Schneckenplage im Aquarium

Beitrag teilen:

Was tun bei Schneckenplagen?

Plötzlich im Becken aufgetauchte Schnecken kommen oft als blinde Passagiere mit Pflanzen ins Aquarium. Die meisten Aquarianer, die Schnecken in ihrem Aquarium entdeckt haben, möchten sie wieder loswerden – fast jeder hat schon Horrorgeschichten über wahre Schnecken-Bevölkerungsexplosionen gehört. Und diese Geschichten haben einen wahren Kern. Wenn Schnecken genügend Futter finden, vermehren sie sich wie Karnickel, und sie können weniger vermehrungsfreudige Schneckenarten verdrängen.

Auf gar keinen Fall sollten chemische Schneckenvernichtungsmittel eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um Biozide, die nicht nur bei Schnecken, sondern auch bei Garnelen und bei manchen Fischarten eine verheerende Wirkung haben. Besonders bodenbewohnende Fische reagieren sehr empfindlich auf diese Behandlung.

Bevor wir uns damit beschäftigen, was man gegen diese Schnecken tun kann, sollten wir uns allerdings ansehen, was diese vermeintlichen Plagegeister für uns tun können.

Viele Fisch- oder Garnelenhalter neigen dazu, zu viel zu füttern. Viele Fische sind wahre Schauspieltalente und geben meisterhaft den armen verhungernden Flossenträger. Wir alle wissen, wie groß die optimale Futtermenge ist, doch wenn wir ehrlich sind – wer kann diesen Blicken widerstehen? Nicht gefressenes Futter sammelt sich am Boden, rutscht zwischen den Kies oder häuft sich in dunklen Ecken, zum Beispiel unter der Wurzel, und verrottet dort unbemerkt. Das fördert das Algenwachstum und kann im Extremfall zu Bakterienblüten und einer starken Sauerstoffzehrung führen.

Hat man jedoch genügend Schnecken im Becken, fressen die ganz einfach diese Futterreste.

Physa sp., die Quellblasenschnecke , wird maximal 1 cm groß und vermehrt sich bei viel Futter sehr stark. Da sie hauptsächlich Algen, Biofilme und abgestorbene, verrottende Pflanzenteile frisst, kann das auch in einem frisch eingerichteten Becken passieren, in dem noch nicht gefüttert wird. Sobald sich die Aquarienbiologie eingependelt hat, stehen weniger Algen zur Verfügung, und die Anzahl der Schnecken geht zurück. Blasenschnecken nehmen gern Fisch- oder Garnelenfutter (und vermehren sich bei überfütterten Aquarien weiterhin stark), und zu unbemerkt gestorbenen Aquarientieren sagen sie nicht nein – was gut ist, da so die Wasserwerte nicht durch sie beeinträchtigt werden. Physa sp. geht nicht an gesunde Pflanzen, ihre Radula (Raspelzunge) ist nicht hart genug, um diese zu bewältigen.



Posthornschnecken (Planorbella duryi) können eine Größe von 2 cm erreichen. Algen, Detritus und Futterreste werden sehr gern genommen. Sie sind noch bessere Aasfresser als Blasenschnecken. Posthornschnecken gehen nicht an lebende Tiere.
Die braune Wildform mit dunkelbraunem Gehäuse und dunkelgrau-bräunlichem Körper (Link) ist weit verbreitet. Junge Posthornschnecken haben Punkte, die an ein Leopardenmuster erinnern. Sie weichen einer gleichmäßigen Färbung, sobald die Schnecken geschlechtsreif werden.

 


Farbvarianten der Posthornschnecke

Die rot-goldene Farbform mit orangerotem Körper und goldenem Gehäuse ist wohlbekannt. Die blaue Posthornschnecke hat ein weißlich-durchsichtiges Haus und einen dunklen Körper. Die Körperfarbe schimmert durch das Gehäuse und lässt es blau wirken. Die pinke Variante besitzt ebenfalls ein weißliches Haus und einen roten Körper, was sie rosa aussehen lässt. Es gibt noch viel mehr Farben, und immer wieder tauchen neue auf: Es gibt apricotfarbene, grünliche oder schwarze Farbformen und viele mehr. Diese Farbvarianten der Posthornschnecke überschreiten die Grenze zwischen ungebetenem Gast und "dekorativer" Schnecke.



