Blaualgen im Aquarium

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Blaualgen

Der Name Blaualgen trifft die Farbe nicht so ganz … der englische Name blue-green algae (also blaugrüne Algen) schon eher. Eigentlich handelt es sich hier gar nicht wirklich um Algen, sondern um Cyanobakterien, die jedoch Chlorophyll enthalten und damit wie Algen Photosynthese betreiben können. Durch die Photosynthese produzieren sie Sauerstoff als "Abfallprodukt". Da sie jedoch keinen Zellkern besitzen, zählen sie nicht zu den Algen, sondern zu den Bakterien.

Die meisten der über 2000 bekannten Blaualgen-Arten haben eine ganz besondere blaugrüne Farbe, hervorgerufen durch das blaue Phycocyanin und grünes Chlorophyll. Cyanobakterien sind sehr ursprüngliche Lebewesen und zählen zu den ältesten Organismen überhaupt. Sie sind für den Aufbau der uns heute bekannten sauerstoffhaltigen Atmosphäre, und es gibt sogar die Theorie, dass die grünen Chloroplasten der Pflanzen ursprünglich Blaualgen waren, die in das Pflanzengewebe einwanderten. Ein sehr beliebter Vertreter der Blaualgen ist die allseits bekannte Spirulinaalge .

Was ist der Haken?

Warum sind dann aber Blaualgen im Aquarium so extrem unwillkommene Gäste? Das liegt zum einen sicherlich daran, dass sie nicht nur unschöne, zum Teil sehr massive Beläge bilden können, sondern auch daran, dass viele Blaualgen (nicht alle, siehe Spirulina!) Giftstoffe produzieren, die zum Teil zu den stärksten natürlichen Giften gehören und Fische und Wirbellose schädigen können.

Blaualgenbefall erkennen

Einen Befall mit Blaualgen erkennt man in der Regel an der intensiv blaugrünen Farbe und am teppichartigen Aussehen. Blaualgen sind Mikroorganismen, Einzeller, und die Teppiche, die sie bilden, haben eine weiche, fast samtartige Struktur. Zudem haben Blaualgen einen sehr charakteristischen fischigen Geruch, der noch stundenlang an den Händen haften kann. Im Zweifel einfach kurz schnuppern … dann weiß man im Regelfall Bescheid. Saugt man Blaualgenklümpchen ab (Blog: Mulm absaugen)und gibt sie in ein sauberes Glas, findet man am nächsten Tag einen leichten grünen Schleier, der sich rund um die Klümpchen abgesetzt hat. "Normale" Algenklümpchen entwickeln diesen Schleier nicht.

Ursachen für den Befall mit Blaualgen

Wie kommt es nun zu einem Befall mit Blaualgen? Cyanobakterien sind ubiquitär, das heißt, dass sie praktisch überall in geringen bis sehr geringen Mengen vorkommen. In nahezu jedem Aquarium dürfte es also Blaualgen geben, die jedoch nur dann in Massen auftreten beziehungsweise sich sehr stark vermehren, wenn die Bedingungen für sie deutlich günstiger sind als für andere Bakterien und für die Pflanzen, wenn sie also wenig Konkurrenz zu befürchten haben. Oft vermehren sich Blaualgen in Aquarien, in denen die Bakterienfauna suboptimal ist. In gut laufenden Aquarien mit schönem, kräftigem Pflanzenwuchs und einer gesunden, stabilen Mikrofauna sind Blaualgen nie ein Problem! Nährstoffüberschüsse befördern eine Verschiebung in der Mikrofauna und Mikroflora und können daher auch einen Befall mit Blaualgen begünstigen.

