eher etwas blasser- was aber bei den neuen Koi und auch Nemos durchaus fehlinterpretiert werden kann. Ein weiterer Blick von unten zeigt ebenfalls bei den Weibchen die Eilegeröhre, die Genitalpapille, als kleinen weißen ausgestülpten Fleck. Vor allem langflossige Kampffische wie beispielsweise Halfmoon lassen sich bereits von Anfängern aufgrund der recht großen Flossen problemlos als Männchen identifizieren. Verzwickter wird es teilweise bei Halfmoon Weibchen, die aufgrund ihrer Körpergröße und ihrer Flossen Plakat-Männchen fast schon zum Verwechseln ähnlich sehen.

Interessanterweise bauen beide Geschlechter Schaumnester. Die der Männchen verfügen dabei aber über größere Blasen, die der Weibchen über eher kleinere.

Kampffische mit hellem Körper und einem Alter von ungefähr 3 Monaten lassen sich optisch relativ leicht unterscheiden- denn dank des hellen Körpers sind die vielen kleinen weißen Eier im Bauch es Weibchen als „liegendes Dreieck“ direkt hinter dem Bauch, oberhalb der beginnenden Afterflosse sichtbar.

 

5.2 Züchten von Kampffischen

Ob sich die eigenen Kampffische zur Zucht eignen oder nicht sollte von verschiedenen Kriterien abhängig gemacht werden, denn Fische nur des Vermehrens Willen nachzuziehen, vor allem Kampffische, die ihr Leben lang besser einzeln gepflegt werden sollten, sei dahin gestellt. Zudem können Kampffische durchaus bis zu 500 Eier produzieren, bei denen, sollten sich auch nur die Hälfte oder gar ein Drittel davon entwickeln, die weitere Unterbringung durchaus problematisch werden kann. Reich wird man zudem von der Kampffischzucht nicht, dieser Aspekt sollte vielleicht ebenfalls bedacht werden; es gibt gute Gründe, weswegen die im Handel erhältlichen Tiere aus Asien importiert und nicht beispielsweise kommerziell in Deutschland gezüchtet werden.

Gesunde Tiere sind das A und O in der Zucht. Vor allem fitte und vitale Tiere weisen über genügend Temperament und Energie auf, sodass eine Paarung überhaupt erst zustande kommt und auch das Männchen sich entsprechend um den Nachwuchs kümmert. Ebenfalls sollte die Beurteilung des Körperbaus sowie der Proportionen nicht zu kurz kommen, denn diese machen die Optik des Fisches aus. Nicht zuletzt spielen Flossen, Farbe und eine eventuelle Zeichnung eine Rolle. Letztlich sollte ein bestimmtes Zuchtziel definiert sein, anhand dessen man die Zucht orientiert und sich dazu entsprechende Tiere besorgen.

Übrigens: Kampffische lassen sich grundsätzlich auf viele verschiedene Arten vermehren, hauptsächlich spielt vor allem die Harmonie eines Paares eine große Rolle. Es ist durchaus möglich, dass ein Paar sich nicht vermehrt, weil sie sich quasi nicht „riechen“ können. Zwar lassen sich auch Kampffische bis zu einem gewissen Grad manipulieren, aber stellenweise und gerade bei Hochzuchten, kommt es vor, dass der Paarungsakt nicht stattfindet.

 

5.3 Vorbereiten und Laichakt

Die gängigste Methode ist vermutlich, beide Tiere einzeln ohne Sichtkontakt zueinander zu halten. Dabei sollt das Männchen sich bereits im späteren Aufzuchtbecken befinden, das mindestens 40, besser sogar 60 Liter Wasservolumen hat. Dieses darf sehr dicht verkrautet sein, sodass man beinahe schon annimmt, er könne nicht mehr hindurch schwimmen. Alternativ dazu kann auch das Weibchen in einem separaten kleineren Aquarium oder eben einer Box daneben gestellt werden. Die Scheiben werden dabei zu 2/3 abgeklebt, sodass beide Tiere sich jeweils in ihre „sichere Zone“ zurückziehen können, wenn sie nicht aneinander interessiert sind. 

Der pH Wert des Wassers liegt idealerweise bei 6-6,5, die Temperatur darf 29-30°C betragen. Mit Hilfe von Laubblättern oder Huminsäuren kann das Wasser entsprechend angesäuert werden, idealerweise wird mineralisiertes Osmosewasser verwendet. Wasserwechsel simulieren die Regenzeit und erhöhen zudem die Laichbereitschaft. Beide Tiere werden mehrmals täglich mit großem Lebendfutter (alternativ mit ihrem bekannten Futter) gefüttert. Beide Becken sollten abgedeckt sein, denn es ist schon vorgekommen, dass die Tiere jeweils in das andere Becken gesprungen sind.

