Wasserflöhe - Freund oder Feind?

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Wenn irgendetwas im Aquarium hüpft, wird oft gleich einmal die Diagnose "Wasserfloh" gestellt - allerdings sind die wenigsten Tierchen in unseren Aquarien wirklich Wasserflöhe. Oft handelt es sich bei den kleinen Gästen um Hüpferlinge oder um Muschelkrebse.

Wasserflöhe im Aquarium

Echte Wasserflöhe, auch Daphnien genannt, kommen im Aquarium gar nicht so häufig vor, wie man denken sollte. Ein Aquarium mit einem Filter ist in der Regel nämlich viel zu sauber für diese kleinen Filtrierer und mit Strömungen kommen sie überhaupt nicht gut zurecht. Hier brauchen sie viel zu viel Energie, um gegen die Strömung anzurudern. Ihre relativ energielose Nahrung gibt dies nicht her, sie werden hier also trotz möglicherweise üppig vorhandener Nahrung verhungern. In filterlosen Aquarien ohne Wasserströmung sind Wasserflöhe jedoch nützliche kleine Helfer, die sich um Schwebstoffe, Schwebealgen und im Wasser treibende Mikroorganismen kümmern. Sie können einen wichtigen Beitrag zu sauberem Aquarienwasser leisten - vorausgesetzt (wie bereits geschrieben), dass sie genügend Futter im Aquarium finden und dass es strömungsfrei ist.

 

Wasserflöhe in der Natur

Es gibt verschiedene Gattungen von Wasserflöhen. Bei uns in der Natur ist der am weitesten verbreitete Wasserfloh sicherlich Daphnia pulex, der Gemeine Wasserfloh, dicht gefolgt von Daphnia magna, dem Großen Wasserfloh. Daneben gibt es aber in Europa allein noch ungefähr 90 weitere Arten. Wasserflöhe findet man in der Natur oft scharenweise in stehenden Gewässern, vorwiegend im Frühjahr und im Sommer. Dabei bevorzugen Daphnien offenbar weitgehend pflanzenlose Gewässer.

Daphnien reagieren ausgesprochen empfindlich auf Giftstoffe im Wasser, sie gelten daher als Zeigertiere für eine gute Wasserqualität.


Woran erkennt man einen Wasserfloh?

Daphnien haben einen typischen Körperbau: Sie sind relativ dickbäuchig, haben einen abgesetzten Kopf, zwei kräftige Ruderbeine, und der Körper endet in einem Stachel. Wasserflöhe besitzen ein großes Facettenauge und ein kleines Nauliusauge. Sie sitzen mittig untereinander im Kopf sitzt. Bei manchen Wasserfloh Arten ist das große Facettenauge rötlich gefärbt, bei anderen ist es dunkel.

Wasserflöhe haben eine transparent-hellbraune bis beige-rötliche Färbung. Bei den Weiblichen Tieren kann man einen sogenannten Sattel am Rücken erkennen, hier bilden sie ihre Eier aus. Er kann hell oder dunkel gefärbt sein, je nachdem, ob das Weibchen normale Eier trägt oder Dauereier.


Nahrung

Daphnien pumpen beständig einen Wasserstrom durch die Vorderseite ihres Körpers, in dem die Beinpaare sitzen, mit denen sie zum einen den Wasserstrom erzeugen und mit denen sie zum anderen ihre Nahrung aus dem Wasser filtern. Die Filterkämme sitzen am dritten und vierten Beinpaar. Sie holen alle Partikel aus dem Wasser, die größer als ca. 0,5 Mikrometer sind. Damit können Daphnien sogar Bakterien ausfiltern. Neben Bakterien werden noch andere Mikroorganismen gefressen, aber auch einzellige und mehrzellige Schwebealgen, winzige Pflanzenreste und andere Schwebstoffe, die ansonsten das Wasser trüben würden.


Vermehrung

Daphnien können sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich durch Jungfernzeugung vermehren. Die ungeschlechtlich erzeugten Eier sind hell, der Sattel der Weibchen sieht demzufolge dann auch hell aus. Aus diesen Eiern schlüpfen die winzigen Wasserflohlarven, die bei günstigen Bedingungen wieder weiblich sind. Werden die Bedingungen langsam schlechter, schlüpfen auch männliche Tiere, die sich dann mit den Weibchen paaren. Aus dieser geschlechtlichen Fortpflanzung entstehen die Dauereier, die dunkel gefärbt sind. Besonders bei der Lebendfutterzucht von Daphnien ist dies interessant: Treten hier vermehrt weibliche Wasserflöhe mit dunklem Sattel auf, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Lebensbedingungen im Zuchtbehälter tendenziell schlechter werden. Hier sollten Sie dann auf Ursachensuche gehen und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.


