NH Thailand Tour - Habitat: Knallrote Süßwasserkrabben - Besuch: Thailändische Wirbellosenfarm!

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Relativ am Ende unserer Reise gingen wir noch zwei Tage nach Phuket. Vom dortigen Flughafen aus sollte unser Flug nach Hause starten, und wir nutzten daher die Gelegenheit, unseren Freund Farook zu besuchen, der dort eine kleine Wirbellosenfarm im Haus seines Vaters betreibt. Unsere Unterkunft war recht nah bei seiner Farm, und wir waren sehr gern bei ihm zu Gast.

Kurz zu Farook — wir haben ihn über Facebook kennen gelernt, dort ist er in einer Thailand-Gruppe aktiv, in der wir auch mitschreiben. Als wir dort erwähnten, dass wir nach Thailand gehen, hat er uns zu sich auf seine Farm eingeladen, und er meinte, er habe sehr viele tolle Krabben, und wir sollten unbedingt vorbeikommen. Er ist noch nicht sehr lang im Geschäft, aber er hat sich da eine wirklich schöne kleine Anlage aufgebaut und ist mit viel Herzblut dabei.

 

Batikkrabben (Metasesarma obesum)

Hier sieht man die Batikkrabben (Metasesarma obesum), die Farook hauptsächlich in andere asiatische Länder exportiert. Sie kommen direkt bei ihm vor der Haustür vor, und er verschickt sie nach Hong Kong zu einem Großhändler, von wo aus sie in alle Welt verschickt werden.

 

Mineralstoffe werden auch in Thailand groß geschrieben

So werden die Batikkrabben zwischengehältert. Wie man sieht, hat Farook die Bedeutung und die Wichtigkeit von Mineralstoffen erkannt und setzt entsprechende Mittel ein. Eine tolle und auch optisch etwas attraktivere Alternative zu den hier verwendeten Sepiaschalen wären für das heimische Aquarium oder Aquaterrarium zum Beispiel die NatureHolic Mineralcubes

 

Macrobrachium aus Thailand

Diese großen schwarzen Macrobrachien haben wir in Farooks Farm aufgenommen, aber sie leben auch wild in einem Wasserfall bei Phuket, praktisch direkt bei Farouk vor der Haustür. 

 

Procambarus clarkii "Ghost" voll im Trend

In Thailand sind Procambarus clarkii "Ghost" gerade der letzte Schrei, und sie werden zu wirklich aberwitzigen Preisen gehandelt: der teuerste Krebs der Welt, ein ganz besonders schön gefärbter clarkii Ghost, wurde in Thailand für sage und schreibe 1 Million Baht verkauft (das entspricht etwas mehr als 25.000 Euro!). Für einen durchschnittlichen jungen clarkii Ghost werden Preise von um die 2.000 Baht aufgerufen, immerhin umgerechnet 50 Euro. Auch Farook hat wunderschöne blaue clarkii Ghost bei sich in der Anlage sitzen. Es gibt in Thailand sehr viele Krebsfans, und auch Farook gehört dazu.

Leider wurden diese Tiere in Europa verboten, bevor sich der Trend zum Ghost so richtig bei uns durchsetzen konnte, und mittlerweile ist die Zucht und Weitergabe von allen Varianten von Procambarus clarkii nicht mehr erlaubt, was ich sehr schade finde — die Tiere sind einfach toll! Deshalb erfreuen wir uns an den Fotos aus Thailand, wo gezielt an der Farbform weitergezüchtet wird.

 

Farooks Anlage

Hier sieht man einen Teil von Farooks Farm … "Farm" ist vielleicht ein bisschen viel gesagt, er hat drei Räume für seine Tiere. Farook war vor unserem Besuch ganz aufgeregt und räumte auf und machte sauber, und seine Minifarm war wirklich sehr schön und sehr präsentabel.
Farook hält neben den Landkrabben und Einsiedlerkrebsen auch verschiedene Flusskrebse: neben seinen Procambarus clarkii hat er auch noch Floridakrebse.

 

Plädoyer für die Aquaristik

Farook und sein Vater wohnen in einer sehr armen Gegend, man könnte das Viertel fast schon einen Slum nennen. Der Wirbellosenhandel sichert sein Überleben, und als wir mit ihm in der Natur unterwegs war, erzählte er uns, dass auch hier immer mehr Hotels gebaut werden, die die Natur immer weiter zurückdrängen. Er ist einer der ganz wenigen (wenn nicht der einzige), die sich  in der Gegend um den Naturschutz und um den Habitaterhalt kümmern — sein Verdienst, sein ganzes Leben hängen daran, dass nicht alles zerstört wird! Wie wir finden, ein weiteres schönes Beispiel, dass die Aquaristik und die Tierhaltung im allgemeinen nicht alles kaputt macht, sondern im Gegenteil einen Anreiz gibt, dass die Umwelt geschützt und erhalten wird. Außer Farook, der davon finanziell abhängig ist, interessiert sich dort nämlich leider kein Mensch dafür, dass ein schöner Wasserfall mitsamt den dort vorkommenden Tieren geschützt wird. Leider Gottes ist das in diesen Ländern oft so …


