Planarien im Aquarium

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Sobald auf Facebook oder in einem Forum ein Foto von einem länglichen, wurmartigen Wesen an der Aquarienscheibe auftaucht, muss man gar nicht lange warten, bis der erste eine Planarie diagnostiziert. Wir möchten uns in diesem Blogbeitrag mit den ungeliebten Plattwürmern beschäftigen und ein bisschen Aufklärung leisten.

Echte Planarien

Zunächst einmal müssen wir eine Begriffsverwirrung klären: Es gibt in unserer Umgangssprache zweierlei Planarien: zum einen wird "Planarie" sogar auf Wikipedia als Synonym für sämtliche Strudelwürmer verwendet, zum anderen gibt es dann aber noch die "echten" Süßwasserplanarien, die sogenannten Paludicola. Diese "echten" Planarien sind die, die man nicht im Aquarium haben möchte. Die anderen Strudelwürmer leben zwar ebenso räuberisch wie die Planarien, sie sind jedoch für unsere Garnelen und sogar für die meisten Schnecken harmlos, weil sie überwiegend andere Würmer und winzige Tiere aus der Mikrofauna fressen.

Die Merkmale einer echten Planarie

Woran kann man aber nun eine echte Planarie erkennen? Zum Glück haben diese Würmer ein paar sehr eindeutige Merkmale, die nur sie besitzen und an denen man ganz eindeutig festmachen kann, mit was man es da nun wirklich zu tun hat.

Klar: eine Planarie ist ein Plattwurm und hat daher einen sehr flachen, relativ breiten Körperquerschnitt. Es gibt aber noch viele andere Würmer, die keinen drehrunden Körper haben und die trotzdem keine Echten Planarien sind.

Ganz oft wird behauptet, dass man echte Planarien immer (!) an ihrem dreieckigen Kopf erkennen kann. Zum einen denken da allerdings viele, dass "vorne spitz zulaufend" ebenfalls als dreieckig angesehen werden kann - was definitiv nicht der Fall ist! Es gibt viele harmlose Würmer, die vorne nicht rundlich sind, sondern eine deutliche Spitze haben, die aber keine Planarien sind. Der berühmte dreieckige Kopf der Planarien ist wie eine Pfeilspitze geformt, er hat also wirklich drei deutlich erkennbare Ecken und er ist gut sichtbar abgesetzt.



Das ist die gute Nachricht: Wenn der Wurm einen deutlich abgesetzten, dreieckigen Kopf hat, der aussieht wie die Spitze eines Pfeils, ist er eine echte Planarie. Die schlechte Nachricht: Es gibt auch einige echte Planarien, die keinen dreieckigen Kopf haben. Es gibt Arten, die vorn eher rundlich sind, die zwar einen dreieckigen Kopf, aber mit stark abgerundeten Spitzen haben, manche sind vor auch viereckig oder haben eine Art "Katzenöhrchen". Als alleiniges Diagnosemerkmal ist diese Eigenschaft also nicht unbedingt tauglich.

Alle Planarien haben jedoch einen dreischenkligen Darm und einen deutlich sichtbaren hellen Schlundfleck ungefähr in der Körpermitte. Von diesem Schlund aus (die Planarie hat ihren Mund also nicht vorn am Kopf, sondern direkt mitten auf dem "Bauch") erstreckt sich ein Darmteil nach vorn Richtung Kopf, und zwei Darmteile reichen nach hinten. Dazu ist dieser Darm noch sehr stark verästelt. Wenn die Planarie etwas stark farbiges gefressen hat (zum Beispiel eine Posthornschnecke …), kann man diesen Darm wirklich gut erkennen.



Des weiteren haben alle Planarien zwei gut sichtbare und mit bloßem Auge erkennbare Augenflecken rechts und links im Kopf. Mit diesen Augenflecken kann die Planarie sogar hell und dunkel unterscheiden.



Also: gut hinschauen, selbst wenn der Kopf nicht dreieckig ist …

Die Vermehrung bei Planarien

Planarien können sich nicht nur durch Teilung ungeschlechtlich vermehren, sie legen auch Eikokons als Dauereier ab. Diese dunkelbraunen Dauereier sitzen auf einem kleinen Stiel. zeichnen sich durch eine außergewöhnlich dicke, robuste Eihülle aus. Sie sind unempfindlich gegen Hitze, Trockenheit und Frost und auch gegen viele Chemikalien.

Woher kommen Planarien eigentlich im Aquarium?