Überlebensstrategien

Im Herbst sterben die Tiere im Freiland ab, aber ihre Dauereier überwintern im Teichschlamm. Aus ihnen schlüpft im nächsten Jahr bei günstigen Bedingungen die nächste Generation. Auch bei widrigen Bedingungen wie Nährstoffmangel, Verschlechterung der Wasserqualität, zu kalten oder zu warmen Temperaturen, Austrocknung und so weiter bilden die weiblichen Wasserflöhe nach einer Paarung mit den Männchen Dauereier aus, die sehr gut geschützt sind und die mehrere Jahre sogar Trockenheit, Frost und Hitze überdauern können, bis die Bedingungen im Biotop wieder passen.


Wasserflöhe als Futtertiere

Wasserflöhe sind ein exzellentes Fischzusatzfutter. Sie sind relativ arm an Nährstoffen, enthalten aber im Verhältnis viel Chitin, das für Fische ein wichtiger Ballaststoff ist, den sie für eine gesunde Darmfunktion brauchen. Rein mit Wasserflöhen sollte man Fische jedoch nicht füttern, als Alleinfutter taugen sie wegen der recht geringen Nährstoffdichte nicht. Wasserflöhe lassen sich gut im Haus, auf dem Balkon oder im Garten als Lebendfutter ziehen, man kann sie aber auch in der Frostfutter Abteilung in der Zoohandlung erstehen.

Auch Garnelen profitieren von Wasserflöhen. In einem filterlosen Aquarium natürlich doppelt, weil Garnelen mit Keimen im Wasser nicht gut klarkommen. Diese werden von den Wasserflöhen jedoch mit Vorliebe verspeist. Weiterhin müssen sich Wasserflöhe als Kleinkrebse regelmäßig häuten, wie Garnelen auch. Die Garnelen fressen die abgestreiften Häute der Wasserflöhe ausgesprochen gern - bestehen sie doch weitgehend aus denselben Grundstoffen wie der Garnelenpanzer: Chitin, Strukturproteine und Kalzium. So erhalten die Garnelen diese wichtigen Substanzen, die sie für die Ausbildung ihres eigenen Außenskeletts dringend brauchen. Auch der eine oder andere lebende Wasserfloh wird eventuell gefressen. Er liefert zusätzlich zur ballaststoffreichen Hülle noch Eiweiß, Häutungshormone und ein wenig Fett - für Garnelen, die ja ohnehin recht ballaststoffreich ernährt werden sollten, sind auch als Frostfutter erhältliche Wasserflöhe eine sehr empfehlenswerte Zusatznahrung.


Lebendfutterzucht von Wasserflöhen

Wasserflöhe sind ein sehr einfach zu züchtendes Lebendfutter für die Aquaristik.

Alles, was man dazu braucht, ist ein Gefäß mit Wasser (Aquarienwasser oder Leitungswasser): ein Aquarium, ein Kübel, ein Eimer, … von 10 bis ca. 60 Liter Inhalt. Wasserpflanzen brauchen nicht eingesetzt werden. Die Entnahme gestaltet sich einfacher, wenn man die Tiere nicht zwischen Wasserpflanzen heraus keschern muss. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass sich Wasserflöhe in pflanzenlosen Behältern wohler fühlen. Auch in der Natur findet man sie eher in pflanzenlosen Gewässern. Achtung bei Fadenalgenbildung: Bleiben die Daphnien in den Algen hängen, kostet es sie enorm viel Energie, sich wieder zu befreien. Im schlimmsten Fall verhungern sie. Auch Bodengrund ist nicht notwendig. Man kann jedoch etwas braunes Herbstlaub ins Zuchtbecken geben. Nützliche Mitbewohner im Wasserfloh Behälter sind Schnecken: Posthornschnecken, Schlammschnecken oder Blasenschnecken kümmern sich gerne um Futterreste, Häutungsreste und gestorbene Wasserflöhe. Auch etwas Filtermulm aus einem laufenden Aquarium hat sich als hilfreich erwiesen: Damit bringen Sie gleich die notwendigen nützlichen Mikroorganismen ein, die sich einerseits um die Wasserqualität verdient machen und die andererseits den Daphnien als Futter dienen.