Dort gibt es tausende von Krabben in der Natur, und das, was Farook dort sammelt, hat in keinster Weise einen negativen Einfluss auf die Arten. Aber sein Einfluss auf seine Mitmenschen ist groß. Er ist eine Stimme in seinem Dorf, die dazu aufruft, keinen Müll in die Habitate zu werfen und die Natur nicht zu zerstören. Das sollten alle, die ein Exotenverbot fordern, um die Natur zu bewahren, im Hinterkopf behalten — mit einem Verbot erreichen wir das Gegenteil, dadurch wird einer hemmungslosen Habitatzerstörung in den Herkunftsländern unserer Tiere Tür und Tor geöffnet. Die Ärmsten der Armen, die Sammler, werden dadurch bestraft, und es interessiert sich dann wirklich gar niemand mehr, wie es den Biotopen ergeht. Leider geht es vielen Menschen in diesen Ländern nicht so gut, und deshalb wird aus allem Geld geschlagen, wie es irgendwie geht. Fallen die Exoten als Einnahmequelle weg, wird eben das Biotop platt gemacht, und man baut ein Hotel hin oder einen Viehzuchtbetrieb.

 

Strandkrabbe von der Küste nahe Phuket

Diese typische Strandkrabbe hat Farook selbst an der Küste von Phuket gefangen.

 

Farooks Zuchtanlage für Krebse

Hier sieht man einen Teil der Krebszuchtanlage, die sich Farook selbst zusammengebaut hat. Leider sind die Leute vor Ort nicht sonderlich gut informiert, und auch Farook hielt seine Floridakrebse für blaue Procambarus clarkii. Ihm war gar nicht bewusst, dass es sich hier nicht um dieselbe Art handelt. Andererseits hielt er den roten clarkii für eine andere Art als den Ghost. Den wissenschaftlichen Namen wird nicht viel Bedeutung beigemessen (was auch die eine oder andere Verwirrung bei den Großhändlern erklärt), die Menschen arbeiten praktisch nur mit Trivialnamen.

 

Batikkrabben-Zuchtanlage

Die Larven der Batikkrabbe, die man hier sieht, befinden sich in Farooks recht erfolgreicher Zuchtstation für Batikkrabben — bei den Metasesarma obesum, die er exportiert, handelt es sich also nicht ausschließlich um Wildentnahmen, sondern auch um Nachzuchten. 

 

Die CPO-Krabbe (Thailändische Wasserfallkrabbe Phricothelphusa limula)

Dieses Tier habe ich CPO Krabbe genannt (wissenschaftlich: Phricothelphusa limula). Farook berichtete uns von einer knallrot-orangenen semiterrestrischen, im Süßwasser lebenden Krabbe mit großen Eiern, die praktisch direkt vor seiner Haustür vorkommt. Und wir waren auch ganz richtig nur ungefähr 5 Minuten von seiner Tür weg, bis wir zu diesem Wasserfall kamen. Schon auf dem Weg dahin kamen uns viele dieser tollen dunkelorangefarbenen Krabben entgegen. Sie kommen hier in sehr großen Mengen vor. Einer ihrer Namen ist Thailändische Wasserfallkrabbe.

 

Wir haben uns ernsthaft gefragt, warum sie so knallig gefärbt sind — ob es sich um eine Warnfarbe handeln könnte? Die Krabben sind richtig intensiv rotorange! Die Lösung des Rätsels: in diesem Bach gibt es rotes Gestein, und hier sind die intensiv gefärbten Tiere perfekt getarnt. Die Farbe ist also in dieser Umgebung absolut sinnvoll.

 



Diese Wasserfallkrabben sind einfach nur megahübsch. Sie werden ungefähr 6-7 cm groß und tragen große Eier. Sie brauchen also kein Salzwasser für ihre Jungen. Phricothelphusa limula wurde im Hobby bereits mehrfach erfolgreich nachgezogen und gilt als sehr gut im Aquaterrarium haltbar.

 

Phricothelphusa limula haben eine Händigkeit, also eine relativ große und eine kleinere Schere. Mit der größeren Schere wird gedroht, die kleinere ist ein gutes Werkzeug für die Nahrungsaufnahme. Wir konnten beobachten, dass die Tiere sich sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrungsquellen erschlossen haben. Sie leben an Land und auch im Wasser. In der Literatur werden sie als hauptsächlich fructivor, also Früchte fressend, bezeichnet. Auch dies lässt sich im heimischen Aquaterrarium bestimmt einfach umsetzen.



 

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