Eingeschleppt werden Planarien oft gerade durch mitgekaufte Dauereier, die an Pflanzen, Steinen, Wurzeln oder sonstigen Dekorationsgegenständen aus befallenen Becken sitzen können. Auch mit Frostfutter kann man sich die Eier einsammeln, und ganz besonders oft sitzen Planarien im Mantelgewebe von Schnecken und kommen so als Blinde Passagiere ins Aquarium. Natürlich kann man sie sich auch mit Fischen oder Garnelen einsammeln.

Planarien als Räuber

Warum genau wollen wir nun eigentlich keine Planarien im Garnelenaquarium haben? Halten wir zunächst fest, dass nicht alle Planarien üble, alles verschlingende und tötende Garnelenkiller sind. Es gibt allerdings durchaus räuberische Stämme, und bei einer Mangelsituation machen sie sich auch über Garnelen her (vorzugsweise über geschwächte Tiere und frisch gehäutete, die noch weich sind und deshalb leicht Beute darstellen), allerdings sind Planarien seltenst an einem massenhaften Garnelensterben schuld.

Viele Planarien wegen viel Futter

Andersrum schon eher: Viel Nahrung bedeutet eine starke Vermehrung. Sterben die Garnelen nun an etwas anderem, zum Beispiel an einer nicht erkannten bakteriellen Infektion, so finden die Planarien viel Futter: tote und sterbende Garnelen. Planarien leben zwar räuberisch, sie fressen aber auch gerne Aas - das läuft schließlich nicht weg und Aas zu fressen kostet damit weniger Energie als die Jagd auf lebende, fitte Beutetiere. Sterben nun die Garnelen, finden die Planarien viel Futter und vermehren sich entsprechend dem Nahrungsangebot stark. Nun sieht der Aquarianer viele Planarien in seinem Becken und zieht dann prompt den falschen Schluss: Ich habe Planarien, deswegen sterben meine Garnelen - dabei ist das Sterben der Garnelen eigentlich die Ursache und nicht Auswirkung des Planarienbefalls!

Planarien gesichtet - was tun?

Nichtsdestotrotz haben wir nun also eine Planarie im Aquarium entdeckt und sicher identifiziert. Nachdem man getrost davon ausgehen darf, dass auf eine Planarie, die man sieht, mindestens zehn im Bodengrund, in den Pflanzen und auch im Filter sitzen, sollte man also etwas unternehmen - nur was?

 

 

Ungeeignete Maßnahmen

Eine ganz schlechte Idee ist das Zerquetschen. Planarien sind Lieblingskinder der Stammzellenforschung, und ihre Regenerationsfähigkeit ist legendär. Sie enthalten so viele Stammzellen, dass sie sich aus einem winzigen Stückchen komplett wieder herstellen können. Statt einer Planarie hat man nach dem Zerquetschen also Dutzende!

Aushungern funktioniert bei Planarien ebenfalls nicht. Zum einen können sie sich lange Zeit von der Mikrofauna im Aquarium ernähren, zum anderen sind sie sogar in der Lage, sich selbst zu verdauen und so noch sehr lange am Leben bleiben. Ein Versuch einer Aquarianerin, Planarien in einem Becherglas mit Wasser ohne weitere Zugaben auszuhungern, wurde nach einem halben Jahr ergebnislos abgebrochen.

Ineffektive Maßnahmen

Absammeln ist eine Möglichkeit, dennoch ist es aufgrund der Lichtscheuheit der Planarien nicht wirklich zielführend. Man sieht einfach nie alle … dasselbe gilt für das Vernebeln der sichtbaren Planarien mit Zitronensaft, Granatapfelextrakt, Easy Carbo oder kochend heißem Wasser. Hilft super gegen die, die man sieht, hilft gar nicht gegen die, die man nicht sieht. Es wird behauptet, dass Planarien durch hoch energiereiches Licht wie blaues Laserlicht ebenfalls sterben - aber auch hier haben wir dasselbe Problem - es hilft halt nur gegen die, die an der Frontscheibe sitzen und die man damit trifft. All das mag wirken, aber effektiv ist sind diese Methoden bei einem starken Befall nicht.

Effektive Maßnahmen

Eine Planarienfalle macht sich die Gier der Planarien nach Proteinen zunutze. Mit einem Stück rohem Hähnchen oder anderem rohem, ungewürztem Fleisch bestückt oder mit etwas Frostfutter ist die Falle nahezu unwiderstehlich und lockt die Plagegeister in hoher Zahl an. Dank der Konstruktionsweise der Falle kommen die Würmer zwar hinein, aber nicht wieder hinaus. So lässt sich die Anzahl der Planarien im Aquarium deutlich verringern. In vielen Fällen reicht diese Maßnahme bereits aus, um die Population klein zu halten. Bei verhältnismäßig friedlichen Planarienstämmen muss dann keine weitere Bekämpfung erfolgen.

