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Bakterielle Unverträglichkeit (BU) bei Garnelen

Von einer bakteriellen Unverträglichkeit, die der Einfachheit halber mit BU abgekürzt wird, wird oft gesprochen, wenn eigentlich eine Kreuzverkeimung gemeint ist. Im Garnelenaquarium äußert sich solches durch unerklärliches Garnelensterben, vor allem, nachdem neue Tiere aus anderen Herkünften hinzugesetzt wurden. Unter einer Bakteriellen Unverträglichkeit versteht man die fehlende Fähigkeit eines Organismus ihm unbekannte Erreger oder Keime abwehren zu können, da ihm die dazu notwendigen Antikörper dazu fehlen. Mitunter kann dies tödlich enden, auch wenn es sich theoretisch gesehen um relativ einfache Krankheitserreger handelte.

Garnelen und die BU
Berücksichtigen wir die Tatsache, dass Garnelen ein angeborenes (rudimentäres) Immunsystem besitzen, das später nicht mehr, im Unterschied zu Wirbeltieren wie Fischen oder auch uns Menschen, dazu lernen kann, kann eine BU eigentlich gar nicht bei Garnelen vorkommen. Ein Immunsystem ist für gewöhnlich lernfähig, wie wir auch aktuell in der Corona Krise erleben, denn eine Impfung bereitet dieses auf eine potentielle Infektion mit dem Virus vor, den unser Immunsystem dann im Nu abwehren kann.

Nichtsdestotrotz ist plötzliches Garnelensterben nach dem Zusammensetzen von Tieren aus unterschiedlichen Quellen nach wie vor eine rätselhafte Beobachtung. Auch wenn Garnelen mit ihrem eigentümlichen Immunsystem nicht auf unterschiedliche Erreger reagieren können, sind dennoch Bakterien die Hauptverantwortlichen, vor allem, wenn sie in zu großer Zahl auftauchen. Ist die Belastung jedoch recht niedrig können die Tiere diese problemlos abwehren. Treffen jetzt harmlose Erreger in allerdings hoher Dichte zusammen, kann dieser Umstand durchaus zum Problem werden und die Garnelen daran erkranken, daher wird auch von „Kreuzverkeimung“ gesprochen, denn es kann sowohl die alten als auch die neuen Tiere betreffen, wenn diese nach dem Einsetzen wechselseitig mit den Bakterien des jeweils andern zu kämpfen haben. Wird ihr Organismus dabei überbelastet, kann es vorkommen, dass sie erkranken und letztlich sterben.

Was löst eine BU aus?
Besonders anfällig dafür zu erkranken sind vor allem Garnelen, die einem erhöhten Transportstress ausgesetzt werden. Das kann von ungünstigen Transportverpackungen bis hin zu wechselnden Temperaturen und eben auch ihren Herkünften bestimmt sein. Daher ist es ratsam, neue Tiere nicht direkt ins laufende Aquarium mit einzusetzen, sondern sie vorerst eine lange Quarantäne durchlaufen zu lassen, vorzugsweise in einem separaten Aquarium, um eine Übertragung von Keimen und Bakterien zu verhindern und damit die Tiere sich von ihrer Reise erholen können.

Sitzen die neuen Garnelen in Quarantäne, kann man über eine Zeitraum von 14 Tagen immer mal wieder eine kleine Menge Wasser zwischen den beiden Aquarien hin und her tauschen, damit jeder Stamm sich langsam an die Bakterien des jeweils anderen gewöhnen kann und ihre Organismen nicht überfordert werden. Hat man nicht die Möglichkeit, die neuen Tiere in einem separaten Quarantänebecken unterzubringen, ist es hilfreich in dem Aquarium, in das sie eingesetzt werden sollen, vorher einen großen Wasserwechsel von 60-80 % durchzuführen um die vorherrschende Belastung auf ein Minimum zu reduzieren. Auch im Fischaquarium ist ein großzügiger Wasserwechsel vor dem Einführen neuer Tiere sinnvoll.

