Ist ein Aquarium ohne Pflanzen möglich?

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Ein Aquarium ohne Pflanzen - Ist dies überhaupt möglich?

Kann man Aquarien ohne Pflanzen überhaupt erfolgreich betreiben? Wenn wir uns die Lebensräume der beliebten Bienengarnelen und anderen Garnelen aus südchinesischen Bächen anschauen, stellen wir fest, dass es dort, wo die Garnelen vorkommen, überhaupt keine höheren Pflanzen gibt. Bei einigen Garnelenarten aus Sulawesi sind die Temperaturen im Aquarium für Pflanzen viel zu hoch. Bei vielen Krebsarten und einigen Schnecken wie Marisa cornuarietis ist es relativ sinnlos, das Aquarium zu bepflanzen, weil das Grün schneller gefressen wird als es seine segensreiche Arbeit aufnehmen kann. Auch verschiedene Fischarten haben großen Appetit auf Grünzeug, gerade Barsche werden daher in pflanzenlosen Becken gehalten. Wie wir schon oft gehört haben, halten Pflanzen das System Aquarium stabil, sie konkurrieren mit den Algen, sie produzieren Sauerstoff und bauen organische Abfallstoffe ab. Kann ein Aquarium ohne Pflanzen oder mit wenig Pflanzen überhaupt stabil laufen? Wie funktioniert das biologische System in einem solchen Becken?

Natürlich sollten unsere Tiere so artgerecht wie möglich gehalten werden. Fische und Wirbellose aus pflanzenreichen Gewässern brauchen die Deckung durch die Pflanzen, sie sollten daher nicht in einem Aquarium ohne Grün gehalten werden, um Stress zu vermeiden. Pflanzenlos muss auch nicht heißen, dass das Aquarium kahl ist. Krebse brauchen beispielsweise auch dann viele Verstecke und Möglichkeiten, sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen, wenn es in ihren Becken keine bis wenige Pflanzen geben kann, weil sie sie fressen beziehungsweise abknipsen.

 

Pflanzenarme Becken für die Garnelenzucht

Gerade in Zuchtbecken für Garnelen wird gern der Übersichtlichkeit halber auf eine reiche Bepflanzung verzichtet. Etwas Moos bietet den Tieren Versteckmöglichkeiten, aber ansonsten sind Zuchtbecken für Garnelen oft relativ kahl. Den Tieren schadet dies nicht, vorausgesetzt, die Wasserwerte entsprechen dennoch ihren Bedürfnissen.

 

Die Pflege eines pflanzenlosen Aquariums

Bei richtiger Pflege können auch pflanzenlose Aquarien und Aquarien mit wenig Pflanzen stabil laufen — der Aufwand ist nicht viel höher als bei Pflanzenaquarien, nur anders. Da es keine Pflanzen gibt, die organische Schadstoffe aus dem Wasser holen, müssen wir Abbauprodukte wie Ammonium und vor allem Nitrat anders in den Griff bekommen.

Grundsätzlich gilt auch in Aquarien ohne Pflanzen: Vorbeugen ist besser als heilen. Eine übermäßige organische Belastung des Wassers entsteht, wenn der Besatz zu hoch ist, zu viel gefüttert wird oder zu wenig Wasser gewechselt wird.

 

Wie halte ich die organische Belastung des Wassers niedrig?

Befinden sich zu viele Tiere im Aquarium, steigt durch ihre Ausscheidungen der Gehalt an organischen Abfallstoffen schnell an — sind dann keine Pflanzen im Becken, kann es kritisch werden. Den Besatz in einem pflanzenlosen Aquarium sollte man daher eher gering halten.

Auch zu viel Futter beeinflusst die Wasserqualität negativ und kann zu einer hohen organischen Belastung führen. Zurückhaltung beim Füttern ist hier noch wichtiger als in einem bepflanzten Becken. Auch sollte man das Futter sorgfältig auswählen — qualitativ hochwertige, gut verdauliche Zutaten sind aktiver Wasserschutz, weil hier nicht so viele Nährstoffe unverdaut ausgeschieden werden, die dann das Wasser belasten würden. Dies haben wir beispielsweise bei der Entwicklung unserer NatureHolic Futtermittel berücksichtigt.

