Aquarienpflanzen richtig wässern

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Was sind Aquarienpflanzen eigentlich?

Die meisten Aquarienpflanzen sind gar keine echten Wasserpflanzen, sondern wachsen in sumpfigen Gebieten, die während langen Teilen des Jahres unter Wasser stehen. Diese Sumpfpflanzen können daher sowohl unter Wasser (submers) als auch über Wasser (emers) wachsen. Ausnahmen bilden hier die echten Wasserpflanzen wie Vallisneria, Hornkraut, Wasserpest, Cabomba und die Knollenpflanzen Aponogeton und Nymphaea (Lotus). Sie können über Wasser nicht überleben und müssen deshalb zwingend submers gezogen werden.

Pflanzen aus der Gärtnerei

Die sogenannten konventionell erzeugten Pflanzen werden in der Regel in der Wasserpflanzengärtnerei über Wasser gezogen. Dadurch haben die Pflanzen Zugang zum CO2 der Luft, was von Vorteil ist, weil die Gärtnerei so die teure Kohlenstoffdüngung einsparen kann. Die allermeisten Aquarienpflanzen werden aus Kostengründen nicht in Deutschland, ja nicht einmal in Mitteleuropa gezüchtet. Die Pflanzenzucht findet überwiegend in warmen Ländern statt, vorwiegend in Asien. In diesen Ländern ist die Temperatur viel besser für die Pflanzenzucht geeignet, die teuren Heizkosten entfallen und die Pflanzen können günstig produziert werden.

Import von Aquarienpflanzen

Will man allerdings Pflanzen in die EU importieren, muss man von Gesetzeswegen absolut sicher stellen, dass sie keinerlei unerwünschte Mitbewohner, sprich Fremdorganismen, mitbringen. Beispiele wie der Buchsbaumzünsler, der Kartoffelkäfer und viele andere eingeschleppte Tiere und Pflanzen mehr sind da sehr abschreckend. Vor dem Export aus ihren Herkunftsländern werden Aquarienpflanzen daher frei von Fremdorganismen gemacht. Das geschieht in der Regel mit Pestiziden, also mit Gift. Fischen schaden diese Substanzen nicht, aber Garnelen gehören zur selben Tierklasse wie die meisten Pflanzenschädlinge - zu den Gliedertieren oder Arthropoden. Alle gegen Pflanzenschädlinge gerichteten Gifte sind daher auch für Garnelen tödlich.

Dünger

Oft hört man, dass der Dünger das Problem sei - das stimmt so nicht. Die meisten in den Pflanzengärtnereien verwendeten Dünger sind aquarientauglich und auch im Aquarium mit Garnelen nicht bedenklich - das Problem sind die Pestizide, mit denen Pflanzen vor dem Export behandelt werden oder auch beispielsweise Antischneckenmittel, die hin und wieder in eher traditionell eingestellten Zoohandlungen gegen Schnecken im Pflanzenbecken zum Einsatz kommen. Auch sie sind für Garnelen tödlich giftig.

Quarantäne für neue Pflanzen

Aus diesem Grund sollten konventionell erzeugte Pflanzen fürs Aquarium, also Pflanzen, die im Topf gezogen wurden, Bundpflanzen oder auch bepflanzte Pads, Steine und Wurzeln grundsätzlich nicht direkt ins Garnelenaquarium gesetzt werden. Ausnahme: wenn die Pflanzen aus einer zuverlässigen Quelle stammen und explizit dabeisteht, dass sie direkt eingesetzt werden können.

Auch noch so gründliches Abspülen reicht leider bei den meisten Pestiziden nicht aus - sie sind teilweise auch im Gewebe der Pflanzen eingelagert beziehungsweise haften sie sehr fest auf der Pflanzenoberfläche. 

Separat wässern

Aus diesem Grund müssen neue Pflanzen aus der Wasserpflanzengärtnerei für mindestens zwei Wochen separat gehalten werden. Sie dürften erst nach dieser Zeit ins Garnelenbecken gesetzt werden, wenn die verwendeten Pestizide ausgeschwemmt oder abgebaut wurden.

Bevor man die Pflanzen für zwei Wochen in Quarantäne setzt, entfernt man bei Bundpflanzen den Keramikring oder das Bleiband und bei Topfpflanzen das Töpfchen und so viel von der Steinwolle um die Wurzeln wie möglich.

Auch in der Quarantäne brauchen die Aquarienpflanzen natürlich Licht und Nährstoffe. Idealerweise setzt man sie daher in ein Glasbehältnis mit Aquarienwasser, das am Fenster steht - bitte wählen Sie dafür allerdings ein Fenster ohne direkte Sonneneinstrahlung, um Algenbefall zu vermeiden und um ein Überhitzen des Gefäßes zu verhindern. Vor allem im Sommer ist das eine reale Gefahr. Viele Pestizide sind UV empfindlich. Natürliches Tageslicht enthält einen gewissen Anteil von UV Strahlung und ist daher beim Abbau der Pestizide förderlich.

