Grünalgen im Aquarium

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Nach dem vorletzten Blog, in dem wir über Grundsätzliches zu Algenplagen und über Kieselalgen geredet haben, beschäftigen wir uns heute mit dem weiten Feld der Grünalgen.

Allen Grünalgen ist gemeinsam, dass sie den grünen Pflanzenfarbstoff Chlorophyll enthalten. Das macht sie den höheren Pflanzen sehr ähnlich, und ihre Bekämpfung ist aus diesem Grund ein wenig kniffliger und eventuell auch langwieriger als bei den anderen Algen, die man im Aquarium sonst antreffen kann. Es gibt einzellige und vielzellige Grünalgen.

Beginnen wir bei den Einzellern und arbeiten wir uns Stück für Stück vor.

Grüne Schwebealgen

Allen voran sind hier die grünen Schwebealgen zu nennen — sie verursachen die klassische Algenblüte im Aquarium. Grünes Wasser spricht für einen Nährstoffüberschuss, oft sind Ammonium- oder Nitratspitzen der Grund. Man kann diesem Nährstoffüberschuss mit Wasserwechseln entgegen wirken, wenn der Grund dafür nicht im frischen Wasser liegt. Man kann eine Algenblüte aber auch einfach aussitzen. Sind die Nährstoffe aufgebraucht, geht die Algenblüte von alleine zurück. Den Bewohnern im Aquarium schadet es nicht, einige Tage im grünen Wasser zu leben, im Gegenteil. Die Algen produzieren Sauerstoff, und sie werden sogar recht gern gefressen. Oft gehören grüne Schwebealgen der Gattung Chlorella an — diese Alge findet auch in vielen Futtersorten Anwendung.

Möchte man die Algenblüte nicht aussitzen, so hat sich der Einsatz eines UV-C-Klärers bei Algenblüten bewährt. Hier werden die freien Algen im Wasser durch das UV-Licht abgetötet, sie sammeln sich dann im Filter. Ist das Wasser einigermaßen klar, sollte der Filter gereinigt werden (nur mit klarem kaltem Wasser), und wir empfehlen dann auch einen großen Wasserwechsel, damit die abgestorbenen Algen und die Nährstoffe, die sie freigesetzt haben, keine neue Algenblüte hervorrufen können.
Auch eine Dunkelkur von mehreren Tagen bringt die Schwebealgen zum Absterben. Lichtmangel schadet den Algen lange vor den höheren Pflanzen, die selbst eine Woche in völliger Dunkelheit in der Regel klaglos wegstecken. Auch nach einer Dunkelkur sollte der Filter grob gereinigt und ein Wasserwechsel vorgenommen werden. Dabei auch den Boden etwas absaugen!
Im techniklosen Aquarien lassen sich bei grünem Wasser hervorragend Wasserflöhe einsetzen. In gefilterten Aquarien gehen sie aufgrund der Strömung leider zu schnell ein. Das Gegenschwimmen kostet die Daphnien mehr Energie, als sie durch das Futter aufnehmen können, und sie verhungern mit vollem Bauch.

Schwebealgen gehören auf die Speisekarte von diversen Aquarienmuscheln wie zbsp. der Körbchenmuschel

Grüne Scheibenalgen

Auch der grüne Belag auf den Aquarienscheiben, der (an den Seitenscheiben und der Rückwand) in Garnelen-Zuchtbecken sogar gern gesehen ist, weil er für Junggarnelen — und nicht nur die — eine hervorragende Fläche zum Abgrasen darstellt, gehört zu den einzelligen Grünalgen. Viele Garnelenhalter räumen die Frontscheibe frei — man möchte seine Lieblinge ja schließlich trotzdem noch sehen — und lassen den Belag an den restlichen Scheiben stehen. Dazu eignen sich Magnetscheibenreiniger in verschiedenen Größen. Bitte achten Sie darauf, dass sich im Scheibenreiniger kein Sand befindet, selbst ein einziges eingeklemmtes Sand- oder Kieskörnchen kann wirklich üble Kratzer in die Aquarienscheibe ziehen! Viele Aquarianer bevorzugen aufschwimmende Magnetreiniger wie den Floaty , und wer schon ein Mal im Aquarium nach dem abgefallenen Innenteil fischen musste, versteht, wieso sie das tun. Aber auch mit einem Klingenreiniger kann man gerade Scheiben reinigen. Vorsicht an den Kanten, damit man die Silikonnaht nicht beschädigt! Bei gebogenen Frontscheiben ist der Klingenreiniger nicht tauglich, da es hier neben einem äußerst unbefriedigenden Reinigungsergebnis auch wieder böse Kratzer geben kann. In kleineren Aquarien ist eine alte Kredit- oder andere Plastikkarte eine ungefährliche Alternative, mit der man Beläge bestens entfernen kann und nicht Gefahr läuft, Kratzer zu produzieren.