Ist das Männchen in Stimmung, beginnt es, an der Wasseroberfläche ein Schaumnest zu bauen, stellenweise auch unter Zuhilfenahme von Wasserpflanzen oder Schwimmpflanzen. Mit einem Stückchen Styropor, das auf der Oberfläche treibt, kann er dabei unterstützt werden. Immer wieder wird er das Weibchen an der Scheibe aufsuchen. Droht er ihr mit aufgestellten Kiemen, ist er noch nicht so weit. Beginnt er allerdings zu tanzen oder schwimmt immer wieder von der Scheibe weg zum Nest, so ist dies eine Aufforderung zum Folgen. Ist das Weibchen paarungsbereit, wird sie sein Tanzen erwidern und kann zu ihm gesetzt werden. Schwimmt er allerdings gegen die Scheibe und pickt regelrecht hinein, ist der Zeitpunkt noch ungünstig. Paarungsbereite Weibchen weisen außerdem senkrechte Streifen auf, die sich bei vollgedeckten Tieren wie zum Beispiel Dragon aber nicht erkennen lassen, hier ist eine genauere Beobachtung der Fische und ihres Verhaltens notwendig.
Das Weibchen wird sich das Nest ausführlich ansehen und zu tanzen beginnen, wenn es ihr gefällt. Verscheucht das Männchen das Weibchen allerdings vehement, so ist es noch nicht bereit und das Weibchen sollte wieder zurück gesetzt werden, da es in diesem Fall zu ernsten Auseinandersetzungen kommen kann, bei dem im wahrsten Sinne des Wortes „die Flossen in Fetzen fliegen“.
Der eigentliche Laichakt findet engumschlungen statt. Beide Fische stehen nebeneinander, das Männchen umschlingt das Weibchen und bildet mit seiner Afterflosse eine Art Röhre, durch die das Weibchen ihre Eier abgibt, die er zeitgleich befruchtet. Beide Tiere können danach in eine Art Starre verfallen und zu Boden absinken, die sich nach wenigen Sekunden aber wieder auflöst, meist verfällt aber nur das Weibchen in diese „Trance“.

Das Männchen beginnt danach, die zu Boden gefallenen Eier einzusammeln und ins Schaumnest zu spucken. Gelegentlich hilft ihm das Weibchen dabei, ab und zu verscheucht er sie aber auch jetzt schon. Hilfreich ist es, zu beobachten, ob sie die Eier wirklich einsammelt und ausspuckt oder aber gar auffrisst. Auch unerfahrene Männchen oder welche, die sich gestört fühlen, neigen dazu, die Eier stellenweise aufzufressen. Andere dagegen sammeln unermüdlich Eier ein und schwimmen noch eine Zeitlang mit ihnen spazieren, ehe sie sie ins Schaumnest verfrachten. (Es ist schon vorgekommen, dass diese Männchen, wurden sie währenddessen umgesetzt, die Eier im Maul behielten und erst einige Zeit nach dem Umsetzen wieder im neuen Aquarium ausspuckten.) Vorteilhaft ist es, wenn der Wasserstand im Aufzuchtbecken daher nicht mehr als 15 Zentimeter beträgt, da das Männchen jedes erneut herunter gefallene Ei einsammelt und wieder ins Nest bringt- das ist eine energieraubende Angelegenheit!

Idealerweise wird das Weibchen nach der Eiablage wieder entfernt. Denn es kann sein, dass ihre Anwesenheit das Männchen stört, sodass er sie nicht nur verbeißen, sondern auch das Schaumnest zerstören wird. Daher dienen die dichten Pflanzen oder auch Algen dem Rückzug, denn im dichten Dschungel kann sie sich vor massiven Angriffen schützen, für gewöhnlich wird er sie nicht sehr weit verfolgen. Die folgenden 36-48 Stunden ist er unermüdlich mit der Nestpflege beschäftigt, sammelt Eier ein und repariert das Nest. Sehr zutrauliche Männchen lassen sich auch mit der Pinzette füttern, sodass sie neue Energie tanken können. Damit er möglichst bequem und vor allem effektiv Eier einsammeln kann, sollte das Aufzuchtbecken über keinen Bodengrund verfügen, in dem sie ansonsten unerreichbar wären und womöglich verkommen wrden.

Die Brutpflege ist ebenfalls eine genetisch veranlagte Sache- nicht alle Männchen sind auch fürsorgliche Brüter. Vor allem bei Hochzuchten ist auffällig, dass die Männchen nach dem Eiersammeln nicht wirklich „wissen“, was ihre Aufgabe ist, weswegen die Schlupfrate der Jungen spärlich ausfallen kann- entweder weil er die Eier gefressen hat oder die geschlüpften Jungen oder sich aus heiterem Himmel nicht mehr für sein Nest interessiert, es unter Umständen auch direkt zerstört. Es ist zu vermuten, dass dessen „Vater“ ebenfalls zu früh vom Nest, aus dem er schlüpfte, entfernt wurde, weswegen der Brutpflegetrieb sich daher nur noch auf das allernötigste beschränkt. Nicht zuletzt sollte man auch die vielfältigen Charaktereigenschaften nicht unterschätzen.

Neben dieser Methode gibt es etliche weitere, um die Tiere zu stimulieren oder vorzubereiten.

 

5.4 Aufzucht und Trennen der Jungfische

Für gewöhnlich kümmert sich das Männchen auch um die schlüpfenden Jungen, die vorerst noch senkrecht im Wasser stehen, teilweise aber auch an der Aquarienscheibe hängen und sich die nächsten 2-3 Tage von ihrem Dottersack ernähren. Erst danach ändern sie ihre Position und schwimmen „fischüblich“ herum. Liebevoll sammelt er sie solange immer wieder ein und befördert sie zurück ins Nest. Auch hier gilt wieder Beobachten, denn einige Kampffischmännchen lassen sich von den zuckenden Bewegungen irritieren und sehen ihre eigenen  Jungen als Lebendfutter an. Im Idealfall pflegt er sie aber fürsorglich. Interessanterweise hat er eine Methode, die im Aquarium verstreuten Jungen wieder einzusammeln: durch das Vibrieren mit seinen Flossen an der Wasseroberfläche lockt er sie zu sich heran. Das kann man durch das sachte Plätschern mit einem Finger nachstellen und wird erstaunt sein, wenn die Kleinen angeflitzt kommen.