Turmdeckelschnecken (Melanoides tuberculatus) fressen Detritus. Außerdem graben sie den Bodengrund um, arbeiten den entstehenden Mulm ein und machen ihn so für die Pflanzen verfügbar, und sie verhindern Faulstellen im Boden. Turmdeckelschnecken haben, anders als Posthornschnecken und Blasenschnecken, keine Lunge, sondern sind Kiemenatmer. Das macht sie empfindlicher für Nitrit. Sobald der Nitrit-Wert auf über 0,1 mg/l steigt, beginnen Turmdeckelschnecken oft, massenhaft an die Oberfläche zu wandern, da das Wasser dort einen etwas höheren Sauerstoffgehalt hat. Sie reagieren viel früher auf Nitrit als Fische; wenn man also eine solche Massenwanderung zur Oberfläche bemerkt, sollte man zunächst den Nitritwert messen und, falls notwendig, einen größeren Wasserwechsel durchführen.
Es gibt sie in dunkelbraun, schwarz und karamellfarben; manche haben ein dunkleres Muster. An gesunde Pflanzen gehen sie nicht.

Tarebia granifera, die genoppte Turmdeckelschnecke, liebevoll "Nöppi" genannt, hat ein skulpturiertes Haus und bleibt kleiner und gedrungener als M. tuberculatus, ebenso die Stachel-Turmdeckelschnecke (Mieniplotia scabra, früher: Thiara winteri). Vom Verhalten gibt es praktisch keine Unterschiede.

Diese drei Arten sind lebendgebärend und vermehren sich durch Jungfernzeugung (Parthenogenese). Dies bedeutet, dass die Weibchen sich eigenständig fortpflanzen können – eine einzige Schnecke reicht, um nach und nach ein ganzes Aquarium zu bevölkern.



Die einzige öfter unabsichtlich eingeschleppte Schnecke, die tatsächlich Pflanzen frisst, ist die Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis).

Dennoch gibt es einige Garnelenhalter, die sie sogar mit voller Absicht einsetzen: Spitzschlammschnecken fressen nicht nur Pflanzen (oder besser, Löcher in Pflanzen), sondern auch Hydren. Süßwasserpolypen können in Garnelenaquarien sehr lästig werden, daher kann man großzügig über ein paar angeknabberte Blätter hinwegsehen und die Spitzschlammschnecke ihren Appetit an Hydren stillen lassen.


Unabsichtlich eingeschleppte Schnecken können also sogar nützlich sein. Aber wir waren nicht immun gegen die bettelnden Blicke der Fische, haben zu viel gefüttert, und nun gibt es nicht nur ein paar nützliche Schnecken im Aquarium, sondern Hunderte. Was tun?

Zuallererst sollte man die Futtermenge reduzieren beziehungsweise - soweit möglich - auf andere Futterarten ausweichen. Viele Fische nehmen gerne Lebendfutter, an das diese Schnecken nicht gehen. Und selbst wenn die Aquarienbewohner darüber möglicherweise anders denken – Fische und Garnelen müssen nicht jeden Tag gefüttert werden, wenn es im Becken keine Jungtiere gibt. Füttert man nur noch jeden zweiten Tag, reduziert sich die Futtermenge, die den Schnecken bleibt, und sie vermehren sich langsamer. Diese Methode ist auf lange Sicht die beste, wirkt sich aber erst nach Wochen auf die Zahl der Schnecken aus – man braucht Geduld und muss konsequent bleiben.



Soll die Zahl der Schnecken schneller reduziert werden, kann man eine Schneckenfalle einsetzen oder einfach ein Stück Gurke ins Becken legen und damit die Schnecken absammeln.

Schnecken sollten niemals die Toilette hinuntergespült oder ausgesetzt werden! Da viele Arten in unserem Klima überleben können, stellen sie eine ernsthafte Bedrohung für die heimische Fauna dar.

Besitzer von Kugelfischen, Schildkröten oder Raubschnecken freuen sich immer über eine Futterspende. Futterschnecken lassen sich auch über Foren und Gruppen anbieten, gegen Portoerstattung wird man sie eigentlich immer los.

Die beste und am wenigsten umständliche Möglichkeit, die Schneckenpopulation zu kontrollieren, ist aber immer eine angepasste Futtermenge.

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

  • Ringelhandgarnelen fressen Blasenschnecken

    Meine Ringelhandgarnelen fressen sehr gern Blasenschnecken, sie rotten sie zwar nicht aus, halten sie aber im Zaum. Habe noch nicht bemerkt, dass sie sich an lebenden Fischen - auch Jungfische - vergreifen.