Wenn Sie kein passendes Fensterbrett haben oder kein Glasbecken aufstellen möchten, können Sie die Pflanzen während der Quarantänezeit auch in einem Eimer halten. Bitte nehmen Sie hier keinen Eimer, der Putzmittelreste enthält, sie können später im Garnelenaquarium ebenfalls große Probleme machen!

Sehr lichthungrige Pflanzen brauchen auch in der Quarantäne unbedingt eine entsprechende Beleuchtung. Mit modernen LED Schreibtischlampen beispielsweise von IKEA kann man hier wunderbar improvisieren.

Versuche haben ergeben, dass mehr Pestizide unschädlich gemacht werden, wenn während der Quarantänezeit von zwei Wochen täglich oder wenigstens einige Male ein Komplettwasserwechsel im Pflanzenquarantänebecken vorgenommen wird. Auch die Zugabe eines Wasseraufbereiters, der Schadstoffe bindet, kann nicht schaden. Bewährt hat sich hier zum Beispiel das Flüssige Filtermedium (FFM) von Easy Life.

Unerwünschte Mitbewohner ausschalten

Wer gleichzeitig auch noch sicherstellen will, dass unerwünschte Mitreisende wie Planarien oder Blasenschnecken nicht in den Pflanzen mitreisen, legt die Pflanzen für eine halbe Minute in stark sprudelndes Mineralwasser mit viel Kohlensäure. Das betäubt und tötet Würmer, Schnecken und andere blinde Passagiere. Danach werden die Pflanzen kurz abgespült und dann kommen sie ins Quarantänebecken. Da die Mineralwassermethode nicht gegen Eier von Würmern und Schnecken wirkt, wird sie nach Ablauf der Quarantänezeit von zwei Wochen nochmals wiederholt.

Absolut sichergehen

Will man wirklich absolut sicher sein, dass die Pflanzen nach der Quarantänezeit keine schädlichen Stoffe mehr abgeben, muss man testen - das geht entweder mit einer kleinen Packung Wasserflöhen (oft als Lebendfutter in der Zoohandlung erhältlich) oder mit einer Testgarnele, die in das Quarantänebecken eingesetzt wird. Gut beobachten! Sollten sich Probleme zeigen - das Tier fällt um, versucht aus dem Aquarium zu flüchten, zuckt unkontrolliert oder taumelt durchs Wasser, springt hoch und lässt sich wieder zu Boden sinken … - muss die Testgarnele natürlich umgehend wieder aus dem Aquarium genommen werden!

Ist der Test gut abgelaufen, können die Pflanzen bedenkenlos ins Garnelenaquarium gesetzt werden.

Alternative

Für alle, denen eine solche Quarantäne für Aquarienpflanzen fürs Garnelenaquarium zu viele Umstände macht, sind alternativ die etwas teureren, aber garantiert schadstofffreien InVitro Pflanzen erhältlich. Sie können sofort eingepflanzt werden, wenn das Nährstoffgel oder die Nährstoffflüssigkeit von den Wurzeln abgewaschen wurde.

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  • Aufpassen!

    Gut geschrieben!
    Dennoch eine kleine Anmerkung.

    Zutat: Ausnahme: wenn die Pflanzen aus einer zuverlässigen Quelle stammen und explizit dabeisteht, dass sie direkt eingesetzt werden können.

    Darauf sollte man sich zumindest, was den Fachhandel angeht, nicht 100 % verlassen.
    Einige Händler haben ein Wasserbecken für ihre Verkaufspflanzen, dort werden, laut Aussage des Händlers, die Pflanzen für die Käufer vor gewässert, so das sie bedenkenlos, direkt ins Aquarium gesetzt werden können.
    Leider ist die Aussage nicht richtig!
    Zwar gibt es diese Becken und die Pflanzen werden dort nicht mit Pestiziden behandelt und auch das Wasser wird täglich gewechselt.
    Allerdings werden die Becken immer mit frischen Pflanzen aufgefüllt.
    Hat man Pech, erwischt man eine Pflanze, die gerade erst ins Becken gesetzt wurde oder die nicht lange genug gewässert wurde.
    Setzt man diese Pflanze, wie vom Händler empfohlen, direkt ins Becken, stirbt unter Umständen in wenigen Stunden der komplette Bestand.
    Leider so erlebt.
    Wer Sicherheit will, sollte wässern, aus gut laufenden Aquarien oder InVitro Pflanzen kaufen.

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