Das Aufzuchtaquarium sollte mit einer Abdeckscheibe abgedeckt sein, die Temperatur weiterhin konstant gehalten werden, damit die Jungfische nicht durch Entzündungen ihres Labyrinthorgans beim Atmen auf natürliche Art und Weise ausselektiert werden. Ab dem 3. Tag können sie mit feinem Lebendfutter wie beispielsweise Mikrowürmern angefüttert werden, wenngleich einige Züchter davon eher abraten, da die Jungen dazu neigen, diese vom Boden zu fressen und dabei mit dem Bauch am Boden entlang scheuern, was zu Fehlbildungen der Flossen führen kann. Eine Alternative stellt aber auch mikronisiertes Futter dar, das sie direkt von der Wasseroberflöche aufnehmen. Nach ungefähr einer Woche können sie bereits mit frisch geschlüpften Artemia Nauplien gefüttert werden. Kampffischjunge wachsen erstaunlich schnell- und scheiden ebenso schnell aus, weswegen das Aufzuchtbecken problemlos täglich einen Wasserwechsel von 90% verträgt. Hygiene und sauberes Wasser ist in der Fischaufzucht oberstes Gebot.

Mit ungefähr drei Monaten sind sie bereits geschlechtsreif und sollten kurz vorher getrennt werden. Werden sie nicht getrennt, wachsen sie eher langsam bis spärlich heran und neigen ab einem bestimmten Zeitpunkt dazu, sich gegenseitig dominieren zu wollen. Ausgebissene Augen oder Flossenverletzungen sind dabei ebenso keine Seltenheit. Mangelnde Wasserpflege und spärliche Fütterung führen zudem zu Kümmerwuchs. Einzeln gehalten und ohne Sichtkontakt bilden sie ihre typischen Flossen und auch Farben aus. Auch hier gilt es, je kleiner das Gefäß, desto häufiger, wenn nicht täglich, Wasser zu wechseln und nur sparsam zu füttern. Ungefähr mit 4-6 Wochen fressen die Jungen bereits Mückenlarven und Artemia.

 

 

6. Genetik von Kampffischen

Grundlegend lässt sich sagen, dass die Farbe eines Kampffisches von drei verschiedenen Pigmenten produziert wird: dem Lutein für gelb, dem Erythopterin für rot und dem Melanin für schwarz, außerdem wird das Licht durch kleine hexagonale Kristalle gebrochen, die dadurch grau, blau oder eben grün aussehen. Diese reflektierenden Zellen enthalten zudem nur ein einziges Farbpigment; die Iridozyten oder auch Guanophoren.

Dabei unterliegt jede Farbe unterschiedlichen Faktoren, die für deren Ausbildung verantwortlich sind. Bestimmte Gene und deren Allele steuern diesen Prozess, der nicht ganz zufällig geschieht. Deswegen kann ein Züchter durch eine gezielte Zucht Einfluss darauf nehmen und somit das Erscheinungsbild des zukünftigen Fisches beeinflussen.

Kampffische können in Sekundenbruchteilen ihre Farben verändern und kommunizieren teilweise auch so: vor allem ängstliche oder kränkelnde Tiere weisen eher Fahlfarben auf wohingegen Männchen zur Balzzeit regelrecht leuchten. Aber auch andere Faktoren spielen eine große Rolle: vor allem der Hormonhaushalt eines Tieres beeinflusst die Flossenausprägung- Tiere unter Dauerstress bilden beispielswiese keine kompletten Flossen aus, selbst wenn sie genetisch dazu veranlagt wären. Ihr Bluthormonhaushalt unterdrückt in solch einem Fall sogar das ganz natürliche Revierverhalten!

 

6.1 Mutationen als Grundlage

Grundlage für die unmutierte Farbgenetik ist die Wildform des Betta splendens. Daneben existieren aber auch Kampffische mit den Farben der Wildform, die aber dennoch keine Urtypen mehr sind. Auch verschiedene Unterarten wurden rein auf Farbe und Form gezüchtet und besitzen im Grunde zwar dieselbe Genetik wie die Wildform, deren Ausprägung aber durch jahrelange Selektion beeinflusst wurde- beispielsweise verfügen diese Fische über längere Flossen und kräftigere Farben und ein forscheres Verhalten- denn auch das ist vererblich.

Vor allem die Spontanmutationen bei Farb- und Flossenformen machten die Kampffische so populär, die bereits seit über 400 Jahren gezüchtet werden. Meist sind diese aber eher unscheinbar, sodass es züchterisches Können und Erfahrung bedarf, um diese zu intensivieren- der Crowntail ist hierbei ein treffendes Beispiel, der nur dem jahrelangen Verfolgen eines bestimmten Zuchtzieles entstammt.

Gewisse Mutationen beeinflussen die Farben, andere die Verteilung derselben. Diese Vererbung ist teilweise blanke Mathematik, kann in ihrer Ausprägung aber auch Zufall sein. Vor allem durch Linienzucht (Inzucht) lassen sich unerwünschte Eigenschaften entfernen oder verstärken. Der Marbel-Effekt ist dafür das beste Beispiel. Ohne diese Linienzuchten und isolierte Biotope hätten sich einige Unterarten bei Kampffischen vermutlich nie entwickelt. Teilweise entstehen aus Lokalvarianten nach einigen Jahren sogar eigene Unterarten.

