Vermehrungstopp bei Zwerggarnelen

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Was tun, wenn sich Garnelen nicht vermehren oder wenn die Jungtiere nicht hochkommen?

Viele Zwerggarnelen-Arten sind ausgesprochen vermehrungsfreudig, man denke an die bekannte und beliebte Red Fire. Selbst die als etwas kniffliger geltenden Bienengarnelen und Tigergarnelen sind kaum zu bremsen, wenn die äußeren Bedingungen für sie optimal sind. Hin und wieder kann es jedoch trotzdem vorkommen, dass es zu einem Vermehrungsstopp kommt, entweder weil die Weibchen gar nicht tragend werden oder weil die Jungtiere nicht hochkommen. Wir möchten in diesem Artikel die Ursachen dafür ein wenig beleuchten.

Eingewöhnungszeit

Wenn Zwerggarnelen in ein neues Aquarium kommen, ist es zunächst ganz normal, dass sie eine Zeitlang mit der Vermehrung pausieren. Der Organismus ist damit beschäftigt, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. Ist die Umstellung nach einem bis zwei Monaten (bei günstigen, möglichst gleichartigen Wasserwerten auch früher) geschafft, geht es in der Regel wieder los, man kann Paarungsschwimmen beobachten und auch bald Eier tragende Weibchen finden.

Männchen sind schmal gebaut und haben kein gewölbten "Bauch". Sie sind meistens auch blasser gefärbt als Weibchen. Der Eifleck auf dem Nacken fehlt komplett.

Jungtiere

Hat man eine Gruppe Jungtiere gekauft, muss man natürlich erst einmal das Eintreten der Geschlechtsreife abwarten. Weibliche Red Fire Garnelen zum Beispiel beginnen in etwa mit 1 bis 1,2 cm Körperlänge zu tragen. Bei Weibchen, die zum ersten Mal tragen, kann es passieren, dass sie die Eier abwerfen. Übung macht den Meister, und beim nächsten oder übernächsten Mal kann man dann beobachten, dass sie ihre Eier bis zum Schlupf austragen.

Beide Geschlechter vorhanden?

Ist nur ein Geschlecht in der Garnelengruppe präsent, ist die Sache mit der Vermehrung natürlich schwierig. Männchen erkennt man an ihrem schlankeren Körperbau und der etwas kleineren Endgröße, Weibchen haben einen massigeren Körper und tief nach unten ausgezogene Bauchtaschen. Bei eher durchsichtigen Varianten wie der White Pearl Garnele kann man bei den Weibchen im Nacken, am Übergang vom Kopfpanzer zum Hinterleib, einen kleineren bis größeren sattelförmigen Eifleck erkennen, der nach hinten spitz ausläuft. Nicht mit dem Magen verwechseln, der liegt etwas tiefer und weiter vorn! Je größer der Eifleck, desto weniger lang muss man noch warten, bis die Garnele endlich Eier ansetzt.

Weibchen sind bullig gebaut, haben einen gewölbten "Bauch" und können je nach Vermehrungststatus einen Eifleck auf den Nacken oder Eier im "Bauchbereich" tragen. Weibchen sind meistens kräftiger gefärbt als Männchen.

Winterpause

In der Natur legen Garnelen aus gemäßigten Klimazonen wie Bienengarnelen , Tigergarnelen oder Hummelgarnelen während der kalten Monate eine Winterpause ein. Hin und wieder beobachtet man dieses Phänomen auch bei Red Fires und anderen Vertretern der Gattung Neocaridina. Woran die Garnelen dies festmachen, ist nicht bekannt — aber die Winterpause ist auch in ganzjährig gleich beleuchteten, temperierten Aquarien schon oft beobachtet worden. Sie entspricht den natürlichen Gewohnheiten der Garnelen und trägt zu einem längeren Leben der Weibchen bei, da sie sich von den Strapazen der Brutpflege erholen können. Ab März/April geht es dann ganz von alleine wieder los in den Garnelenbecken. Selbst die gezüchteten Farbvarianten wie Taiwan Bees, die so in der Natur gar nicht vorkommen, legen manchmal eine solche Winterpause ein.

Zu hoher Besatz

Ist die Garnelenpopulation im Aquarium zu hoch, finden Babygarnelen oft nicht mehr genug Futter und kommen nicht hoch. Dem kann man mit regelmäßigen Staubfuttergaben beikommen. Ist die Population viel zu hoch, werden die Weibchen aufgrund des zunehmenden Stresses nicht mehr tragend. Dann hilft nur noch, die Gruppe stark auszudünnen (Achtung, Futtermenge entsprechend anpassen!) und die überzähligen Tiere abzugeben — oder ein weiteres Aquarium aufzustellen …