Alternativ ist der Einsatz von Rennschnecken, Napfschnecken oder Geweihschnecken bei grünen Algenbelägen an den Scheiben nahezu ideal. Diese fleißigen Tierchen befreien allerdings alle Scheiben von den Belägen, nicht nur die Frontscheibe. In einem Nanobecken reicht beispielsweise eine kleine Putzkolonne von drei Sun Snails aus, um die Scheiben dauerhaft sauber zu halten.
Sind die Beläge einmal abgefressen, sollten auf Aufwuchs spezialisierte Schnecken, die kaum an Fischfutter zu gewöhnen sind, mit speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmtem Futter (z.B. dem Natureholic Schnecken Feed oder unseren Algae Plates zugefüttert werden.
In Aquarien ab 54 l (60 cm Kantenlänge) lassen sich gegen grüne Scheibenalgen auch Algen fressende Fische wie Ancistrus oder Otocinclus einsetzen.

Rennschnecken & Co. sind Aufwuchsfresser und raspeln mit großer Sorgfalt Scheibenalgen ab.

Grüne Punktalgen

Eine weitere Algenart, die man auf der Scheibe, aber auch häufig auf — vor allem älteren — Pflanzenblättern antreffen kann, sind die ausgesprochen harten grünen Punktalgen. Sie werden aufgrund ihrer Härte selbst von den meisten Algenfressern mit Ausnahme der Napfschnecke nicht gern gefressen. Mit etwas Geduld kann man diese Algen mit einem Klingenreiniger von der Scheibe kratzen (Achtung Silikonnähte!), beim Einsatz einer Kreditkarte braucht man für die grüne Punktalge schon ein wenig mehr Kraft.

Befallene Pflanzenblätter lassen sich einfach entfernen.

Vermehren sich Grüne Punktalgen massenhaft, sollte man sich das Nährstoffgleichgewicht im Aquarium anschauen und die Beleuchtung überprüfen. Optimiert man die Bedingungen für die höheren Pflanzen, entziehen diese den Punktalgen die Nahrungsgrundlage, und der Befall geht deutlich zurück.

Unter allen Garnelenarten ist die Amanogarnele mit Abstand der beste Algenfresser!


Fusselalgen, Pelzalgen, Fadenalgen

Hier handelt es sich um mehrzellige, relativ kurze bis sehr lange (über 30 cm), feine bis festere Grünalgenfäden, die an der Dekoration, Pflanzenblättern, aber auch vereinzelt an den Scheiben auftreten können. Auch ihr Auftreten spricht für ein Ungleichgewicht zwischen Licht, Nährstoffangebot und CO2. Hier sollte man unbedingt seine Dünge- und Futtergewohnheiten überprüfen und auch einmal über die Beleuchtung nachdenken - ist sie zu stark oder zu schwach? Die Wasserwerte zu messen empfiehlt sich ebenfalls, wobei zu beachten ist, dass die Algen stark nährstoffzehrend sein können und daher das Wasser absolut unauffällig sein kann, gerade weil der Algenbefall stark ist. Es empfiehlt sich in jedem Fall, die höheren Pflanzen gut mit einem entsprechenden Dünger mit Mikronährstoffen und Eisen zu versorgen. Hin und wieder kann ein Fadenalgenbefall sogar auf eine Mangelversorgung mit Makronährstoffen hinweisen. Bevor man nun einen NPK-Dünger zum Einsatz bringt, sollte man die Wasserwerte genau messen.

Die Bella Algenschnecke kommt ursprünglich aus Sri Lanka. Dort lebt sie in fließenden größeren und kleineren Gewässern mit wenig Strömung, wo sie Algenaufwuchs von harten Substraten wie Felsen abweidet.


Es gibt nur wenige nanotaugliche Bewohner, die Fusselalgen, Pelzalgen und Fadenalgen fressen. Zwerggarnelen kümmern sich zwar um sehr junge, aufwachsende Algen, die ausgewachsenen Algenfäden sind ihnen in der Regel leider zu hart. Amanogarnelen (fressen zwar diese Algen sehr gut, eignen sich aber erst für größere Aquarien ab 50 cm Kantenlänge.
Lange Fadenalgen lassen sich am besten mit einem Schaschlikstäbchen oder einer dünnen Flaschenbürste (bitte ohne Spülmittelreste …) aufwickeln und entfernen. So kann man den schlimmsten Befall unter Kontrolle bringen. Auch die kürzeren Fusselalgen und Pelzalgen sollte man aus dem Aquarium holen, und dann durch schnell wachsende Pflanzen wie Nixkraut, Wasserpest oder Hornkraut für Konkurrenz sorgen. Des weiteren ist es für die dauerhafte Bekämpfung dieser Algen entscheidend, dass die Bedingungen für die höheren Pflanzen optimiert werden, sodass sie gegen die Algen in Konkurrenz treten und ihnen so die Grundlage entziehen können. Dazu zählt die Versorgung mit Mikronährstoffen, Makronährstoffen (Stickstoff, Phosphor und Kalium), die CO2-Versorgung und natürlich die Beleuchtung.


Im nächsten Blog befassen wir uns mit Pinselalgen und anderen Rotalgen, wir würden uns freuen, wenn ihr wieder reinschaut.

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