Muscheln im Gartenteich

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Muscheln im Gartenteich

Denkt man an Muscheln, denkt man zuerst einmal an den Strand und ans Meer, aber auch im Süßwasser gibt es Muscheln - bisher sind 1200 Arten bekannt!

Manche Arten liegen einfach frei im Wasser auf dem Boden, andere wiederum spinnen sehr zähe, feste Fäden, die sogenannten Byssusfäden, mit denen sie sich auf harten Substraten fest heften, aber sehr viele Arten graben sich auch in weiche Substate ein und ragen dann nur noch halb aus dem Boden.

Die Muscheln oder Bivalvia gehören biologisch gesehen zu den Mollusken (Weichtieren). Anders als Schnecken haben Muscheln jedoch immer zwei Schalenteile. Diese Schalen bestehen aus Kalk und sind durch das sogenannte Schloss und das Schlossband (Ligament) miteinander verbunden. Das Schloss ist mit typischen Zähnchen besetzt und schützt die Schalen dadurch vor seitlicher Verschiebung. Die Schalen sind außen von einer Eiweißschicht, dem Periostracum, überzogen, das den Kalk vor Korrosion durch Säure schützt. Innen liegt der Mantel an. Die Muschelschale wächst entlang der großen Öffnung, wo die Muschel mit ihrem Mantelsaum bei jeder Wachstumsperiode Kalk zubildet. Bei vielen Muschelarten kann man deutlich Wachstumsstrukturen erkennen, die den Jahresringen von Bäumen ähneln, weil die Tiere periodisch wachsen und nicht gleichmäßig.

 



Im Mantelraum der Muschel liegen auch ihre Kiemen, die die Tiere mit Sauerstoff aus dem Wasser versorgen. Dazu wird Atemwasser auf der einen Seite mit Hilfe von eifrig strudelnden Wimpern eingezogen, das verbrauchte Wasser wird auf der anderen Seite wieder ausgestoßen.

Auf den Kiemen liegt ein klebriger Schleim, in dem sich Futterpartikel aus dem Atemwasser sammeln und der dann mit den Partikeln zum Mund transportiert wird. Süßwassermuscheln fressen ausschließlich Schwebstoffe aus dem Wasser: Schwebealgen, kleine aufgewirbelte Detritus-Partikel, Mikroorganismen, winzige Pflanzenteile, kleinste Würmer und Krebstiere, …

Genau wie die Schnecke hat auch die Muschel einen muskulösen Fuß, den sie zum Graben und zur Fortbewegung nutzt. Mit diesem Fuß begibt sich die Muschel in für sie günstige Areale mit guten Futter- und Wasserbedingungen. Anders als Schnecken haben Muscheln jedoch keinen wirklichen Kopf. Er hat sich zurückgebildet, und es ist nur noch die Mundöffnung vollkommen vorhanden. Augen, Tentakel … kommen nur noch als Rudimente vor — wenn überhaupt.


Viele Arten der Süßwassermuscheln sind getrennt geschlechtlich. Sie pflanzen sich in der Regel über Larvenstadien fort, die beispielsweise bei den Großmuscheln parasitisch in den Kiemen von Fischen leben oder aber wie bei der Zebramuschel planktonisch sind. Es gibt aber auch zwittrige Muschelarten, deren Larven im Inneren der Muschel ausreifen, diese Muscheln entlassen also fertig entwickelte Babymuscheln. Diese Fortpflanzungsstrategie verfolgt beispielsweise die Erbsenmuschel und auch die Körbchenmuschel (Corbicula).

Neben dem muskulösen Fuß hat die Muschel auch noch zwei ausgesprochen kräftige Schalenmuskeln, die die Schalen bei Gefahr sehr fest schließen können. Wer je versucht hat, eine Muschel aufzubrechen, weiß, wie stark die Tiere sind. Manche Krebse haben daher eine ausgesprochen clevere Strategie entwickelt, Muscheln zu knacken: Schaffen sie es, ihre harten Scherenfinger in die Öffnung zu stecken, halten sie ganz mühelos einfach so lange gegen, bis die Muschel erschöpft ist, und dann öffnen sie sie und löffeln sie aus.