Wasserwerte

Oft hat man bei nicht passenden Wasserwerten zwar tragende Weibchen, aber die Jungtiere kommen nicht hoch. Vor allem bei Garnelen aus weichem Wasser wie Bienengarnelen oder Hummelgarnelen empfehlen wir daher im Zweifel, die Wasserwerte durch Osmosewasser oder demineralisiertes Wasser und ein entsprechendes Mineralsalz den Bedürfnissen der Garnelen anzugleichen. Auch ein aktiver Soil  kann dazu beitragen, die Bedingungen für die Tiere in den optimalen Bereich zu bringen.
In Einzelfällen ist es sogar bei Neocaridina-Arten notwendig, das Wasser entsprechend aufzubereiten — wenn zum Beispiel der Nitratgehalt im Leitungswasser zu hoch ist. Auch für sie gibt es entsprechende Mineralsalze . Sind die Wasserwerte grob unpassend, kann es auch passieren, dass die Garnelen überhaupt nicht tragend werden, ein kritischer Blick lohnt sich also auf jeden Fall!

Eine trächtige Carbon Rili Garnele

Wasserwechsel

Regelmäßige Wasserwechsel (ca. 20% bis 50% pro Woche) tragen Schadstoffe aus und schaffen günstige Bedingungen für Garnelen, die in der Natur oft in Bächen vorkommen, wo sie ständig frisches Wasser bekommen. Auch sie wirken begünstigend auf die Vermehrungsfreude der Tiere. In der Natur signalisiert bei vielen Garnelenarten kühles Wasser den Beginn der Regenzeit und damit auch der Paarungszeit. In der Regenzeit finden auch die Wassertiere sehr viel mehr Futter. Wasserwechsel mit etwas kühlerem und etwas weicherem Wasser (bitte nicht mehr als 2 °C Temperatur-Unterschied zum Aquarium und nicht mehr als 50 bis 100 µS Unterschied beim Leitwert) in Verbindung mit etwas proteinreicherem Futter (Natureholic Proteinfeed) können die Vermehrungsfreude "anschubsen".

Filter

Wenn die Jungtiere nicht hochkommen, kann es auch daran liegen, dass der Filter ( Blog: Technik im Garnelenaquarium) nicht garnelensicher ist. Oft krabbeln die kleinen Garnelen aktiv in den Filter, weil sie den Filterschlamm zum Anbeißen unwiderstehlich finden, daher sollte man die Filterschlitze unbedingt bedecken. Beim Dennerle-Eckfilter geht das sehr einfach mit dem Baby Protect, bei Außenfiltern und Rucksackfiltern kann man über den Filtereinzug einfach eine Schaumstoffpatrone für Luftheberfilter ziehen. Für andere Innenfilter empfehlen wir als einfache Lösung ein Stück Damenstrumpfhose, das über die Filterschlitze gezogen wird. Klemmt man ein paar Stücke Cermec oder Sintomec unter den Strumpf, setzt er sich nicht so schnell zu und bleibt länger durchlässig.


Krankheiten

Muss der Körper der Garnele mit einer Infektion ( Immunsystem Garnelen Krankheitsprophylaxe ) kämpfen, stoppt die Fortpflanzung natürlich auch. Hier sollte man der Ursache auf den Grund gehen und die Krankheit durch entsprechende Maßnahmen bekämpfen. Sind die Tiere wieder gesund und haben sie sich erholt, beginnen sie in der Regel auch wieder, sich fortzupflanzen.

Die fütterung der Garnelen

Ein gesunder Körper ist das A und O für eine gute Vermehrung, und eine abwechslungsreiche, möglichst naturnahe Kost ist die Grundlage dafür. In unserem Natureholic Garnelenfutter Sortiment sind nicht nur alle Vitalstoffe enthalten, die Garnelen zum gesunden Wachstum und für prächtige Farben brauchen, wir haben bewusst auch z.B. in unserem Proteinfeed Phospholipide und Nukleotide eingebaut, die Garnelenweibchen für die Bildung qualitativ hochwertiger Eier benötigen, aus denen vitale Babygarnelen schlüpfen. Braunes Herbstlaub ergänzt und komplettiert das Futterangebot und bietet zudem auch noch Verstecke für die kleinen Garnelenbabys.


Versteckplätze im Garnelenaquarium

Tragende Weibchen sind stressanfällig und gehen darum gerne einmal in Deckung. Vor allem mit Moos bepflanzte Verstecke sind ideal für sie, da im Moos auch die Jungtiere sehr gute Bedingungen und auch Versteckmöglichkeiten vorfinden. Auch ein Moospolster oder eine Gruppe feinfiedriger Pflanzen leistet hier gute Dienste. Ganz wichtig sind Verstecke für die Weibchen und die Jungtiere im Gesellschaftsbecken in Anwesenheit von potentiellen Fressfeinden wie Fischen.


Weitere Tipps zur Aufzucht von Junggarnelen gibt es auch in unserem Blogartikel "Garnelen züchten — Aufzucht von Junggarnelen"

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