Grundsätzlich sind Planarien hoch empfindlich gegen Säuren, und ein pH-Wert von unter 4 ist tödlich für sie. In einem Aquarium ohne Besatz kann man also einfach den pH-Wert entsprechend absenken und ist die Plage los - zunächst einmal. Da sie wie oben erwähnt Dauereier legen können, die von Säure, Hitze, Frost und Trockenheit nicht beeinflusst werden, hilft diese Behandlung nur gegen die bereits geschlüpften Würmer, nicht gegen die Eier. Nachdem bei Zimmertemperatur die Eier etwa zehn Tage bis zum Schlupf brauchen, sollte man nach ca. zwei Wochen nochmals nachbehandeln, um so auch die frisch geschlüpften Würmchen zu erwischen. Nach zwei Wochen sind sie nämlich schon geschlüpft, aber noch nicht geschlechtsreif, sie haben also ihrerseits nicht bereits wieder Eikokons abgelegt.

Auch CO2 in hoher Dosierung (zum Beispiel in stark sprudelndem Mineralwasser) killt Planarien zuverlässig, allerdings gilt auch hier: Nach zwei Wochen nochmals nachbehandeln.

Oft empfohlen wird Panacur oder Flubenol - beides Wurmmittel aus der Veterinärmedizin und nur gegen Rezept in der Apotheke oder direkt beim Tierarzt erhältlich. Beide Mittel sind nicht für die Verwendung im Aquarium zugelassen und daher gibt es auch keine offizielle Dosierungsanleitung. Achtung: Flubenol tötet alle Schnecken im Aquarium, Panacur fast alle. Nur Posthornschnecken, Blasenschnecken und die gewöhnlichen Malaiischen Turmdeckelschnecken werden verschont, alle anderen (Apfelschnecken, Tylomelania, Brotia, Pianoschnecken, Sumpfdeckelschnecken und so weiter) sterben daran. Da sich Panacur nicht im Wasser löst, setzen sich die Wirkstoffpartikel im Bodengrund ab und können auch noch nach Monaten die Schnecken umbringen, die man in das dann wieder planarienfreie Aquarium setzen möchte.
Da es Panacur wie auch Flubenol in unterschiedlichen Formulierungen (als Paste, Tablette oder Flüssigkeit) und in unterschiedlichen Konzentrationen zu kaufen gibt, können wir hier keine genaue Dosierungsanleitung dafür abgeben. Hier ist ein bisschen Rechenarbeit erforderlich: Bei Flubenol braucht man 0,1-0,2 mg Flubendazol (also den reinen Wirkstoff) und bei Panacur 0,25-0,5 mg Fenbendazol auf 1 Liter Aquarienwasser. Bitte niemals unterdosieren oder nur ein Mal behandeln, beides würde zu Resistenzen führen!

Die Wirkstoffe hemmen Verdauungsenzyme bei Planarien und führen nach einigen Tagen zum Tod. Nach einer Woche sollte ein wirklich großer Wasserwechsel (80% oder mehr) erfolgen und der Bodengrund sehr gründlich abgesaugt werden. Dann wird nach 14 Tagen nochmals mit derselben Dosis nachbehandelt.

Wichtig: Ob zur Dezimierung der Planarienpopulation, um sie einfach unter Kontrolle zu behalten oder vor einer Behandlung mit Wurmmitteln - der Einsatz einer Planarienfalle ist in jedem Fall anzuraten! Es ist einfach sinnvoll, die Anzahl der Planarien zu dezimieren, bevor man sie abtötet, weil so die Zahl der toten Würmer im Aquarium deutlich kleiner ist und es nicht so schnell zu Problemen mit der Wasserqualität kommen kann.

Fressfeinde

Planarien schmecken nicht - sie sind von einer bitteren Schleimhülle umgeben und können bei Bedrohung sogar kleine spitze "Pfeile", die sogenannten Rhabditen, abfeuern. Trotzdem gibt es Tiere, die gerne Planarien fressen. Dazu gehört beispielsweise Macrobrachium peguense, die Rotscherengarnele, auch Macrobrachium Inlesee genannt. Auch Fadenfische und manche Grundeln sollen Planarien fressen. Allerdings können diese Aquarienbewohner auch an Garnelen gehen und sind deshalb nicht unbedingt die erste Wahl für die Planarienbekämpfung im Garnelenaquarium.

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  • Genial

    Toller Beitrag! Endlich mal alles Wissenswertes zu Planatien in einem Text! Toll gemacht :)

  • Klasse

    Vielen Dank,
    sehr schöner und hilfreicher beitrag,tolle arbeit!!!

  • Super

    Danke für die tolle Aufklärung