 

7. Charakter und Verhalten

Nicht nur ihre einfache Pflege und ihre farbenfrohe Natur macht Kampffische so interessant, vor allem aber auch ihr ausgeprägter Charakter. Auch wenn es kurios klingt, so sind Kampffische mehr als „bloße“ Fische, die sich in einem Glaskasten befinden und sich den ganzen Tag mit sich selbst beschäftigen. Bettas mögen Abwechslung und sind grundsätzlich an allem und jedem interessiert- sofern es sich um ein gesundes Tier handelt, im Alter werden sie stellenweise etwas schwerfälliger. Sie sind äußerst neugierig, noch dazu lernfähig und beobachten sehr viel. Vor allem bei Allergien stellt der Kampffisch daher eine tolle Alternative zu Vierbeinern dar, mit denen sich gerade Kinder prima beschäftigen können.

       

7.1 Kampffische dressieren- geht das?

Wer schon einmal versucht hat, das Gesicht seines Kampffisches zu fotografieren, wird feststellen, dass dieser der Kamera mit den Augen folgt und die Linse stellenweise fokussieren wird. Sieht er dabei außerdem noch seine Spiegelung, wird er diese bedrohen, indem er die Kiemendeckel abspreizt und die Flossen aufstellt, manchmal wippt er dabei sogar. Für gewöhnlich erkennt er auch seinen Pfleger und nicht zuletzt die Futterdose und schwimmt sofort an die Aquarienscheibe, wenn beide davor auftauchen. Im Allgemeinen ist er ein sehr achtsamer Kamerad, der viel Freude bereitet und der geradezu beschäftigt werden möchte.
Vorab: wer mit den Fingern im Aquarium plantscht, sollte diese natürlich vorher gründlich ohne Seife gewaschen haben, besser wäre aber stattdessen Hilfsmittel zu benutzen.


7.2 Handzahm und Anstupsen

Hat sich der neue Mitbewohner erst einmal gründlich eingelebt und sein neues Zuhause ausgiebig erkundet, wird er schon bald erkennen, wer ihn füttert und wer nur mal vorbei schaut. Einige Fische sind sogar so neugierig, dass sie interessiert die Hände oder Pinzetten untersuchen, die im Aquarium putzen oder werkeln und sich stellenweise sogar auf die ausgestreckte Hand ablegen. Natürlich sollte der Fisch dabei nicht aus dem Wasser gehoben oder festgehalten werden, da dies unter anderem zu Schleimhautverletzungen führen kann, vorzugsweise sind die Hände vorher gründlich gesäubert worden und „eingeweicht“- etwa so wie sie nach einem langen Bad aussehen. Auch sollte der Kampffisch dieses nur freiwillig aus eigener Ambition heraus machen. Voraussichtlich wird er sich auch nach einer Weile aus der Hand oder einer stumpfen Pinzette füttern lassen und einen ausgestreckten Finger auch anstupsen.


7.3 Vibrationen und Klopfen

Wie bereits im Kapitel Zucht beschrieben, reagieren Kampffische auf Vibrationen im Wasser, die man sich durchaus zu Nutze machen kann. Vor allem junge Tiere lassen sich sehr schnell daran gewöhnen. Plätschert man mit einem Finger oder alternativ einem hölzernen Eisstiel sachte auf die Oberfläche, wird er nach wenigen Sekunden sein Versteck verlassen und neugierig auftauchen. Konditionieren lässt sich dieses Verhalten, wenn er nach dem Auftauchen direkt einen Snack bekommt, beispielsweise eine Mückenlarve. Denn das ist eigentlich auch das Hauptanliegen- der Kampffischvater „ruft“ seine Jungen herbei, indem er mit den Flossen an der Wasseroberfläche vibriert, entweder, um sie zu schützen oder aber weil es etwas zu fressen gibt. Je nachdem wie lange mit ihm geübt wird, sollten die Snacks entsprechend aus der täglichen Futterration heraus gerechnet werden. Dasselbe funktioniert aber ebenso mit einem leichten Klopfen an die Scheibe. Doch auch Kampffische sind clever, wird er mehrmals heran gerufen und bekommt kein Leckerlie, hat er den Dreh recht bald heraus und wird sich das Spektakel nur noch aus Entfernung ansehen, aber nicht mehr heran kommen, ehe er nicht etwas zu futtern bekommt.
Da sich aber auch die Kampffische in ihren Charakteren unterscheiden, werden diese Übungen und Ergebnisse von Fisch zu Fisch unterschiedlich ausfallen.


7.3 Springen

So schwerfällig ein Kampffisch auch erscheinen mag, ist er gewillt, dann kann er springen. Zwar wird er dabei keine sehr großen Höhen überwinden, abgesehen von einigen schmalen und wendigen Betta-Arten, die regelrecht Vollgas geben können. Bei den üblichen Plakat, Halfmoon und ähnlichen ist das eher weniger Fall, sie schaffen normalerweise kein Hindernis höher als 10-15 Zentimetern. Unter anderem deswegen sollte sein Aquarium nahezu lückenlos abgedeckt sein, denn er ist stellenweise recht treffsicher, wenn er erst mal eine Öffnung gefunden hat, die gerade mal die Größe einer Olive hat und quetscht sich durch oder bleibt hängen. Auf der anderen Seite kann man sich dieses Verhalten aber auch zu Nutze machen und den kleinen Kameraden damit beschäftigen. Auch bei ihnen geht Liebe quasi durch den Magen und hat man erst einmal sein Lieblingsleckerlie herausgefunden, so lässt er sich bereitwillig bespaßen.
Diese Übung sollte vorzugsweise in der Mitte des Aquariums geübt werden, damit der Fisch nicht versehentlich aus dem Aquarium hüpft! Das Springen setzt auch voraus, dass der Kampffisch bereits an das Füttern aus der Pinzette oder Anstupsen eines Fingers gewöhnt ist. Wenn er für gewöhnlich stupst, wird die Pinzette ab sofort etwas höher gehoben, vorerst nur einen Zentimeter. Er wird sich anfangs mehr strecken, um sie zu erreichen- und dann natürlich gleich belohnt. Beim nächsten Mal wird sie wiederum etwas höher gehalten. Für gewöhnlich wird er sich die Pinzette und Aufgabenstellung erst einmal ausführlich von unten betrachten und man kann ihm dabei förmlich beim „nachdenken“ zusehen. Bei einigen Fischen dauert es eine Weile, bis sie wirklich ein paar Zentimeter „springen“, andere finden diesen Trick hingegen eher uninteressant.


