Vergesellschaftung von Fischen und großen Flusskrebsen

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Wasserwerte

Da die in der Aquaristik verbreiteten großen Flusskrebse bei der Wasserhärte längst nicht so empfindlich sind wie Garnelen, hat man bei der Auswahl der Fische mehr Möglichkeiten. Prinzipiell stammen die meisten Flusskrebse jedoch nicht aus weichem Wasser mit einem niedrigen pH-Wert, sie brauchen eher hartes Wasser und einen neutralen bis alkalischen pH von 7 bis 8. Weichwasserfische brauchen andere Bedingungen, sie sollten daher besser nicht mit Krebsen im Aquarium vergesellschaftet werden, weil die Ansprüche der Tiere nicht zueinander passen.

 

Vor einer Vergesellschaftung zu bedenken

 

Langflossige Fische

Große Flusskrebse haben große Scheren und können eine enorme Kraft entwickeln. Fische mit langen Flossen, also die Schleierformen von diversen Aquarienfischen wie Guppys, Bärblingen, Kardinalfischen und Kampffischen, aber auch langflossige Arten wie Skalare und Fadenfische sollten nicht mit Flusskrebsen im Aquarium vergesellschaftet werden. Der Krebs kneift in die Flosse und hat den Fisch - und der wird im Normalfall dann nicht nur verletzt, sondern gleich ganz gefressen. Selbst wenn der Fisch dem Krebs noch entkommen kann, können sich die Wunden stark entzünden.

Bodenlebende Fische

Fische, die wie Honigguramis oder manche Barsche und Salmlerarten am Boden schlafen oder bodenlebende Fische wie Grundeln, Antennenwelse, andere Harnischwelse oder Panzerwelse passen ebenfalls nicht zu Krebsen. Insbesondere die nachtaktiven Cherax bedienen sich gerne an schlafenden Fischen, wenn sie drankommen. Fische, die dasselbe Habitat bevölkern, können potentiell gezwickt werden, mit den Konsequenzen, die wir weiter oben beschrieben haben.

Es gibt allerdings auch Beispiele, wo eine Vergesellschaftung von Antennenwelsen und Flusskrebsen ganz problemlos möglich ist — Krebse sind einfach Charaktertiere, was bei dem einen funktioniert, geht bei dem anderen garantiert schief.

Raubfische

Ebenfalls nicht ratsam ist es, Aquarienkrebse mit Raubfischen zusammen zu halten. Räuberische Buntbarsche wie zum Beispiel einige Arten der Cichliden aus dem Malawisee oder dem Tanganjikasee vergreifen sich ebenso an Flusskrebsen wie Messerfische, große Barscharten, große Grundeln und Knochenzüngler wie der Arowana. Selbst kleinere Arten von Raubfischen können vor allem junge Krebse schwer verletzen, und bei großen Krebsen ist spätestens nach der Häutung Feierabend: solange der Krebs noch weich ist ("Butterkrebs"), haben die Räuber leichtes Spiel.

Besonderheiten bei der Aquarieneinrichtung

Flusskrebse sitzen nicht gern auf dem Präsentierteller - auch in einem Artbecken brauchen sie Höhlen und Unterstände. Achtung - viele Flusskrebse graben, Dekorationsmaterialien sollten daher so aufgestellt werden, dass sie nicht gegen das Aquarienglas kippen oder den Krebs zerquetschen können, wenn sie unterbuddelt werden. Pflanzen haben im Krebsaquarium einen schweren Stand. Sie werden ausgebuddelt, zum Teil auch gefressen oder zumindest abgezwickt. Fische, die gerne eine dichte Bepflanzung haben, sollten daher nicht mit Krebsen zusammen gehalten werden, weil das Aquarium mit Flusskrebsen früher oder später eher kahl aussehen dürfte.

Die Aquariengröße

Bei der Haltung von Flusskrebsen ist die Größe des Aquariums wichtig. Flusskrebse aus den Gattungen Cherax, Procambarus, Cambarus, Fallicambarus und so weiter werden je nach Art recht groß und brauchen eine entsprechend große und gut durchstrukturierte Grundfläche, die nicht nur Platz zum Herumlaufen bietet, sondern auch Verstecke und Sichtbarrieren. Für Fische  wird in Deutschland das Gutachten zu den Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen (Süßwasser) des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft aus dem Jahr 1998 herangezogen. Hier sind Empfehlungen für die Beckengröße bei den verschiedenen Fischarten niedergelegt, an die man sich außer bei sehr kleinen Fischen, wenn die Haltung nur vorübergehender Natur ist oder wenn die Fische zu Zuchtzwecken angesetzt werden, auch halten sollte. Mindestens 54 Liter bzw. 60 cm Kantenlänge werden verlangt, je nach Art auch mehr. Laut der österreichischen Tierhalteverordnung sind Aquarien unter 60 cm Kantenlänge bzw. unter einem Volumen von 54 Litern nicht für die Fischhaltung geeignet.