Sterile Aquaristik?
Garnelenhalter pflegen häufig mehrere Becken und eher keiner verwendet für jedes einen separaten Kescher. Dadurch wandern die in der Anlage vorhandenen Bakterien durchaus von einem Becken ins andere, weswegen Tiere innerhalb dieser unproblematisch von einem in das andere Becken gesetzt werden können, weil sie die Bakterien quasi schon kennen.

Um den Keimdruck im Aquarium zu senken, ist ein Wasserwechsel sicher das Mittel der Wahl. Weitere Hilfsmittel sind aber auch ein Oxydator oder ein Twinstar, deren freie Sauerstoffradikale Keimen den Garaus machen können. Hilfreich ist außerdem ein UV-C-Wasserklärer. Aber auch über das Garnelenfutter können die Tiere gestärkt werden. Allen voran findet Gesundheit im Darm der Tiere statt, weswegen sich daher vor allem Futtermittel mit Probiotika oder Beta Glucane anbieten. Vor allem letzteres bewirkt eine erhöhte Immunantwort.

Erste Hilfe bei Verdacht auf BU
Sollten Garnelen bereits gestorben sein, sollten diese unverzüglich aus dem Aquarium entfernt werden, damit sich die übrigen Tiere nicht unter Umständen anstecken, wenn sie an den verstorbenen Tieren knabbern. Garnelen, die bereits in Verdacht stehen, erkrankt zu sein, sollten dennoch in Quarantäne gesetzt werden, dazu eignet sich bereits ein kleineres Gefäß mit einem Ausströmerstein, der für Sauerstoff sorgt. Eine Einrichtung mit Bodengrund oder Innenfilter ist dazu nicht unbedingt notwendig, ein paar Pflanzenstängel reichen aus.

Da sich die Keime voraussichtlich in beiden Aquarien befinden, sollten daher auch beide gleich behandelt werden. Vor allem mit Zimtstangen, aber auch mit Fenchelgrün, Seemandelbaumblättern oder getrocknetem Walnusslaub lässt sich ein milder Verlauf gut unterstützten, zudem dienen diese außerdem als Futter, denn das Füttern wird vorzugsweise während der Behandlung eingestellt. Auch sollte im zweitägigen Abstand ein großzügiger Wasserwechsel durchgeführt werden, um neuen Keimen Einhalt zu gebieten. Sobald die Garnelen optisch symptomfrei sind, können sie wieder zusammen geführt werden und der Wasserwechselintervall wieder wie gewohnt durchgeführt werden. Rein prophylaktisch empfiehlt es sich, auch im Anschluss an die Behandlung weiterhin Seemandelbaumblätter oder -rinde im Aquarium zu verwenden.

Im absoluten Fall der Fälle bliebe aber auch eine medikamentöse Kur mit Baytril, einem Antibiotikum, das vom Tierarzt verschrieben wird und exakt nach Anleitung verwendet werden sollte. Allerdings werden dabei auch Filterbakterien in Mitleidenschaft gezogen, weswegen für die Dauer der Behandlung eine Sauerstoffzufuhr in Form von Ausströmersteinen oder Oxydator sichergestellt werden sollte. Nach der Behandlung sollte das Aquarium langsam wieder hochgefahren werden, denn auch nützliche Mikroorganismen werden durch die Behandlung größtenteils abgetötet, die anderenfalls zum Schadstoffabbau im Aquarium beitragen. Eine anschließende Filterung mit Aktivkohle, Zeolith oder Montmorillonit kann dazu beitragen, Medikamentenrückstände aus dem Wasser zu entfernen.

Fazit
Vorbeugen ist besser als heilen, das wusste bereits der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland. Aus diesem Grund sollte das Garnelenaquarium ordentlich gepflegt sein und eine gut Wasserhygiene aufweisen, um Problemen und Erkrankungen vorzubeugen. Letztlich kann „immer mal irgendetwas“ passieren, das liegt in der Natur der Dinge- aber mit Augenmerk, Köpfchen und Seemandelbaumblättern lässt sich durchaus das ein oder andere Übel abwehren und verhindern.


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