7.4 Farben erkennen

Nicht alle, aber einige Kampffische sind regelrechte Meister darin, Farben zu erkennen und sich damit auch konditionieren zu lassen. So kann man sie relativ schnell mit einer grünen und einer roten Karte im Spielkartenformat trainieren. Die grüne Karte wird daher immer dann an die Aquarienscheibe gehalten, wenn es Fütterungszeit ist, die rote, wenn man nur vorbeigeht, es aber kein Futter gibt. Nach sehr kurzer Zeit haben die meisten Fische en Dreh raus und kommen angeschwommen, wenn sie die grüne Karte sehen und bleiben eher uninteressiert, wenn sie die rote entdecken.


7.5 Spiegeltraining- Sinn oder Unsinn?

Auch wenn das Spiegeltraining von einigen häufig als unzumutbare Belastung und unnötige Aufregung für den Kampffisch empfunden wird, so macht es doch durchaus Sinn. Häufig wird die Flossenmasse, über die ein langflossiger Kampffisch verfügt schlicht unterschätzt. Natürlich ist es erstrebenswert, den Fisch so wenig Stress wie möglich auszusetzen, aber stellt er seine Flossen nicht regelmäßig komplett auf, ist es möglich, dass diese verkleben oder sich anderweitig infizieren können. Abgesehen davon bieten vor allem große Kampffische wie Giants und Langflosser eine entsprechend große Flossen- und Körperfläche, die sie anfällig für Krankheiten macht, die meist aus miserabler Wasserqualität herrühren. (Kurzflosser wie Plakats bieten da beispielsweise weniger „Angriffsfläche“)
Nicht nur ausstellungswürdige Tiere, die an Championaten teilnehmen, sondern auch junge Tiere, die sich noch im Wachstum befinden, sollten hin und wieder die Flossen aufstellen, damit diese sich voll entwickeln können. In ihrem natürlichen Habitat sind Kampffische häufiger mit Eindringlingen konfrontiert, sodass sie dies von ganz alleine tun. Im Aquarium, vor allem in Einzelhaltung, werden sie vor solchen bewahrt und daher eher etwas gemütlich. Nicht zuletzt zeigen aufgestellte Flossen aber auch mögliche Erkrankungen an und erlauben eine erste Einschätzung als potentielles Zuchttier.
Selbstverständlich sollte der Kampffisch nicht bis zu Erschöpfung unter Stress gesetzt und gespiegelt werden, sondern lediglich hin und wieder zum Flossenspreizen aufgefordert werden. Dazu reicht ein einfacher Handspiegel bereits aus, der danach außer seiner Sichtweite aufbewahrt werden sollte.

 

8. Besonderheiten

Abgesehen von ihren charakterlichen Eigenarten und der Fähigkeit zu lernen, verfüge gerade Kampffische über interessante Eigenschaften, die durchaus eine Erwähnung wert sind. Angefangen von ihrem Labyrinthorgan bis hin zum Marble-Farbenwechsel-Effekt oder dem sogenannten „Curlen“ sind sie wahre Meister der Überraschung, die stets nochmal eine „Schippe drauf legen“ können.


8.1 Das Labyrinthorgan

Dank dieses speziellen Organs, das im Übrigen auch Fadenfische, Paradiesfische, Guramis, Schlangenkopffische und ebenfalls ein paar Barsche besitzen, werden Kampffische umgangssprachlich auch als „Labyrinther“ bezeichnet. Im Laufe der Evolution mussten sich die Fische an verändernde Habitate anpassen, um zu überleben, sodass sie dieses Organ entwickelten. Wenn man sich nun diese Habitate genauer ansieht, stellt man schnell fest, dass diese Lebensräume fast schon unbewohnbar für Fische scheinen: meist sind die Gewässer, aus denen die Tiere stammen recht klein, stark von Umwelteinflüssen belastet und noch dazu sauerstoffarm, da es sich meist um stehendes Wasser handelt. Manche trocknen außerdem regelmäßig aus. Daher haben diese Fische von ihre Kiemenatmung umgestellt, bzw. funktioniert die Kiemenatmung zwar immer noch, aber wesentlich eingeschränkter und ist nicht mehr in der Lage, den kompletten Sauerstoffbedarf zu decken, weswegen die Fische dazu an die Wasseroberfläche schwimmen.

Das „Labyrinth“ befindet sich an der Kopfoberseite und wird stark durchblutet. Dabei diffundiert atmosphärischer Sauerstoff in die Blutbahn und entspricht ungefähr demselben Volumen der Schwimmblase. Gleichzeitig wird die verbrauchte Luft über die Kiemen wieder abgegeben. Vor allem die Jungfische atmen anfangs noch über Kiemen, während sich ihr Labyrinth entwickelt- erst danach nehmen sie damit Sauerstoff auf. Daher sollte der Wasserstand bei ihrer Aufzucht auch nur gering und maximal 15 Zentimeter hoch sein, damit sie nicht ertrinken.