Die meisten Muscheln sind im Aquarium aber auch ohne Fressfeinde nicht einfach zu halten — es ist zu sauber, zu warm, es gibt für die Muschel zu wenig oder den falschen Bodengrund zum Graben, die Versorgung mit Staubfutter verschmutzt das Wasser zu schnell, die Tiere fühlen sich zu oft beispielsweise von krabbelnden Garnelen oder neugierigen Fischen gestört und verhungern letzten Endes, weil sie zugeklappt nicht fressen …

Im Gartenteich verhält sich die Sache jedoch ganz anders! Die Verhältnisse im Teich sind viel besser für Muscheln geeignet. Die Wassermenge ist in den allermeisten Fällen deutlich größer, so wird einiges an potentiell schädlichen Stoffen weggepuffert. In der Regel gibt es keinen Filter, der das Wasser klärt, der Nährstoffeintrag durch Laub und andere ins Wasser fallende Dinge ist gegeben, und durch die Sonneneinstrahlung beziehungsweise das natürliche Tageslicht werden Schwebealgen im Wachstum deutlich gefördert. Am Boden des Teiches sammelt sich ordentlich Detritus, der für Kleinstlebewesen eine gute Nahrungsgrundlage bietet und der eine relativ kompakte Schlammschicht bildet. Im Teich gibt es also immer etwas zu fressen für Muscheln, sie halten sich im Gartenteich sehr viel besser als im Aquarium und können hier mehrere Jahre alt werden, manche Arten sogar ein Jahrzehnt und noch mehr! Süßwassermuscheln im Gartenteich fungieren als kleines biologisches Klärwerk, sie halten Schwebealgen und Bakterien im Freiwasser im Zaum und sorgen im Teich für klare Sicht und sauberes Wasser. Das Risiko für Algenblüten sinkt deutlich, wenn Muscheln im Teich präsent sind.

Tropische Muscheln eignen sich natürlich nicht für die ganzjährige Haltung im Gartenteich, aber es gibt viele unterschiedliche Muscheln, die in Mitteleuropa ihr natürliches Verbreitungsgebiet haben. Auf nicht heimische Muscheln im Freiland sollte man tunlichst verzichten, es besteht die Gefahr, dass die Larven zum Beispiel durch Wasservögel in natürliche Gewässer verschleppt werden und dort die Fauna verfälschen. Unsere heimischen Muscheln bieten eine sehr gute Auswahl für Gartenteiche, sodass man auf Muscheln aus anderen Erdteilen gar nicht angewiesen ist. Für eine ganzjährige Haltung muss sichergestellt sein, dass der Teich nicht vollständig durchfrieren kann, er sollte also mindestens eine Wassertiefe von 1 m haben. Günstig ist es, wenn der Teich mehrere unterschiedlich tiefe Zonen aufweist.


Malermuschel (Unio pictorum)

In der Natur findet man die mit bis zu 10 cm sehr groß werdende Malermuschel in Mitteleuropa in Seen, Flüssen und Altarmen. Sie eignet sich hervorragend für die ganzjährige Haltung im Gartenteich. Ihre Schalen werden sehr dick, die Form ist langgestreckt-oval, die Farbe gelblich bis dunkelbraun.
Die Malermuschel lebt in Symbiose mit Bitterlingen. Die weiblichen Fische legen ihre Eier in der Muschel ab, wo die Fischlarven aufwachsen, und die Muschellarven benötigen die Kiemenblätter der Fische zum Heranwachsen. Die Fische werden dabei nicht geschädigt. Ohne Malermuscheln ist die Zucht von Bitterlingen praktisch nicht möglich.