Temperatur

Als Beleuchtung reicht Tageslicht auf der Fensterbank. Im Freiland braucht man natürlich überhaupt nicht zu beleuchten. Wasserflohbehälter im Freiland sollten keine pralle Sonne abbekommen, damit sie nicht überhitzen. Die ideale Wassertemperatur liegt bei 20-25 °C. Darunter vermehren sich die Wasserflöhe weniger gut, darüber kann es zu Sauerstoffmangel und Umkippen des Wassers kommen, was den Tod der Daphnien zur Folge hätte.

Fütterung

Gefüttert wird mit aufgeschlämmter Trockenhefe, Spirulinapulver, Milch (nur wenig - ein Tropfen genügt für einen Eimer! Zu viel Milch kann eine Wasserflohzucht unglaublich schnell zum Kippen bringen), Blut (auch nur tropfenweise), Artemia Aufzuchtfutter wie Liquizell, … Dabei wird immer nur so viel gefüttert, dass das Wasser leicht trübe wird. Füttern Sie erst wieder, wenn das Wasser wieder klar ist. Optimalerweise füttern Sie lieber etwas öfter und weniger. Zu viel Staubfutter kann die Zucht zum Kippen bringen. Ideal ist es, wenn sich im Wasserflohbehälter eine Algenblüte breitmacht. 

Sonstiges

Idealerweise haben Sie zwei bis drei dieser Behälter im Einsatz - zum einen als Rückversicherung, falls doch einmal eine Zucht kippen sollte, zum anderen als Puffer, falls die Vermehrung in einem der Zuchtbehälter einbrechen sollte.

Sind genügend Schnecken im Behälter, brauchen Sie den Bodengrund nicht abzusaugen - vorausgesetzt, der sich dort bildende Mulm ist locker und flockig braun. Dicke, schwärzliche oder weiße, glitschige und beim Herausnehmen übelriechende Schichten müssen sofort entfernt werden. Hier werden Schadstoffe wie Schwefeldioxid oder Methan produziert, die Ihre Wasserflohpopulation zum Absterben bringen könnten.

Verdunstetes Wasser wird mit Aquarienwasser oder - bei sehr hartem Wasser - halbe-halbe mit Aquarienwasser und mit Wasser aus dem Vollentsalzer, destilliertem Wasser, mit Aktivkohle gefiltertem Regenwasser oder mit Osmosewasser aufgefüllt. Wasserwechsel sind in der Regel nicht nötig.


Probleme bei der Wasserflohzucht

Wenn die Schnecken im Lebendfutteransatz keine Laichballen mehr ablegen, wenn Sie viele Wasserflöhe mit schwarzem Sattel entdecken oder wenn der Ansatz unangenehm zu riechen beginnt, müssen Sie handeln. Bei sich verschlechterndem Wasser ist ein großzügiger Wasserwechsel fällig. Tote Tiere bitte umgehend absaugen und eine Zeitlang nicht füttern. Bei Futtermangel erhöhen Sie die Futtermenge vorsichtig.


Wasserflöhe - woher beziehen?

Den Erstansatz für Ihre Wasserflohzucht können Sie in der Natur holen - Achtung, fürs Tümpeln gelten je nach Bundesland unterschiedliche Regeln, bitte informieren Sie sich bei den zuständigen Behörden (Fischereibehörde, Untere Naturschutzbehörde und so weiter), ob Sie das bei sich einfach dürfen.
Einfacher und unkomplizierter ist es natürlich, einen lebenden Ansatz Wasserflöhe in der Zoohandlung zu holen. Achten Sie darauf, dass das Wasser im Tütchen einigermaßen klar ist und dass nicht zu viele tote Tiere in der Packung zu sehen sind.

Anfangs muss der Ansatz Wasserflöhe sehr sparsam gefüttert werden, damit das Wasser nicht kippt. Optimal funktioniert hier eine indirekte Fütterung: Sie füttern eigentlich die Schnecken, die dann Stoffwechselprodukte hinterlassen, die ihrerseits wieder Bakterien füttern, die von den Wasserflöhen gefressen werden. Sehen Sie, dass die Vermehrung bei den Daphnien in Schwung kommt, können Sie zur direkten Fütterung übergehen.

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