8.2 Alterserwartung von Kampffischen

Allgemeinhin lässt sich sagen, dass Kampffische mit ungefähr 2 Jahren über die Regenbogenbrücke schwimmen. Erfahrungsgemäß fallen aber immer wieder Tiere auf, die sich dieser Pauschalaussage wiedersetzen und sich mit 2 Jahren alles andere als greisenhaft verhalten. Vor allem Kampffische, die sehr gut gepflegt wurden, regelmäßige und großzügige Wasserwechsel erlebt haben, sich nicht gegen Konkurrenten durchsetzen mussten und meist auch nie zu Zuchtzwecken herangezogen wurden oder sich häufiger überfressen haben, leben allem Anschein nach länger. Derzeit ist der älteste bekannte männliche Kampffisch im Aquarium 6 Jahre alt geworden. Ab einem gewissen Alter verändern sich Kampffische äußerlich durchaus- so hatte beispielswiese der vorgenannte Fisch eine hellere Maulpartie ausgebildet und auch seine Farben veränderten sich und wurden heller.
Wenn alle anderen Faktoren ausgeschlossen wurden, lässt sich ein „in die Jahre gekommener“ Kampffisch vor allem daran erkennen, dass er die Flossen hängen lässt und vermehrt auf Pflanzen in Nähe der Wasseroberfläche liegt. Auch bereitet ihm das Schwimmen Probleme und teilweise verweigert er das Futter, gelegentlich beginnen die Flossen sich aufzulösen. Bei solch offensichtlichen Faktoren sollte in Betracht gezogen werden, das Tier zu erlösen.


8.3 Der Marble Effekt- ein bloßer Mythos?

Häufig ist vom Marble-Effekt die Rede, wenn Kampffische urplötzlich andere Farben annehmen oder eben verlieren und noch sehr viel häufiger wird man für sie belächelt. „Der marbelt doch!“- ist häufig eine der ersten Aussagen, die fallen, wenn der heißgeliebte schöne Schwan auf einmal zum häßlichen Entlein mutiert. Was aber ist dran an der Theorie der „springenden Gene“ und sind sie grundsätzlich etwas „böses“?

Um die Marble-Thematik mit nur einem Satz zu entmystifizieren, sei daher hier angemerkt: nur dank dieser entstanden zum Beispiel die kunterbunten Koi-Kampffische.

Bis heute ist das Marbeln von Kampffischen ein Rätsel, das immer noch nicht abschließend erforscht wurde, da hierzu schlicht weitere DNA-Analysen fehlen. Das Gute: es wird aber geforscht!
Die angehende Wissenschaftlerin der Prifysgol Aberystwyth Univerity Abi Rowlands hat dazu aber eine recht plausible Erklärung, an der sie derzeit forscht. Sie geht davon aus, dass die Zeichnung, die beim Marbeln auftaucht, abhängig von zwei wichtigen Faktoren ist: nämlich zum einen der Fähigkeit, dass ein Fisch seine Farbe drastisch verändern kann und dass außerdem das anscheinend zufällig oder jedenfalls nicht völlig nachvollziehbare Vererbungsmuster diese Effekte verursacht. Daher bezeichnet „Marble“ eine Mutation beim Kampffisch, die verantwortlich für eine Farbveränderung ist.  Überdies hinaus sagt sie ebenfalls, dass unter Aquarianern die Hypothese vertreten wird, dass es sich dabei um ein übertragbares Element, das in und aus den pigmentbezogenen Genen verschoben werden würde handle. Vor allem die Unterbrechung der Pigmentproduktion in den Chromatophoren würde zum phänotypischen Effekt und deren Vererbung führen. Sie meint aber, dass diese Theorie der „springenden Gene“ hinkt und untersucht den Marbel-Effekt daher im Zusammenhang mit der Autoimmunkrankheit Vitiligo, die etliche gemeinsame Nenner aufweisen, im Gegensatz aber zum vorkommenden Vitiligo bei Vögeln und Säugtieren sind Kampffische aber fähig, einmal verblasste Farben wieder erneut anzuzeigen.

Um den Effekt auszulösen, bedarf es nicht viel: diverse Stressoren wie etwa Umsetzen, CO2-Zufuhr, schwankende Wasserwerte, Transporte, Mitfische und andere Sachen führen bereits zu ersten Veränderungen. Dabei geschieht es, dass voll gefärbte Tiere quasi über Nacht verblassen, indem diese ihre Farbe ans Wasser abgeben, dieses Phänomen hat sie zudem eindrucksvoll auf Bildern fest gehalten.

Unter den heutigen Bettas ist der Marbel-Effekt mittlerweile so weit verbreitet, dass es quasi keine Tiere mehr gibt, die nicht über diese Genetik verfügen. Einerseits eine tolle Sache, um neue Farbformen zu kreieren, andererseits auch nachteilig, wenn tolle Fische innerhalb weniger Stunden plötzlich zur grauen Maus mutieren. Aus diesem Grund ist der Koi-Farbschlag beispielsweise auch nicht „erbfest“- wenn man von Reinerbigkeit unter Kampffischen denn überhaupt reden kann. Das rechtfertigt auch die recht hohen Preise dieser Tiere, da die Farbverteilung extrem von den Elterntieren abhängt und genetisch sehr variiert- sogar bei Jungtieren einer reinen Koi X Koi Verpaarung.