Für Flusskrebse sind 54 Liter gerade bei den mittelgroßen bis großen Arten jedoch auch schon für ein Tier deutlich zu wenig. Im Zweifelsfall gilt: bitte mehr Fläche einplanen als zu wenig!

Die Fische - Salmler

Verschiedene Salmlerarten sind eine gute Wahl für ein Krebsaquarium. Diese Fische sind in der Regel oberflächenorientiert und außerdem recht flink. Sie entkommen auch bei einem Krebs, der beschließt, auf die Jagd gehen zu wollen, normalerweise noch gut. Da einige Arten Reviere bilden, kommt ihnen eine gute Strukturierung des Aquariums ebenfalls entgegen. Freien Schwimmraum brauchen Salmler jedoch auch, was sich in einem wenig bepflanzten Flusskrebsaquarium ganz gut einrichten lässt. Salmler erkennt man gut an der kleinen Fettflosse, die sie auf dem Rücken tragen. Sie sitzt zwischen der Rückenflosse und der Schwanzflosse. Viele Salmler kommen aus eher weichem und saurem Wasser - diese Arten eignen sich dann aufgrund der anderen Ansprüche an die Wasserwerte nicht ganz so gut für die Vergesellschaftung mit Krebsen.

Salmler, die auch in etwas härterem Wasser mit einer GH bis ca. 14 °dGH gehalten werden können, sind unter anderem der Kongosalmler, der Gelbe Kongosalmler, der Rote von Rio, Kupfersalmler, der Rote Phantomsalmler, die Rotaugen Moenkhausia, der Sternflecksalmler und einige andere mehr. Salmler sind Gruppenfische und sollten in einem größeren Schwarm gehalten werden. Sie ernähren sich omnivor, sind also Allesfresser.

Ährenfische

Ährenfische wie Boesemans Regenbogenfisch und das Gepunktete Blauauge kommen gut mit härterem Wasser klar. Sie brauchen jedoch verkrautete Becken, was in einem Aquarium mit Flusskrebsen recht schwierig sein kann. Hier empfehlen wir den Einsatz von schnell wachsenden robusten Schwimmpflanzen wie Nixkraut, Wasserpest oder Hornkraut. Auch an der Wasseroberfläche treibende Pflanzen wie Froschbiss oder Muschelblumen mit ihren lang herabhängenden Wurzelbüscheln bieten den Fischen Deckung.

Lebendgebärende

Dasselbe Pflanzprinzip lässt sich auch auf ein Gesellschaftsaquarium anwenden, in dem Flusskrebsen mit Lebendgebärenden zusammen leben. Guppys, Endler, Platys oder Schwertträger passen von ihren Ansprüchen an die Wasserhärte perfekt zu Flusskrebsen. Diese Arten vermehren sich sehr stark, und so fällt es nicht stark ins Gewicht, wenn sich der Krebs einmal einen unvorsichtigen Fisch schnappt.

Kärpflinge und Reisfische

Kleinere Eier legende Zahnkarpfen, zum Beispiel Normans Leuchtaugenfisch oder auch Hechtlinge passen von den Wasserwerten her in ein Aquarium mit Flusskrebsen. Auch sie bevorzugen jedoch verkrautete Becken, dem sollte man wie bei den Ährenfischen weiter oben beschrieben mit schnell wachsenden Pflanzen Rechnung tragen.

Bärblinge und Barben

Dasselbe gilt auch für Bärblinge und Barben. Viele Bärblinge bevorzugen weiches und eher saures Wasser, aber zum Beispiel Perlhuhnbärblinge und Querstreifenbärblinge mögen gerne härteres Wasser. Auch der Zebrabärbling passt in ein Aquarium mit Flusskrebsen. Barben wie die Prachtbarbe oder die Sumatrabarbe sind ebenfalls geeignet. Auch bei Bärblingen und Barben sollte man trotz der gärtnerischen Tätigkeiten der Flusskrebse im Aquarium auf eine ausreichende Bepflanzung achten.

Harnischwelse und Zwergpanzerwelse

Die Vergesellschaftung von Welsen und Krebsen kann gut gehen, Konflikte sind jedoch aufgrund des gemeinsamen Lebensraumes in vielen Fällen vorprogrammiert. Wir empfehlen die gemeinsame Haltung von Flusskrebse und bodenlebenden Fischen nicht.

Buntbarsche

Viele Cichliden sind Raubfische und vergreifen sich sehr gerne an frisch gehäuteten Krebsen oder Jungkrebsen. Gut gehen kann eine Vergesellschaftung zum Beispiel mit Mbunas wie dem Pseudothropheus oder Cynotilapia, die sich von Pflanzen und Aufwuchs ernähren. Im Cichlidenaquarium brauchen Krebse auf jeden Fall viele Versteckmöglichkeiten, die so beschaffen sein müssen, dass die Buntbarsche nicht in die Höhlen hineingeraten können.

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