Blaualgen von vornherein verhindern

Vorbeugen ist besser als Heilen - ganz wichtig ist es also, das System Aquarium von Anfang an richtig zum Laufen zu bringen beziehungsweise nicht rund laufende Aquarien zum Funktionieren zu bringen. Dazu gehört nicht nur eine ausgewogene Düngung, eine darauf abgestimmte Beleuchtung und eventuell auch eine zusätzliche CO2-Versorgung, damit die Pflanzen die Nährstoffe vollständig verbrauchen und für die Bakterien nicht mehr viel übrig bleibt, sondern auch ein ordentliches Animpfen, damit von Anfang an ein großes Spektrum an nützlichen Bakterien zur Verfügung steht. Das Animpfen mit Filterschlamm aus einem laufenden Aquarium, das so oft empfohlen wird, ist dabei eher suboptimal. Jedes Aquarium entwickelt im Lauf der Zeit eine auf die Bedingungen darin angepasste Bakterienfauna, in der nicht mehr alle Arten zum Zug kommen. Damit bringt man also unter Umständen nicht mehr alle Bakterienarten in das neue Becken ein. Besser ist hier ein Produkt wie AT Nano Aktiv oder Bacter AE, in dem das volle Spektrum an nitrifizierenden Bakterien vorkommt. Ebenfalls eine Möglichkeit: man nehme einen halben Teelöffel ungedüngte, ungespritzte Erde aus dem Garten (nicht aus einem Blumentopf!) und schlämme sie in einem Glas Aquarienwasser auf. Bodensatz absetzen lassen und das noch trübe Wasser ins Aquarium geben. Die nitrifizierenden Bakterien sind eigentlich Bodenbakterien, die eben auch unter Wasser überleben können und deren Eigenschaften wir uns daher im Aquarium zu Nutze machen können. Also bringen wir auch mit einem solchen Erdaufguss ausreichend unterschiedliche Bakterien ins Aquarium ein.

Auch ein laufendes Aquarium kann man so ab und zu nachimpfen, um zu verhindern, dass die Bioflora zu einseitig wird. Bevorzugt kann dies nach der Filterreinigung (nur auswaschen, nicht auskochen oder mit Reinigungsmitteln drangehen) geschehen.

Blaualgen bekämpfen

Aber nun haben wir ein Aquarium, das wir einfach nicht richtig zum Laufen bringen konnten, und darin stellen wir eine massive Vermehrung von Blaualgen fest. Was tun?

Dunkelkur

Blaualgen brauchen viel Licht und sterben recht schnell ab, wenn sie keines mehr bekommen. Daher wird oft eine zweiwöchige Dunkelkur für Aquarien mit Blaualgenbefall empfohlen. Während der Dunkelkur sterben die Cyanobakterien ab. Die höheren Pflanzen überleben diese Zeit ohne Licht in der Regel sehr gut, eventuell werden die Triebspitzen hell.

Hatte man große Mengen von Blaualgen im Aquarium, kann die riesige Masse von abgestorbenen Bakterien während der Dunkelkur das Wasser so massiv belasten, dass die Bewohner am Sauerstoffmangel sterben können. Daher sollte man vor einer Dunkelkur auf jeden Fall alle sichtbaren Blaualgenpolster gründlich absaugen. Auch der Filter sollte gereinigt werden (Filtermedien bitte nur mit klarem kaltem Wasser auswaschen), damit er mit der zusätzlichen Biomasse gut fertig wird und nicht verstopft. Eine zusätzliche Belüftung ist ratsam, damit dem Wasser ausreichend Sauerstoff zugeführt wird.

Zu einer Dunkelkur gehört natürlich, dass die Beleuchtung komplett ausgeschaltet wird. Damit die Blaualgen auch wirklich kein Licht bekommen, muss das Aquarium von allen Seiten verdunkelt werden. Dazu nimmt man entweder eine dicke Decke oder einen Pappkarton, der einfach über das Aquarium gestellt wird.

Die Fische und Wirbellosen können während der Dunkelkur im Aquarium bleiben. Gefüttert wird während dieser Zeit gar nicht oder nur ganz wenig, um das Wasser nicht noch zusätzlich zu belasten.

Nach dem Ende der Dunkelkur sollte man dann auf jeden Fall einen großen Wasserwechsel von gut 90% machen und den Bodengrund gründlich absaugen, damit so viel wie möglich tote Biomasse aus dem Aquarium genommen wird.

Oft erledigt sich das Problem damit. Es ist wichtig, das System Aquarium nach der Dunkelkur zu optimieren, also die Pflanzen durch eine angepasste Düngung und Beleuchtung zum Wachsen zu bringen und den Biofilmen durch Nachimpfen wieder zu einer größeren Artenvielfalt zu verhelfen.

Grundsätzlich sind Cyanos wie andere Bakterien gegen Antibiotika empfindlich. Aufgrund der zunehmenden Resistenzbildung und der Schwierigkeit der Entsorgung raten wir aber dringend davon ab, Blaualgen durch Antibiotika zu bekämpfen!

Bei sehr hartnäckigen Befällen ist es tatsächlich besser, das Aquarium komplett neu zu machen und zu versuchen, das System ordentlich zum Laufen zu bringen (siehe oben unter dem Punkt "Blaualgen von vornherein verhindern").

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