8.4 Entstehung des Marble-Effekt

Erstmals tauchte das Marbeln bei dem Gefängnisinsassen Orville Gully in den ´60ern auf. Gully versuchte, einen farblosen Kampffisch zu züchten und verpaarte diese „klaren“ Tiere solange miteinander, bis er eines Tages mit gesprenkelten und gefleckten Fischen konfrontiert wurde. Er arbeitete allerdings mit Walt Maurus, einem Mitglied der IBC, zusammen, der wiederum Gullys Fische in seinem Zoogeschäft anbot. Gefrustet und wütend übersandte Gully Maurus die Tiere, der aber ein großes Potential in ihnen erkannte und sie weiter züchtete- selbst weitere Mitglieder der IBC bekannten sich als Liebhaber,  sodass das Marble Gen, das selbst in einer Population von Marble x Marble nicht zu 100% weiter vererbt wird, als willkommenes Experiment in der Kreuzung verwendet wurde. Wie so oft fand auch der Marble über kurz oder lang seinen Weg wieder zurück nach Asien und wurde dort verkreuzt und gezüchtet, sodass wir uns heute über extrem farbenreiche Fische freuen können.

Letztlich bietet die Marble-Genetik einen unglaublichen Pool an Möglichkeiten, der unter anderem dazu beigetragen hat, dass die beliebten Koi, Grizzle, Hellboy, Samurai und wie sie alle heißen, heute im Aquarium schwimmen. Aufgrund der vielfältigen Kreuzungen könnte man heutzutage sogar eher vom Betta domesticus als vom B. splendens reden und eine ganze Bibliothek zusammen schreiben- und selbst dann hätten wir das Ausmaß und weitere neue Formen noch nicht vollständig erfasst. Gesundheitlich weisen Kampffische mit Marble-Genen keine gesundheitlichen Einschränkungen im Vergleich zu „normalen“ Kampffischen auf. Sie bieten aber die Möglichkeit einer gezielten „genetischen Manipulation“ an- denn selektierte Zucht, bzw. Linienzucht ist nichts anderes. Gerade diese hat, einmal quer durch eine Verkaufsanlage den Blick geworfen, mit dazu beigetragen, dass wir heutzutage eine schier nicht enden wollende Palette an Farben und Formen haben.

Leider, und das sollte nicht unerwähnt bleiben, hat sie aber eben auch diverse Qualzuchten, wie sie vor allem in asiatischen Ländern auch heute noch gezüchtet und praktiziert werden, hervorgebracht. Theoretisch gesehen ist der Marble-Effekt aber nicht wirklich außergewöhnlich, wenn man bedenkt, dass auch in freier Wildbahn Wildfische zu völlig neuem Aussehen und sogar zu eigenen Unterarten gänzlich ohne menschliches Zutun mutieren. Das beste Beispiel dafür stellt beispielsweise die sogenannte „schnelle Evolution“ von wilden Guppys dar, die sich in einem abgeschlossenen Habitat befinden und sich bereits nach nur vier Generationen in ihrem Erscheinen verändern können.


8.5 Curly – wenn Kampffische die Flossen verdrehen

Wenngleich dieser Effekt etwas weniger bekannt ist, ist er dennoch vorhanden. Gelegentlich „curlen“ Kampffische ihre Flossen, hauptsächlich die langen und spitz zulaufenden Brustflossen. Dieses Verdrehen kann mehrere Ursachen haben. Eine davon ist ein recht stattliches Alter des Fisches.
Eine weitere ist das Abheilen von Flossenverletzungen- gelangweilte und langflossige Kampffische neigen manchmal dazu, ihre eigene Schwanzflosse anzugreifen und zu zerbeißen, da sie sie als Angreifer sehen. Manchmal glättet sich das neue Flossengewebe nicht mehr in den ursprünglichen Zustand.

Die häufigste Ursache ist aber wohl ein hoher pH-Wert. Auch wenn KaFis in quasi jedem Wasser gepflegt werden können, so fangen sie beim Umsetzen in härteres Wasser mit einem höheren pH-Wert urplötzlich mit dem Curlen an. Auch während der Balzzeit oder aber nach heftigen Angriffen mit Artgenossen können sie mit dem Curlen anfangen.

Das Curlen stellt aber keine wirklich lebensverändernde Sache dar, die Fische können trotz dessen gut leben und sind nicht eingeschränkt. Eine einzige Ausnahme stellt aber eine beginnende Flossenfäule dar, auch dann drehen sich die Flossenspitzen ein- und sollten behandelt werden

9. Farbformen

Meistens erhalten erstgezüchtete Farbschläge Namen des Züchters, die dabei verschiedene Kombinationen von Farben- und Zeichnungsgenen benennen. Die folgenden Gene sind derzeit bei Kampffischen bekannt:

9.1 Farbgene


1. Rot- dominant. Rot auf Körper und Flossen. Kein Glanz, nicht durchsichtig
2. Gelb/ Nichtrot 1 – rezessiv. Reduziert Rot zu Gelb.
3. Orange/ Nichtrot 2 – rezessiv. Reduziert Rot zu Orange. Orange X Orange ergibt 75% Orange, 25% Cambodian, das wiederum essentiell für Orange ist.
4. Red Loss – vermutlich dominant. Ursprünglich rote Fische verblassen mit der Zeit, Verletzungen „reaktivieren“ die Farbe, „Extended Red“ wird aber nicht beeinflusst.
5. Steel Blue – co-dominant. Stahlblau, Farbintensität nach Unterfarbe und Dichte variabel.
6. Royal Blue – co-dominant. Royalblau, Farbintensität nach Unterfarbe und Dichte variabel.
7. Turquoise / Green - co-dominant. Türkisblau, Farbton nach Unterfarbe und Dichte variabel
8. Melano Black – rezessiv. Tiefschwarz auf Körper und Flossen. Schwarz wie bei Black Mollys. Weibchen infertil. Es werden Eier gelegt die sich nicht vollständig entwickeln.
9. Black Lace – rezessiv. Schwarz mit Glanzschicht auf Körper und Flossen, Flossenenden sind durchsichtig schwarz.
10. Blond / Bright – rezessiv. Schwarze Körperfarbe ist reduziert. Blond + Steel = silbergrau, Blond + Black = ausgewaschenes Schwarz, Blond + Red = helles Kirschrot
11. Dragon - Auswahlzucht nach Hybridisierung? Verdickte weiße Glanzschicht. Wird mit dem Alter immer dicker. Aus der Einkreuzung von B. Mahachaiensis entstanden. Dragons können im Alter Tumore entwickeln. Eine Schicht über dem Auge (Alien Eyes) ist nicht erwünscht (Effekt einer verspiegelten Sonnenbrille, der Fisch kann immer noch sehen).
12. Cambodian – rezessiv. Xanthic, Fleischfarbener Körper, rote Flossen
13. Metallic - co-dominant. Gelb reflektierende Glanzschicht, durch Einkreuzung von B. Mahachaiensis und/oder B. imbellis entstanden