Durch Wasserwechsel werden Schadstoffe ausgetragen und durch das dadurch zugefügte Frischwasser werden sie weiter verdünnt. In einem pflanzenlosen Aquarium sollte daher eher etwas öfter und mehr Wasser gewechselt werden. Insbesondere kann der Nitratwert stark ansteigen, was bei Wirbellosen zu Häutungsproblemen führen kann. Dem kann man durch einen wöchentlichen Wasserwechsel von ca. 50% entgegenwirken. Enthält das Leitungswasser ebenfalls viel Nitrat, kann dies jedoch nicht ausreichen. Dann muss man andere Maßnahmen ergreifen.

 

Wie senke ich den Nitratwert aktiv?

Ergibt der Wassertest regelmäßig einen Nitratwert von 20 mg/l oder mehr und Wasserwechsel bringen keine Besserung, kann man beispielsweise mehrere Außenfilter in Reihe schalten. Hierzu muss man wissen, dass Filterbakterien Sauerstoff brauchen, um arbeiten zu können. In einem sauerstoffarmen Milieu können manche Arten auf Nitratatmung umstellen — sie brechen also das Nitratmolekül (NO3) auf und verbrauchen den so entstehenden Sauerstoff. Hierbei entsteht als Abfallstoff harmloses Stickstoffgas (N), das dann über die Schläuche aus dem Filter entweicht und keinen weiteren Schaden anrichtet. Schaltet man zwei oder mehr Außenfilter in Reihe, wird im ersten Filtertopf der Sauerstoff von den Bakterien in aeroben Reaktionen verbraucht. In den nachgeschalteten Filtertöpfen entsteht dann ein anaerobes Milieu, in dem Nitrat verbraucht wird.
Will man oder kann man nicht mehrere Außenfilter stellen, so gibt es auch nitratreduzierende Filtermaterialien, die man in den Filter einbringen kann.

 

Gibt es in pflanzenlosen Becken nicht mehr Algenprobleme?

Findet man einen Weg, das Nitrat im Wasser durch Filterung, Wasserwechsel, eine niedrige Besatzstärke und eine angepasste Fütterung kurz zu halten, sind Algenplagen auch in einem pflanzenlosen Aquarium gar kein Thema. Die wenigen Algen, die sich dann noch zeigen, lassen sich durch einige sorgfältig ausgewählte Algenfresser in Schach halten. Auch eine angepasste, im Vergleich zu Pflanzenaquarien deutlich reduzierte Beleuchtungszeit kann hier Wunder wirken.

 

Einrichten, Einfahren, Erstbesatz

Ein pflanzenloses Aquarium oder ein Aquarium mit nur wenigen, langsam wachsenden Pflanzen wie etwas Moos wird im Prinzip genauso eingerichtet und eingefahren wie ein Aquarium mit viel Grün. Besetzt wird erst, wenn sich die Wasserwerte stabil im für den geplanten Besatz optimalen Bereich befinden. Nachdem hier keine Pflanzen vorhanden sind, die Nährstoffspitzen abpuffern können, sollte der Erstbesatz besonders vorsichtig eingesetzt werden — hier ist es wichtig, das Aquarium nicht sofort mit Tieren voll zu besetzen, sondern beispielsweise erst ein paar Schnecken einzusetzen, dann einige Tage später eine Gruppe Garnelen (oder wenige Fische oder ein Pärchen Krebse). Grundsätzlich kann man mehr Garnelen als Fische oder Krebse einsetzen, weil sie das Wasser viel weniger stark belasten als die Schuppenträger oder Scherenritter.

 

Welche Tiere eignen sich für pflanzenlose Aquarien?

Bei Fischen kommen uns hier spontan die Cichliden aus Westafrika in den Sinn. Im Malawisee und im Tanganjikasee leben sie auch in der Natur in weitgehend pflanzenlosen Gewässern. Auch Goldfische werden oft in (natürlich ausreichend großen) pflanzenlosen Aquarien gehalten, weil sie sich gnadenlos an allem frischen Grün bedienen, das ihnen vors Maul kommt. Zu den starken Pflanzenfressern gehören auch Schnecken wie die Paradiesschnecke Marisa cornurarietis, die innerhalb kurzer Zeit eine grüne Hölle in eine Wüste verwandeln können. Auch vor einigen Krebsen ist die Aquarienbepflanzung nicht sicher — was im Weg steht, wird abgeknipst, ausgebuddelt oder gleich ganz gefuttert. Will man nicht ständig gärtnern, ist hier ein pflanzenloses Aquarium (in dem die Tiere natürlich trotzdem mit ausreichend pflanzlichem Futter versorgt werden müssen) eine Option.

Auch unbepflanzte Becken kann man mit schönen Wurzeln und interessanten Steinen toll einrichten und so einen Hingucker der ganz anderen Art erschaffen.

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