Große Teichmuschel (Anodonta cygnea)

Die Große Teichmuschel mit ihren dünnen Schalen kann stolze 26 cm lang werden und ein Alter von über 15 Jahren erreichen. Sie ist gelblich bis hellbraun und hat sehr auffallende, dunkle „Jahresringe“. Sie besitzt keine Schlosszähne, aber hat dafür eine sehr ausgeprägten haiflossenähnlichen Kamm auf einer Seite. In der Natur ist sie stark gefährdet, da sie sehr sauberes Wasser braucht. Auch die Große Teichmuschel ist ein Wirt für Bitterlinge, ebenso wie die Malermuschel. Ihre Larven wiederum parasitieren bis zu vier Wochen in den Kiemen von Fischen, bis sie zu kleinen Muscheln heranwachsen.


Gemeine Teichmuschel (Anodonta anatina)

Sie ist mit der Großen Teichmuschel nah verwandt und ähnelt ihr sowohl im Aussehen als auch in der Lebensweise. Sie bleibt allerdings mit nur 10 cm deutlich kleiner als sie, und ihre „Jahresringe“ sind weniger ausgeprägt. Ihr fehlt auch die auffallende „Zacke“ neben dem Schloss. Früher war sie so häufig, dass sie als Schweinefutter genutzt wurde, heute ist auch die Gemeine Teichmuschel aufgrund der zunehmenden Gewässerverschmutzung in der Natur stark gefährdet und wie die Große Teichmuschel auch streng geschützt.


Abgeplattete Teichmuschel (Pseudanodonta complanata)

Auch sie kommt in Deutschland in der Natur vor. Ihre Schale hat eine auffallend flache, platte Form, sie ist kaum halb so dick wie hoch. Sie ist hellbraun mit dunklen Streifen und bleibt mit 8 cm eher kleiner. Ihre Innenseite hat einen sehr auffallenden Perlmuttglanz. Vom Verhalten und der Fortpflanzungsbiologie her ähnelt sie der Großen und der Gemeinen Teichmuschel außerordentlich.


Wandermuschel (Dreissena polymorpha)

Die Wandermuschel wird wegen ihres typischen Musters auch Zebramuschel genannt. Sie ist ursprünglich in Europa heimisch und kommt bei uns in Fließ- und Stillgewässern vor. Sie wurde mit dem Ballastwasser von Schiffen (übrigens ein sehr typischer Verbreitungsweg für nicht heimische Muscheln) unter anderem in den Eriesee eingeschleppt, wo sie durch ihre enorme Filterleistung und ihre fast schon explosionsartige Vermehrung dafür sorgte, dass sich innerhalb von 20 Jahren die Sichttiefe mehr als verdoppelte. Sie neigt bei viel Futter zu sehr starker Vermehrung und bildet dann buchstäblich Schichten. Die Zebramuschel ist recht sessil und verankert sich mit Byssusfäden an harten Oberflächen. Sie kann diese Fäden aber auch wieder lösen und ihren Standort wechseln, wenn ihr die Bedingungen nicht mehr zusagen. Sie entlässt Larven, die aber keine Fische zum Heranwachsen brauchen und nicht parasitisch sind, sondern die sich als Teil des Benthos (alle am Bodengrund von Gewässern vorkommenden Lebewesen) zu Muscheln entwickeln. Die Zebramuschel ist eine sehr gut geeignete kleine Muschel für Gartenteiche.


Körbchenmuschel (Corbicula sp.)

Mittlerweile gibt es von der kleinen Körbchenmuschel (Corbicula) auch in Europa im Freiland große Populationen, sie gilt bei uns als invasive Art. Die 3 cm große gelbliche bis goldgelbe Muschel ist lebend gebärend, die Larven reifen also im Inneren der Muschel heran und werden erst als winzige, fertig entwickelte Muscheln entlassen. Sie leben nicht parasitisch, sondern beginnen gleich nach dem Entlassen mit dem Filtrieren.
Nur eingeschränkt für Gartenteiche zu empfehlen - sie vermehrt sich hier zwar wunderbar auch im Freiland, ist aber keine heimische Art und darf keinesfalls in die Natur entkommen!

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