9.2 Zeichnungsgene

1. Black Head - Splendens Wildform. Kopf ohne Glanzschicht. Standart vor Einkreuzung von anderen Unterarten.

2. Butterfly / Variegated Fins – dominant. Ein weißes Band in den Flossen, sauber abgegrenzt, idealerweise 1/3 der Fläche der Flossen bei 3 Farben, 1/2 bei 2 Farben. Form von Marble.

3. Marble – dominant. Marmor / Scheckung, kann extrem variieren. Die Farbe kann sich mit der Zeit verändern

4. Masked – Hybridisierung. Durch Einkreuzung entstanden, Glanzschicht erweitert auf den Kopf

5. Full Masked – Hybridisierung. Glanzschicht komplett lückenlos am gesamten Kopf

6. Spread Iridocyte - dominant? Erweitert die Glanzschicht vom Körper auf die Flossen

7. Extended Red – rezessiv. Ausbreitung und Intensität von Rot ist erweitert

 

9.3 Farbkombinationen mit eigenständigen Bezeichnungen und sonstigen Farben

1.      Albino - Komplett farblos mit roten/pinken Augen, selten

2.      Armageddon- Blauer Körper, gelbe Flossen mit roten Sprenkeln und blauen Rändern

3.      Apocalypse - Grüner Körper, orange Flossen

4.      Bi-Color- Zweifarbig

5.      Black Orchid- Steel Blue Glanz in den Flossenansätzen, schwarzer Körper

6.      Clear / Cellophane- Durchsichtig, farblos. Fleischfarbener Körper, transparente Flossen, tritt z.B. bei Marble auf

7.      Chocolate - Dunkelbrauner Körper, orange-goldene Flossen

8.      Copper - Steel Blue + homozygot Metallic

9.      Dalmatian - Flossen rot oder orange oder gelb gesprenkelt, Körper Cambodian

10.  Dark Bicolor - Zweifarbig mit dunklem Körper

11.  Devil - Schwarzer Körper, rote Flossen

12.  Extended Red - ein Gen - die rote Schicht ist auf den gesamten Fisch erweitert

13.  Fancy - Modebezeichnung für bunte Multicolor

14.  Galaxy Koi - Koi mit einzelnen Glitzerschuppen

15.  Gold - Gelb/Orange Metallic (hom.)

16.  Grizzle - Marble mit schattiger Fleckung

17.  Hawk - Dorsale neigt nach vorn

18.  Hellboy - Schwarzer Körper und rote Flossen

19.  Koi - Fleckiges Marble mit mehr als 2 Farben

20.  Lavender - Wie Salamander aber mit Lila Platinum Körper

21.  Light Bicolor - Zweifarbig mit hellem Körper

22.  Marble Black - Schwarzer Fisch, Auswahlzucht, kann sich mit der Zeit verändern

23.  Mascot - Blauer Körper, rote Flossen

24.  Monster - Weißer Kopf, bunter Körper

25.  Multicolor - Mehrfarbig

26.  Mustard Gas - Grüner oder blauer Körper, gelbe / orange Flossen, ähnlich Chocolate

27.  Nonblue - kein Gen? Auswahlzucht? Manche Fische besitzen keine (oder eine kaum) sichtbare Glanzschicht

28.  Panda - Schwarz gefleckter Körper auf hellem Hintergrund

29.  Pastell - Pastellfarben, heller Körper, meist weiß, blau oder grün. Genetisch: Cambodian + Steel Blue + Spread Iridocyte + Nonred + Opaque (optional)

30.  Piebald - Optisch ähnlich wie Marble, farblose Flecken mit gerader Abgrenzung, selten

31.  Pineapple - Schwarz geränderte Schuppen, schwarzes Netzmuster

32.  Platinum - Sieht aus wie eine metallisch glänzende Schicht

33.  Reduced Red - Körper dunkler blau oder grün, Rot nur in den Flossen, kein Gen

34.  Salamander - Rosa/Lila Körper, rote Flossen, weiße Butterfly Flossenränder

35.  Super Black - Kombination aus Melano Black und Black Lace, Weibchen infertil

36.  Thai Flag - Rot, weiß, blauer Multicolor

 

 

 

 

Weitere Themen werden hier in Kürze ergänzt:

* Alien-Eyes bei Dragon und Copper
* Häufige Krankheiten und Parasiten
* Abkürzungen und Fachbegriffe
* Flossenformen – Langflosser und Plakat
* Kampffisch-Wettbewerbe
* Traditionen und Kampffischzucht in Asien

 

Dieser Blogbeitrag entstand unter anderem mithilfe nationaler und internationaler Kampffischzüchter, Importeure und Show-Veranstaltern.

 

 

 

 

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